China und Japan
Olympiakekse und Pandabären zum Abendessen

Lächeln und Winken, Lächeln und Nicken. Der Besucher weiß, was sich gehört – und die Gäste nicht minder. Als Hu Jintao, in dunklem Anzug und roter Krawatte, etwas steif den Arm hebt und ihn wie automatisiert hin und her schwenkt, stimmt auch Japans Kaiser Akihito ein. Zehn Jahre lang war kein chinesischer Staatschef mehr in Japan. Soweit soll es nicht mehr kommen.

TOKIO. Ein Haufen braver Kinder ist an diesem Mittwoch morgen aufgefahren worden, um die Bewegung der Männer aufzunehmen. In kleinen, fast hektischen Bewegungen schwenken sie die Fahnen der Länder, die eine äußerst kriegerische Vergangenheit verbindet.

Das Zeichen, das von diesen Bilder ausgehen soll, ist klar. Vergangenheit ist Vergangenheit, zumindest hier und jetzt. Auch als Chinas Staatschef Stunden später dem eigentlich starken Mann im Land, Japans Ministerpräsident Yasuo Fukuda gegenüber sitzt, wiederholt sich das Ritual. Das Gebot dieses Besuchs heißt: Zähne zeigen – und Probleme weglächeln.

Denn der Besuch von Chinas mächtigstem Mann in Japan kommt zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich wollen die Länder einen politischen Neuanfang einleiten. Doch vor allem das brutale Vorgehen der Chinesen in Tibet hat die japanischen Bevölkerung aufgebracht.

Am Dienstagabend, nach Hus Einreffen in Tokio, gibt es deshalb auch kein Lächeln, sondern wütende Proteste und Prügel. Rund 1 300 Demonstranten ziehen durch die Straßen der Metropole und prangern die Unterdrückung des tibetischen Volks an. Der 59-jährige Takeshi Shimakawa ist einer von ihnen. „Ich will, dass die japanische Regierung China ernsthaft ermahnt, die Rechte des tibetischen Volkes und anderer Menschen zu respektieren“, formuliert er eher vorsichtig. Der Mann neben ihm dagegen, gekleidet wie der Dalai Lama mit rasiertem Kopf und Megasonnenbrille und Megaphon, schreit die Losung der Protestanten mit klareren Worten in den Abendhimmel: „Free Tibet.“

Bei Adressat Hu Jintao kommt seine Botschaft allerdings nicht an. 6 600 Polizisten hat Japan aufgefahren, um den hohen Gast abzuschirmen. Als ein Demonstranten sich zu nahe an die Absperrungen wagt, wird er rüde zu Boden geworfen und verhaftet. Die japanische Regierung ist daran interessiert, das dieser Besuch keinen unangenehmen Ausgang nimmt.

Denn trotz aller Probleme mit China, etwa Streitigkeiten über Territorialdispute wegen Öl- und Gasvorkommen im Ostchinesischen Meer, dem Schutz von geistigem Eigentum und Lebensmittelfragen, hat die japanische Regierung zu jeder Zeit im Hinterkopf, dass China Japans größter Handelspartner ist. Und eine Macht mit militärischem Bedrohungpotenzial.

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