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China: Wie sich China gegen drohende Aufstände stemmt

Jobmessen, PC-Kurse, Schweißerlehrgänge: Weil Millionen Chinesen in der Wirtschaftskrise keine Jobs mehr finden, übt sich die KP in Arbeitsmarktpolitik. Denn gerät die Krise außer Kontrolle, drohen landesweit Aufstände.

von Andreas Hoffbauer
Mit Schrim, aber ohne Arbeit: Jobsuchende vor dem Eingang einer Jobmesse in Hangzhou. Quelle: Reuters
Mit Schrim, aber ohne Arbeit: Jobsuchende vor dem Eingang einer Jobmesse in Hangzhou. Quelle: Reuters

PEKING. Wie ein Preisschild im Schlussverkauf baumelt der Zettel am Knopfloch des dunklen Mantels. "Ich bin der beste Nudelkoch", hat der Mann mit dem runden Bauch darauf geschrieben. Und so wartet er an diesem kalten Wintermorgen, Hände in den Hosentaschen, auf dem Gehweg im Westen Pekings.

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Vor ihm sitzt ein älterer Chinese auf der Bordsteinkante. Er hat den Kopf müde auf die Knie gebettet. Mit dem Bündel neben sich sieht er aus wie ein Bettler. Doch er fleht nicht um milde Gaben, er sucht einen Job. "Mache alle kalten Speisen perfekt", steht auf dem Stück Pappe, das neben ihm auf dem Gehweg liegt.

Es ist die Ecke der Köche. Ein paar Meter weiter an der staubigen Seitenstraße sitzen die Maurer, einige haben ihre Kellen wie kleine Kunstwerke vor sich aufgebaut. Hinter ihnen hocken die Schreiner und spielen Karten gegen Kälte und Langeweile. Ihre Sägen liegen griffbereit - so können sie gleich los, falls ein "Boss" kommt und irgendwo in der Millionenstadt Arbeit bietet.

Doch die Bosse, wie sie die illegalen Arbeitsvermittler nennen, kommen nur noch selten. Die Krise beutelt auch das Boomland China. Die Wachstumsraten der vergangenen drei Quartale: 10,1 Prozent, dann 9,0 Prozent, schließlich 6,8 Prozent. Nach offiziellen Angaben haben bereits 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. Die wahre Zahl dürfte weit höher liegen.

Also warten schon früh morgens manchmal Tausende Wanderarbeiter hinter Pekings Liuli-Brücke auf Arbeit. Köche, Kellner, Maurer, Schweißer oder Schneider. Für viele ist der inoffizielle Arbeitsmarkt die letzte Chance. Die Stimmung ist gereizt.

Arbeitslosigkeit führt zu Frust, und der könnte bald in politischen Unmut gegen die Herrschenden umschlagen. Deshalb ist der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit eines der wichtigsten Themen des Nationalen Volkskongresses. Am Donnerstag tritt Chinas Parlament für zwei Wochen zu seiner alljährlichen Sitzung in Peking zusammen (siehe: Machtloses Mega-Parlament).

Per Konjunkturprogramm hat die Regierung schon 460 Milliarden Euro in die Wirtschaft gepumpt, aber Geld allein wird nicht reichen. Nun übt sich China in aktiver Arbeitsmarktpolitik, um der Arbeitslosenheere Herr zu werden. Was die Kommunistische Partei vor enorme Herausforderungen stellt, das ist für clevere Unternehmer ein Wachstumsmarkt in mageren Zeiten.

Auch Zhang Jun Hui wartet hinter der Liuli-Brücke. "Schon vor der Wirtschaftskrise war es nicht leicht, Arbeit zu finden", sagt der 34-Jährige. "Doch die Krise macht die Lage jetzt noch viel schlimmer." Er habe schon alles erlebt, die Planwirtschaft, den Kapitalismus. "Aber jetzt habe ich erstmals Angst vor der Zukunft." Er stammt aus Henan, Bauer war er, nun sind seine Ersparnisse fast aufgebraucht. Die letzte Dusche ist lange her, der Mantel abgewetzt. Zhangs Augen blicken hungrig und müde. Nur, ein Job ist an diesem Morgen nicht in Sicht.

Zhang gehört zu den wandernden Gesellen, denen die Volksrepublik ihren rasanten Aufschwung verdankt. Er hat in den Fabriken an der Südküste Zahnbürsten produziert, in Nordchina in den neuen Restaurants für die Mittelschicht gearbeitet. Nach Peking kam er wegen Olympia, um auf einer der zahlreichen Baustellen anzuheuern.

Zhang sah die Krise kommen. Nach dem Frühlingsfest Ende Januar ist er besonders früh aus seinem Dorf nach Peking zurückgekehrt. Ihm war klar, dass Arbeit knapp werden würde, da immer mehr Arbeitslose in die Städte drängten. "Im Süden machen momentan viele Fabriken einfach zu", sagt er.

Doch Olympia ist vorbei, und auf Pekinger Baustellen wird nicht oder nur noch mit halber Kraft gearbeitet. Es gehe ihm weniger um sich selbst, sagt er. "Ich kann irgendwie überleben, aber meine Eltern sind arme Bauern, die kommen ohne mein Geld nicht aus." Und dann erwacht die Menge um ihn herum, alle erzählen von ihren Töchtern, Eltern oder Geschwistern, die irgendwo in China in einem Dorf auf das Geld der Wanderarbeiter warten - vergeblich.

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