China und Indien
Ab durch die Mitte

Gebannt beobachtet die Welt den Aufstieg zweier asiatischer Riesen, die mehr als ein Drittel der Menschheit vereinen. Manager und Politiker treibt die Frage um, ob der behäbige indische Elefant zu dem wirtschaftlich enteilten chinesischen Drachen aufschließen kann. Angesichts des Tauwetters zwischen den alten Rivalen drängt eine neue Frage in den Vordergrund.

PEKING/DELHI. Könnten China und Indien die Welt noch mehr verändern, wenn sie enger miteinander kooperieren? Unter diesem Blickwinkel ist der dreitägige Indien-Besuch von Chinas Staatschef Hu Jintao, der gestern begann, für Europa von Relevanz. „Wenn sich in Asien 1,3 Milliarden Chinesen mit 1,1 Milliarden Indern vertragen, wird die Welt auf jeden Fall friedlicher“, findet Dingli Shen von Schanghais Fudan Universität.

Es ist die erste Reise eines chinesischen Präsidenten zum großen Nachbarn seit zehn Jahren. Sie solle das Vertrauen und die Kooperation beider Staaten vertiefen helfen, heißt es im Pekinger Außenministerium. Doch unter der Oberfläche von konzilianter Rhetorik und boomendem Handel hält sich ein hartnäckiger Bodensatz von Misstrauen.

Hu erwartet ein kühlerer Empfang als seinen Premier Wen Jiabao im Vorjahr. „Zusammen können wir eine Führungsposition in der Welt erringen“, hatte Wen bei seinem Indienbesuch kühn verkündet. Bündelten die aufstrebenden Mächte ihre Ressourcen, breche das „asiatische Jahrhundert“ wirklich an. Doch die damals begründete „strategische Partnerschaft“ mit Delhi hat bislang kaum an Substanz gewonnen. Ein ungelöster Grenzstreit, Erbe einer bitteren indischen Kriegsniederlage 1962, und strategische Rivalitäten lasten weiter auf den Beziehungen.

Kurz vor Hus Ankunft provozierte Chinas Botschafter dessen Gastgeber mit der Bemerkung, Arunachal – ein indischer Bundesstaat dreimal größer als die Schweiz – sei Territorium der Volksrepublik. Prompt schob sich in der indischen Presse die Frage nach Chinas Bedrohungspotenzial in den Vordergrund. „Die Atmosphäre hat sich eingetrübt“, urteilt der Außenpolitikexperte C. Raja Mohan, „die politischen Beziehungen bleiben leider so zerbrechlich wie eh und je.“ Obwohl sich beide Seiten auf einen Mechanismus zur Beilegung ihrer Grenzstreitigkeiten geeinigt haben, erwarten Experten in diesem Punkt bei Hus Besuch keinen Durchbruch.

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