Chinas Aufstieg
„Wir sind die Neuen, die Zukunft“

Ob wir wollen oder nicht: Die Welt wird chinesischer. Allerdings hat dies weniger mit der „Pullover-Schwemme“ oder mit Billig-Schuhen zu tun. Die Massenware ist nur ein Teil der China-Geschichte. Längst spielt auch der politische und kulturelle Einfluss eine Rolle.

PEKING. Lenovo kauft die PC-Sparte von IBM. Jeder vierte Auslandsstudent auf der Welt ist Chinese. Das erste Konfuzius-Institut in Deutschland ist eröffnet. 30 Millionen Studenten rund um den Globus büffeln Chinesisch. Peking plant einen bemannten Flug zum Mond. Star-Pianist Lang Lang soll zur Fußball-WM in Deutschland spielen. Und selbst Hollywood rollt China den roten Teppich aus: für Filmemacher wie Ang Lee und Schauspielerin Zhang Ziyi .

Ob wir wollen oder nicht: Die Welt wird chinesischer. Allerdings hat dies weniger mit der „Pullover-Schwemme“ oder mit Billig-Schuhen zu tun. Wer nimmt überhaupt noch wahr, dass das meiste Kinderspielzeug in deutschen Läden halb um den Erdball geschippert ist? Oder dass nahezu jeder Reißverschluss aus einer chinesischen Fabrik stammt? Die Massenware ist nur ein Teil der China-Geschichte. „Es geht längst um politischen Einfluss und um Elemente der chinesischen Kultur“, umreißt ein Diplomat in Peking die Position Chinas in der Welt. So wie einst mit Coca-Cola der amerikanische Lebensstil nach Europa gekommen sei, erlebe die Welt heute eine Sinisierung. Nur heißen die Marken eben Haier oder Lenovo. „Design und Qualität unserer Produkte sind bereits Weltklasse“, sagt Lenovo-Chef Yang Yuanqing. „Wir sind die Neuen“, wirbt sein Unternehmen in Deutschland. „Wir sind die Zukunft.“

Ist das der Schlachtruf des neuen China? Flugzeuge, Hochgeschwindigkeitszüge, Automarken – noch ist das Zukunftsmusik. Doch die Weichen sind gestellt: Airbus hat die erste Flugzeugfertigung in China angekündigt, Siemens wird bald die ersten ICE-Züge im Reich der Mitte bauen. Und Firmen wie der Kleinwagenhersteller Geely wollen ihre Autos nach Europa bringen. China bleibt die Werkbank der Welt, nur auf immer höherem Niveau.

Das Besondere an China sei, meint Harvard-Ökonom Richard Freeman, dass das Land sowohl mit niedrigen Löhnen als auch im High-Tech-Bereich wird konkurrieren können. Stimmt das, wird China in Zukunft vermutlich noch viel stärker als bisher über Arbeitsplätze, Löhne und Preise in Deutschland bestimmen.

Für Ökonom Jonathan Anderson von UBS in Hongkong ist das Reich der Mitte nicht aufzuhalten. „Chinas Wachstum wird sich mit einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich acht Prozent in den kommenden 20 Jahren fortsetzen“, ist er überzeugt.

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