Chinas Bankexperte Yu Yongding

„Die Deutschen müssen wirklich etwas geben“

China kann Europa in der Krise zur Seite stehen - aber dafür muss vor allem Deutschland mehr Risiken eingehen. Die Politik der Euro-Zone sei zudem schwer verständlich, klagt Pekings Ex-Zentralbanker Yu Yongding.
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Yu Yongding, chinesischer Ökonom und früherer Berater der Zentralbank. Quelle: Finn Mayer-Kuckuk

Yu Yongding, chinesischer Ökonom und früherer Berater der Zentralbank.

(Foto: Finn Mayer-Kuckuk)

Professor Yu, kann China den Euro retten?

Meiner Meinung nach sollte China tatsächlich versuchen, den europäischen Ländern zu helfen - auch weil das Überleben des Euros und der Wohlstand der EU in Chinas Interesse liegen. Aber wir müssen uns realistisch fragen, was wir in der Praxis überhaupt machen können.

Was denn?

Meiner Meinung nach sollte die EU erst ihr eigenes Haus in Ordnung bringen. Das hat auch Premier Wen Jiabao betont. Die Europäer sollten zuerst ein klares Konzept vorlegen, wie sich die Euro-Zone retten lässt. Sie muss echte politische Entschlossenheit zeigen, die Probleme zu lösen. Um internationale Investoren wie China ins Boot zu holen, wäre ein klarer Plan nötig, welche Handlungsoptionen im Falle bestimmter Szenarien vorgesehen sind. Anhand dessen könnte die EU China zeigen, wie sich gezielt helfen lässt.

Versteht China denn, was Europa will?

Nein, derzeit wirkt die Politik der Euro-Zone intransparent und schwer verständlich. Wir Chinesen haben zwar etwas Geld in der Kasse, aber damit ist es nicht getan. Wir warten darauf, dass ihr in Europa die Initiative ergreift.

Also wird China vorerst nicht in großem Stil bei EFSF-Anleihen zugreifen?

China kauft diese Papiere bereits, aber das wird so nicht reichen. Im vergangenen Jahr, als die Idee des EFSF aufkam, waren 440 Milliarden Euro im Topf, mit denen die Anleihen des Fonds zu 120 Prozent übergarantiert waren. Der EFSF konnte damit Bonds mit einem AAA-Rating ausgeben. Papiere von so guter Qualität kauft China grundsätzlich gerne. Die Frage ist, ob China sich auch an den künftigen Plänen beteiligen sollte.

Und wie denken Sie darüber?

Inzwischen ist die Idee aufgekommen, dass die Mittel des EFSF mit Hebelwirkung angewendet werden sollen. „Leveraging“ klingt leider immer verdächtig nach CDOs und anderen Finanzinstrumenten, die seit der US-Krise in Verruf geraten sind. Damit hat sich der Charakter der EFSF gewandelt. Dazu kommt, dass die Situation mit den jüngsten Entwicklungen in Italien viel, viel schlechter aussieht als damals. Das Grundproblem ist doch: Europa stellt einfach nicht genug Geld bereit. Auch eine Billion wäre nicht genug, und ihr habt bei weitem nicht so viel zugesagt.

Was sollen die Euroländer tun, um China doch noch ins Boot zu holen?

Es springt zunächst ins Auge, dass Deutschland noch viel mehr Geld zur Verfügung stellen könnte. Wenn Deutschland wirklich etwas am Überleben des Euros liegen würde, könnte es selbst italienische Bonds kaufen. Ihr habt genug Geld.

Deutschland soll Italien im Alleingang retten? Wie soll das konkret aussehen?

Realistischerweise müssten die EU-Länder eine Übereinkunft zum gemeinsamen Ankauf der Anleihen finden. Deutschland spielt hier jedoch als wichtiger Financier des Systems eine Schlüsselrolle. Das deutsche Volk wird Risiken tragen müssen und sollte bereit sein, bei Zahlungsausfall darunter zu leiden. Das bedeutet ein politisches Risiko für die Handelnden.

Und das soll die Bundesregierung tragen?

