China und Indien
Asiens Riesen proben Schulterschluss

China und Indien wollen ihre Beziehungen vom Ballast der Vergangenheit befreien. Regelmäßige Spitzentreffen, die Eröffnung neuer Konsulate und ein Zehn-Punkte-Plan sollen tief sitzendes Misstrauen abbauen. Partnerschaftlich wollen die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt die Globalisierung meistern.

DELHI. „Wir sind echte Partner“, beteuerte Chinas Staatschef Hu Jintao am Dienstag nach einem Treffen mit Indiens Premier Manmohan Singh. „Im Interesse von Frieden und Wohlstand in Asien und der ganzen Welt müssen wir unsere Freundschaft ausbauen.“ Die Beziehungen seien „irreversibel“ auf dem Weg zur Besserung, erklärten beide Politiker.

Die Anführer der zwei bevölkerungsreichsten Länder der Welt betonten die globale Bedeutung des bilateralen Verhältnisses – ein Indiz für Chinas und Indiens Selbstverständnis als aufstrebende politische und wirtschaftliche Schwergewichte. Singh widersprach der gängigen Ansicht, das Streben beider Länder nach Marktanteilen, Rohstoffen und Einfluss in der Welt bringe sie auf Kollisionskurs: „Es gibt genug Raum für unsere Länder, gemeinsam zu wachsen und Anteile an globalen Ressourcen zu gewinnen.“

Die Schlüsselrolle bei der Überwindung alter Feindseligkeiten fällt der raschen Intensivierung von Investitions- und Handelsströmen zwischen den Boom-Nationen zu. Diese wollen ihren bilateralen Handel bis 2010 mit Hilfe eines Aktionsprogramms von derzeit 20 auf 40 Mrd. Dollar verdoppeln und Investitionshürden für Firmen im Nachbarland schleifen. Zum Vergleich: Trotz Steigerungsraten von über 30 Prozent wächst der deutsch-indische Handel dieses Jahr voraussichtlich nur auf zehn Mrd. Dollar.

Als wichtigstes Indiz von Tauwetter werten indische Analysten die Absicht beider Staaten, außer bei Forschungs- und Technologie-Projekten auch bei der zivilen Nutzung von Atomenergie zusammenzuarbeiten. „Das ist ein positives Signal“, sagte Außenstaatssekretär Shiv Shankar Menon auf die Frage, ob er dies als Pekings Zugeständnis an Indiens Nuklear-Deal mit den USA sehe. Dieser hebt Indiens internationale Ächtung in Nuklearfragen auf, ohne dass das Land dem Nicht-Proliferationsvertrag beitritt.

Weil er auch für ein potenziell gegen China gerichtetes Heranrücken Indiens an Amerika steht, stand Peking dem Atompakt bislang skeptisch gegenüber. China ist ein wichtiges Mitglied der Nuclear Supplier's Group, deren Zustimmung Indien für den Bezug von Nuklearmaterial noch benötigt. Um den Energiehunger ihrer rasant wachsenden Volkswirtschaften zu stillen, verfolgen China und Indien die weltweit aggressivsten Pläne zum Bau neuer Atommeiler.

Seite 1:

Asiens Riesen proben Schulterschluss

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%