China
Volkskongress drosselt Wachstumsziel

Nachhaltiger, durchlässiger und langsamer: So soll Chinas Wirtschaft nach dem Willen der kommunistischen Führung in diesem Jahr wachsen. Ihr Konjunkturziel liegt nur noch bei etwa sieben Prozent.
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PekingChina setzt für 2015 auf ein langsameres Wachstum: Für das laufende Jahr hat die Führung in Peking ihr Wachstumsziel auf rund sieben Prozent heruntergeschraubt. Dies geht aus einem Report hervor, den Ministerpräsident Li Keqiang zum Auftakt der diesjährigen Plenarsitzung des Volkskongresses am Donnerstag vorstellte. Für das vergangene Jahr hatte die Regierung noch ein Wachstumsziel von 7,5 Prozent ausgegeben. Letztlich gab es nur ein Plus von 7,4 Prozent – der niedrigste Wert seit 1990. 2007 verzeichnete das Reich der Mitte noch Traumwachstumsraten von 14,2 Prozent. Seitdem ging es stetig bergab.

Die kommunistische Führung will die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf einen nachhaltigeren Wachstumskurs bringen, der primär von Binnenkonsum und Dienstleistungen gesteuert wird. Das auf Handel, Anlagenimmobilien und umweltschmutzende Industrien ausgerichtete Modell soll stattdessen langfristig aufs Abstellgleis. „Wir müssen die richtige Balance zwischen stetigem Wachstum und strukturellen Anpassungen beibehalten“, hieß es in Lis Bericht. Das Wachstumsziel stehe im Einklang mit dem Streben nach einer „moderat wohlhabenden Gesellschaft.“

Zwar zeigt sich die chinesische Regierung betont gelassen mit Blick auf die Konjunkturabschwächung, die Präsident Xi Jinping als die „neue Normalität“ bezeichnet hat. Doch scheint sie auch die Sorge vor politisch heiklen Jobverlusten umzutreiben: Seit November gab es zwei Zinssatzkürzungen und eine Senkung der Gewerbesteuer, um so die Wirtschaft anzukurbeln.

In seinem Arbeitsbericht versicherte Li, das neue Wachstumsziel werde genügend Jobs sicherstellen. So werde sich die Regierung um die Schaffung von zehn Millionen Stellen bemühen, die Arbeitslosenrate in urbanen Gegenden solle weiter bei 4,5 Prozent oder darunter liegen. Das Inflationsziel soll den Angaben zufolge bei rund drei Prozent bleiben.

Zudem versprach Li, Unternehmen und ausländischen Investoren eine größere Rolle in der chinesischen Wirtschaft zuzuweisen. Nach drei Dekaden marktorientierter Reformen wird diese nach wie vor von staatlichen Banken, Ölkonzernen und anderen Unternehmen dominiert.

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  • Das reale Wirtschaftswachstum soll also auf 7 Prozent in China gesenkt werden. Das nominale Wirtschaftswachstum wird dann wohl in laufenden Preisen auf 10 Prozent bzw. auf 7 Prozent real und 3 Prozent Preissteigerung gesenkt, oder? Real soll also das chinesische Wachstum auf ca. 700 Mrd. Dollar pro Jahr gesenkt werden. Im Kaufkraftvergleich, ein Dollar ist in Kaufkraft ein Dollar in den USA. In China hat ein US Dollar die Kaufkraft von mindestens 1,5.
    Welche Bezugsgrößen ergeben sich nun für China? Das BIP in laufenden Preisen samt Kaufkraftvergleich betrug 2014 in China 14.700 Mrd. Dollar, ohne Taiwan und Hongkong, die würden weitere 1.400 Mrd. Dollar auf die Waage legen. In laufenden Preisen soll China 2015 "nur" (!) um 1.470 Mrd. Dollar wachsen. Das reale Wachstum soll "nur" (!) noch um 700 Mrd. Dollar steigen. Ist ein Vergleich mit den USA erlaubt? Das reale BIP betrug 2014 in den USA ca. 17.120 Mrd. Dollar. Das reale Wachstum von 2,9 Prozent 2015 würde dann ca. 17.600 Mrd. Dollar betragen oder 500 Mrd. Dollar mehr als 2014. Wie werden sich die laufenden Preise in den USA entwickeln? Das weiß noch niemand. Das berühmte 2 Prozentziel der Währungsstabilität dürfte bei niedrigem Ölpreis nicht erreichbar sein. Im Februar erreichte die Inflation ja auch rasante minus 0,1 Prozent. Damit wäre das Wachstum in laufenden Preisen nicht höher als preisbereinigt. Das Wachstum wäre dann nicht 800 Mrd. in den USA gegenüber 1.400 Mrd. in China. Vergleich Ende. Was sagt die Fed dazu in ihrem Beige Book? Gar nichts? Das ist ja nicht sehr viel!

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