Ich kann die Haltung des deutschen Volkes sehr gut verstehen: Ihr arbeitet hart und ihr seid dadurch reich geworden. Einige andere Länder halten ihren Laden nicht Ordnung und jetzt sollt ihr Deutschen die Zeche bezahlen?! Aber die Wahrheit ist, wenn der Euro intakt bleiben soll, dann müssen die Deutschen wirklich etwas geben. Das ist eine schwere Entscheidung, aber jemand muss sie fällen. Indem man das Problem verschiebt, macht man es nur immer größer. Wenn ihr schon im vergangenen Jahr gehandelt hättet, wäre die Lage nie so schlimm geworden.

Welche Rolle sollte die EZB spielen?

Die EZB könnte noch viel mehr italienische Anleihen aufkaufen. So, wie es die Federal Reserve in den USA mit amerikanischen Schuldtiteln gemacht hat. Das ist zwar keine gute Praxis, aber in einer verzweifelten Lage ist es völlig legitim. Die Deutschen sollten zudem ihre lang gehegte Tradition einer völligen Ablehnung moderater Inflation ändern. Wahrscheinlich ist es aber so, dass es auch nach so einem Programm gar nicht zu hoher Inflation kommt. Doch die Möglichkeit besteht, und die Deutschen müssen lernen, solche Risiken einzugehen, wenn sie zur Euro-Rettung beitragen wollen.

Nun ist es eher unwahrscheinlich, dass die Deutschen plötzlich mehr Toleranz gegenüber Inflation zeigen. Wären stattdessen gemeinsam ausgegebene Euro-Bonds für China attraktiv?

Oh ja, sie wären hochattraktiv, wenn sie sicher sind. Auch EFSF-Bonds sind grundsätzlich attraktiv. Es müssen bloß endlich die Mechanismen des Fonds klar werden.

„Ein Investment in Europa hat Sinn“
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  • Ich denk, der Mann versteht die Situation sehr wohl, als Chinese drueckt er sich nur etwas vorsichtiger aus:

    "derzeit wirkt die Politik der Euro-Zone intransparent und schwer verständlich": Hat er damit etwa unrecht? Unsere Politiker haben keine Ahnung, was sie tun und rennen voellig kopflos umher. Mal sollen die Banken sich freiwillig beteiligen, mal gezwungen werden, mal die Ratingagenturen bestraft werden, aber nicht wirklich, mal soll die EZB unabhaengig sein, mal soll sie Anleihen kaufen. Solange hier jede Woche 'ne neue Sau durch's Dorf getrieben wird, halten sich die Chinesen mit gutem Grund zurueck.

    Oder: "Meiner Meinung nach sollte China tatsächlich versuchen, den europäischen Ländern zu helfen - auch weil das Überleben des Euros und der Wohlstand der EU in Chinas Interesse liegen." Ok, so what? Solvente Kunden liegen nun mal im Interesse eines Lieferanten. Oder erwarten wir von anderen Laendern, dass denen unsere Interessen wichtiger als ihre eigenen sind?

    Oder: "wenn der Euro intakt bleiben soll, dann müssen die Deutschen wirklich etwas geben". Man beachte das Woertchen "Wenn" am Anfang. "Ob" er intakt bleiben soll, ist unsere Entscheidung und, bis auf das "liegt im Interesse Chinas", haelt er sich da offensichtlich raus.

  • Das Problem ist, dass wir ums "geben" nicht drumrum kommen. Die Situation ist doch so: Unsere Versicherungen und Banken haben PIIGS-Anleihen, die vom Wertverfall bedroht sind.
    Was kann passieren?
    1) "Mir gäbe nix!": Dann gehen die PIIGS pleite und wir verlieren einen Teil des in Bonds investierten Geldes. -> Wir zahlen
    2) Wir erlassen denen eine Teil der Schulden. -> Wir zahlen die Differenz.
    3) Wir ueberweisen regelmaessig eine Soli, der es den PIIGS ermoeglicht, weiter mit einer fuer sie voellig ueberbewerteten Waehrung klarzukommen, die damals Neufünfland. -> Wir zahlen.
    4) Wir verlassen den Euro. Der Euro wertet ab, mit ihm auch die von uns gehaltenen Anleihen. -> Wir zahlen, weil wir den Verlust tragen.
    5) Keine Ahnung.
    Hat wer noch 'ne Idee?

  • Die Deutschen müssen gar nichts geben, sie solle den anderen durch den permanenten Leistungsbilanzüberschuss nur weniger wegnehmen.
    Dass Brüssel da noch kein Riegel geschoben hat ist unverständlich und wahrscheinlich darauf zurück zu führen dass die Achsenmächte, Deutschland und Frankreich, das bis heute verhindert haben. Zur Schade der Euro-Zone und letztendlich auch Deutschlands.

