China und die Finanzkrise
Als Erstes sterben die Schuhhersteller

China gilt bei vielen Investoren als relativ sicherer Hafen. Noch. Denn auch in den boomenden Küstenregionen ist die Finanzkrise längst angekommen. Doch anders als im Westen freuen sich Politiker und Ökonomen hier darüber.

PEKING. Vor allem nachts kann man den Aderlass sehen. An der Schnellstraße zwischen Shenzhen und Hongkong, wo sonst die Neonleuchten in den Fabriken nie ausgehen, wird nun immer öfter nicht mehr gearbeitet. In der Provinz Guangdong (Kanton), berühmt und reich geworden als Werkbank der Welt, gehen die Lichter aus. Seit gut einem Jahr haben hier 1 000 Schuhhersteller dicht gemacht. Allein in den ersten zwei Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Schuh-Exporteure von 1 855 auf 1 512 Firmen gesunken.

Chinas Exportregionen erleben in diesen Tagen schwere Rückschläge. Als Gründe nennen Beobachter neben steigenden Rohstoff- und Arbeitskosten vor allem zwei weitere Aspekte: Dollarkurs und US-Krise. Denn die Folgen des Subprime-Debakels in Amerika sorgen für sinkende Nachfrage, sagt Liu Mingkang, Chef der chinesischen Bankenaufsicht: „Das beeinflusst Chinas Exporte.“

Längst ist die Subprime-Krise in den boomenden Küstenprovinzen Chinas angekommen. Und Jun Ma, Chef-Ökonom der Deutschen Bank in Hongkong, erwartet das dicke Ende erst noch für die kommenden Quartale: „Die negativen Folgen des Exportabschwungs sind schwerwiegender, als wir gedacht haben.“ Währungsbereinigt hätten sich Chinas Exporte in den vergangenen Monaten fast halbiert. Vor allem in Chinas Möbel-, Textil-, Schuh- und Haushaltsgerätebranche seien noch viele Pleiten zu erwarten.

Auch Stephen Green, Ökonom von Standard Chartered Research in Schanghai, sagt einen Wandel voraus, der „für viele schmerzvoll sein“ wird. Er sieht die Subprime-Folgen für China aber durchaus auch als Chance. Während viele Billigexporteure wohl aufgeben müssten, dürften bessere Firmen öffnen und neue Jobs schaffen.

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