China zeigt seine Atom-U-Boote
Chinas U-Boote: Aktion „Harmonische Ozeane“

Ferngläser sind an diesem Tag in Qingdao der Renner. China zeigt erstmals seine Atom-U-Boote - und feiert seinen eigenen Aufstieg zur Seemacht. Doch nicht alle freuen sich darüber.

PEKING. Wer etwas vom großen Spektakel in der Bucht vor der chinesischen Küstenstadt sehen will, muss gute Augen haben - nicht nur, weil es diesig und wolkenverhangen ist. Vielmehr ist der Hafen von Qingdao großräumig abgesperrt. Gerade einmal 500 Einwohner der Millionenstadt dürfen die Flottenparade zum 60. Gründungstag der chinesischen Marine hautnah miterleben. Das merkten sogar staatliche Medien kritisch an. Berichtet wurde auch, dass die Taxifahrer der Touristenstadt die Anweisung bekommen hätten, ausländische Besucher keinesfalls Richtung Hafen zu kutschieren - "zum Schutz ihrer Sicherheit", wie es freilich hieß.

Tatsächlich schwamm in den Gewässern vor Qingdao am Donnerstag hochbrisantes Material: Erstmals zeigte China seine atomgetriebenen Unterseeboote in aller Öffentlichkeit. Das hatte schon im Vorfeld für Aufsehen gesorgt. Seit Tagen spekulierten heimische Medien, ob in Qingdao nur die erste Generation oder die ganz neuen Atom-U-Boote der Marine auftauchen würden.

Zeige Peking seine modernste Flotte, lautete die These eines Militärexperten, bedeute dies, dass Chinas Marine reif für den globalen Einsatz sei. Und so bekamen die unsichtbarsten Boote an diesem Tag die größte Aufmerksamkeit. Mit ihnen präsentierte sich Chinas Seeflotte nun dort, wo bei den olympischen Segel- und Surfwettkämpfen die Besten des Sports aufgetreten waren, als eine neue Macht der Meere - und genau das ist auch die Botschaft, die von Qingdao aus in alle Welt gehen sollte. Chinas Marine sei zur Seemacht aufgestiegen, sagte Marinekommandeur Wu Shengli vor den Befehlshabern von 29 Seestreitkräften, die zur Parade gekommen waren. China werde die Modernisierung seiner Kriegsmarine vorantreiben. Geplant sei etwa der Bau extrem leiser U-Boote, die kaum geortet werden können, sowie eine neue Generation von Flugzeugen und Torpedos.

Manch ausländischer Militärbeobachter wird nach diesen Worten Qingdao mit eher gemischten Gefühlen verlassen haben. Zumal Chinas Medien am Mittwoch vom ersten eigenen Flugzeugträger träumten, der natürlich nach dem Großen Vorsitzenden Mao benannt werden müsste.

Das war US-Admiral Gary Roughead dann doch zu viel Säbelrasseln. Sollte China, wie schon länger vermutet, bald eigene Flugzeugträger bauen, dürfte dies bei asiatischen Nachbarländern große Sorgen auslösen, merkte der Militär in Qingdao an. Vor allem Japan, Taiwan und Indien sorgen sich seit Jahren über Chinas Aufrüstung, nicht nur zur See. Die Regierung in Peking versicherte darum immer wieder über die amtlichen Medien, dass China "niemals eine Bedrohung für andere Nationen darstellen wird" und weder eine Vorherrschaft noch ein Wettrüsten anstrebe. Man suche die Kooperation mit anderen Seemächten, um gemeinsam den Kampf gegen Terroristen, Schmuggler und Piraten aufzunehmen. Ziel seien "harmonische Ozeane", weltweit. China habe diesen Willen mit seinem Einsatz vor Somalia bereits bewiesen.

An der fernen Uferpromenade, am Platz des 4. Mai, wo sich die Massen um das große rote Denkmal drängen, bleiben die Gefühle jedoch eher gemischt. Er sei schon etwas enttäuscht, dass er nicht näher heran dürfe, schimpft ein älterer Chinese und reckt vergeblich seinen Hals. Aber er sei auch stolz, dass so viele ausländische Kriegsschiffe zur Parade gekommen seien: "Das belegt unsere Stärke, und dass unsere Marine inzwischen großen Einfluss hat."

Und dann kauft er sich - quasi als patriotischen Akt zur Feier des Tages - doch noch ein billiges Fernglas von einem der fliegenden Händler. Chinas U-Boote hat er dennoch nicht gesehen. Sie waren längst wieder abgetaucht.

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