  • Merkel wird uns verkaufen, SPD und Grüne werden uns erst recht verkaufen. Zentralistische, sozialistische Systeme haben für Politiker die angenehme Begleiterscheinung, dass sie als die machthabende Clique die absoluten Privilegien geniessen. Nach der untersten Cherge, dem normalen Arbeitnehmer werden dies auch noch die Handlager der zukünftigen Diktatur zu spüren kriegen. Z.B.: die Medien. Siehe Ackermann, erst Berater, jetzt steht die Deutsche Bank vor der Verstaatlichung.

  • Für China könnten sich schon Probleme lösen...

  • Macht doch mal den Kopf frei von Griechenland oder Italien. Es geht darum
    Kontrolle über Volker zu erhalten und zwar mit finanzpolitischen Mitteln.
    Aus Schulden entstehen im Zinsenszins-System immer neue Schulden,
    das führt letztlich dazu, die komplette Herrschaft zu übernehmen,
    die Bürger werden abhängig vom Geld und damit von denen,
    die hinter dem Geld stehen. Geld sollte aber für die Menschen da sein.

    Indem wir uns gegenseitig angehen, lösen wir das Problem nicht,
    und das ist das Geld, die Art des Geldes, der Zins.

    Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert die Menschen.
    Im Islam z.B. sind Zinsgeschäfte verboten.

    Glaubt Ihr nicht: Ytube: Berd Senf

    Denkt nach und lasst Euch nichts von den Politikern erzählen.
    GELD regiert die Welt, und wer regiert das GELD.

  • Ihr seid schon in die Falle getappt. Ab einer gewissen Grössenordnung verwandelt(/n) sich "(An)Leihen" zwangsläufig in(/zu) "(Ge)Schenken". Das ist wie mit den Französischen Banken und den Griechen, oder den 2 Hotels auf Parkstrasse und Schlossallee. Dumm nur, dass wenn man es unbewusst tut, die Freude auf beiden Seiten sich in Grenzen hält.
    Schwamm drüber. Gebt eure Euros und Dollars lieber aus, statt sie in "sichere" EFSF- oder sonstige Anleihen zu stecken. Sonst werden die Notenpressen in USA und Europa eben etwas später, aber dafür umso krasser dafür sorgen dass es nix mehr dafür gibt.
    Aber ich glaube, Herr Yongding weiss das schon.

  • @EinBuerger ich kann ihnen nur raten keine Bundessteuern mehr zu zahlen. Und da wo es nicht anders geht holen sie sich das Geld wieder über Abschreibung. Die Bundesregierung wird gerade von unseren EU "Partnern" erpresst. Es ist also ihre Bürgerpflicht dagegen zu halten! Sie können dann auch wieder mehr Geld spenden an die wirklich Bedürftigen.

  • China hat mit seinen riesigen Anleihebeständen aufgrund seiner Überersparnis zwecks Exportförderung einen gut Teil Schuld an der Krise. Natürlich würde es jetzt gerne die Risiken aus seinen Euroinvestments auf Deutschland übertragen. Naiv ist, wer die Androhung eines Käuferstreiks von Anleihen ernst nimmt. Was will China denn alternativ mit den Überschüssen anstellen?

  • Das was der Chinese sagt ist absolut heuchlerisch. Seit wann macht China nur wirtschatliche Investments und keine politischen Investments. Warum ausgerechnet eine kommunistische Regierung??? Soll das tatsächlich wer glauben.

    Ich sage: entweder die Chinesen investieren oder sie investieren eben nicht. Dann wird früher oder später der Euro abwerten. Wenn China den Yuan nicht aufwertet, müssen eben andere ihre Währungen abwerten. So einfach ist das.

    Und seit wann ist Deutschland reich??? China sitzt auf Devisenreserven und nicht Deutschland.

    Es weiss doch mittlerweile jeder, dass noch mehr Geld für Pleitestaaten nur zum Schuldenmachen animiert. Es wäre verantwortungslos, da mit zu machen!!!

    Deutschland muss nicht mehr sondern weniger geben. Und wenn am Ende die EZB einspringt. Deutschland hat schon genut gegeben; die Grenze ist erreicht. Und letztlich ist Deutschland genauso wenig für Griechenland oder sonst wen in der Pflicht als China.

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