China und Indien testen Annhäherung
Der Weg nach „Chindia“ ist noch weit

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Indien entwickeln sich rasant. Der bilaterale Handel überschreitet dieses Jahr die 20-Mrd.-Dollar-Grenze. Die benachbarten Riesen, die vor 15 Jahren noch kaum miteinander handelten, werden zum schlagkräftigen Doppelpack. „China und Indien repräsentieren die Zukunft Asiens – und ziemlich sicher die der Weltwirtschaft“, glaubt Stephen Roach, Chef-Ökonom von Morgan Stanley.

and/olm DELHI/PEKING. Lange boomten die zwei bevölkerungsreichsten Länder der Welt nebeneinander her, doch zunehmend zündet die wirtschaftliche Dynamik auch über ihre Grenzen. Indiens Vize-Industrie-Minister Ashwani Kumar ist dem Mode-Konzept „Chindia“ verfallen und fordert: „Wir müssen die Synergien zwischen unseren Volkswirtschaften stärken.“ Vor dem Indien-Besuch von Chinas Staatschef Hu Jintao haben beide Seiten ihre Ziele höher gesteckt: Schon 2010 soll der Warenaustausch auf 50 Mrd. Dollar angekurbelt werden. 2015 soll das Doppelte davon erreicht sein.

Engere Handels- und Investitionsbeziehungen werden daher beim heutigen Gipfel zwischen Hu und Indiens Premier Manmohan Singh im Mittelpunkt stehen. Doch hinter den positiven Zahlen klaffen Missverhältnisse, welche die Kluft zwischen beiden Volkswirtschaften andeuten: Während China für Indien bereits der zweitgrößte Handelspartner nach den USA ist und angesichts der Steigerungsraten bald Nummer eins werden könnte, rangiert Indien in der Rangfolge von Chinas Handelspartnern unter ferner liefen.

Vor allem liefert Indien hauptsächlich Rohstoffe nach China wie Eisenerz und Baumwolle. Daraus gefertigte chinesische Computer, Textilien und Haushaltsgeräte schwappen nach Indien zurück. „Wegen der Schwäche unserer verarbeitenden Industrie exportieren wir Jobs nach China“, klagt D.K. Nair, Generalsekretär des Verbands der indischen Textilindustrie.

Für die produzierende Industrie spiele die Infrastruktur nun einmal eine wichtige Rolle, erklärt Michael Cannon-Brookes, für Indien und China zuständiger Manager bei IBM in Peking. „Da ist China ganz klar im Vorteil.“ Ausländische Konzerne haben eine Vorliebe für Standorte wie Schanghai oder Shenzhen: Mit rund sechs Mrd. Dollar hat Indien im Vorjahr nur ein Zehntel der Direktinvestitionen Chinas angezogen. Allerdings sollen dieses Jahr nach vorläufigen Schätzungen bereits zwölf Mrd. Dollar ins Land strömen. Und Indien erobert den Globus bislang nicht mit Socken und Handys, sondern ist mit dem Export von Dienstleistungen in die Weltwirtschaft gestartet. Dieser Bereich benötigt deutlich weniger Kapital als das verarbeitende Gewerbe.

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