China und Japan sagen Schuldenerlass zu
Auf der Suche nach den Saddam-Milliarden

Rund 40 Milliarden US-Dollar soll der ehemalige irakische Machthaber Saddam Hussein vor seiner Gefangennahme ins Ausland geschafft haben. Das erklärte der provisorische Regierungsrat in Bagdad. Das Geld sei „in Scheinfirmen in der Schweiz, Japan, Deutschland oder anderen Ländern investiert“ worden, sagte Regierungsratsmitglied Ijad Allawi in einem Zeitungsinterview.

HB BAGDAD/KAIRO. Die USA sind unterdessen bei ihren Bemühungen um einen Erlass der irakischen Auslandsschulden einen großen Schritt vorangekommen. Nach Russland, Deutschland und Frankreich sicherten am Montag auch Japan und China ihre Bereitschaft zu einem Teilerlass der Schulden zu.

Der US-Sonderbeauftragte James Baker sagte nach einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi in Tokio: „Ich denke, wir haben einen sehr, sehr guten Fortschritt in der sehr wichtigen Frage der Schulden Iraks gemacht“. Japan ist nach den Worten Koizumis zu einem substanziellen Schuldenerlass bereit. Bedingung sei, dass auch andere Mitglieder des Pariser Clubs der Gläubigernationen hierzu bereit seien, sagte Koizumi nach Angaben japanischer Medien. Iraks Außenstände bei Japan belaufen sich auf 4,1 Milliarden Dollar, unter Einberechnung von Bußgeldern wegen verspäteter Zahlungen sind es sogar sieben Milliarden Dollar.

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao sagte in Peking zu, eine Verringerung der irakischen Schulden „in einem vergleichsweise großen Maße aktiv zu erwägen“, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Auch Staats- und Parteichef Hu Jintao empfing den früheren US-Außenminister Baker, der im Auftrag von Präsident George W. Bush weltweit eine Verringerung der 120 Milliarden US-Dollar hohen Auslandsschulden des Iraks erreichen will. Der Irak schuldet China nach offiziell unbestätigten Presseberichten 2,6 Milliarden US-Dollar für Energieprojekte und 420 Millionen für chinesische Importe.

Der provisorische irakische Regierungsrat bemüht sich unterdessen, den Verbleib des Milliardenvermögens von Saddam aufzuklären. Der Rat habe dazu international tätige Anwaltskanzleien eingeschaltet, sagte Allawi der arabischen Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“. Saddam habe nach seiner Festnahme durch die US-Armee am 13. Dezember wichtige Informationen über den Verbleib von Geld und Waffen preisgegeben.

Wieder Lebensmittelkarten

Ein Vertreter des irakischen Handelsministeriums kündigte an, dass die 25 Millionen Einwohner des Landes von Januar an wieder mit Grundnahrungsmittel-Rationen versorgt werden sollen. Der Regierungsrat hatte im November vier Milliarden US-Dollar dafür bereitgestellt. Jeder Iraker, der eine Lebensmittelkarte hat, soll pro Monat 18 Kilogramm Grundnahrungsmittel bekommen, darunter Mehl, Reis, Zucker, Öl, Milch, Tee. Zudem gibt es Reinigungsmittel.

Unterdessen gingen die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Irak weiter: Die US-Armee tötete bei einem Gefecht in der nordirakischen Stadt Mosul am Sonntagabend drei mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Ansar el Islam, wie aus der Behörde von Zivilverwalter Paul Bremer verlautete. Die US-Soldaten seien zuvor mit automatischen Waffen und Granaten beschossen worden. Sechs Iraker, darunter eine Frau und drei Kinder, seien der irakischen Polizei übergeben worden. In dem Haus sei ein umfangreiches Waffenarsenal gefunden worden - darunter Raketenwerfer und Raketen.

Bei einem Angriff in der Ortschaft Mahmudija südlich von Bagdad wurden nach Angaben des arabischen Fernsehsenders El Dschasira zwei irakische Wachleute getötet und ein britischer Ingenieur verletzt.

Nach dem Tod von fünf Bulgaren bei einem Terroranschlag gegen ein bulgarisches Armeelager in der irakischen Stadt Kerbela am Samstag flog der bulgarische Verteidigungsminister Nikolaj Swinarow am Montag in den Irak. Die Toten sowie mehrere bei dem Anschlag leicht verletzte Soldaten sollten nach Sofia zurückgebracht werden. Vier lebensgefährlich verletzte Bulgaren seien von Bagdad aus bereits in das US-Krankenhaus im pfälzischen Landstuhl geflogen worden, hieß es.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%