Chinas Bildungsreform
Kluge Köpfe

Mit Riesenschritten reformiert China sein Bildungssystem. Im vergangenen Jahr machten mehr als vier Millionen Studenten einen Abschluss, darunter etwa 400 000 Ingenieure. Die Hochschulen in den großen Städten der Küstenprovinzen brauchen den Vergleich mit westlichen Bildungseinrichtungen nicht mehr zu scheuen.
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PEKING. Wenn Wilfried Meyer Nachwuchskräfte für sein Unternehmen sucht, weiß er genau, wo er hingehen muss. „Wir kooperieren mit 61 Hochschulen in 23 Städten Chinas“, sagt das Vorstandsmitglied von Siemens in China. In einer langen Tabelle, die Meyer wie ein Staatsgeheimnis hütet, hat er genau verzeichnet, welche Hochschule in China in welcher Fachrichtung die besten Absolventen hervorbringt. „Personalrecruitment in China ist Teil der Geschäftsstrategie“, begründet der Manager seine Verschlossenheit. „Wenn alle Unternehmen im selben Teich fischen würden, müsste man sich mit immer kleineren Fängen begnügen.“

Meyer ist zuständig für die Personalarbeit des Konzerns in China. Jedes Jahr stellt Siemens hier zwischen 1 000 und 1 200 Hochschulabsolventen ein; davon sind 70 bis 80 Prozent Ingenieure, der Rest hat einen kaufmännischen Hintergrund, etwa einen MBA-Titel oder ein Diplom in Wirtschaftswissenschaften. „Die Qualität des Nachwuchses ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden“, urteilt Meyer. Vor allem die großen Hochschulen im Osten des Landes hätten bei der Ausbildung große Fortschritte gemacht.

Dies ist das Ergebnis von Bildungsreformen, die China seit einigen Jahren mit Hochdruck vorantreibt und die den Bildungsstand der jungen Chinesen deutlich gesteigert haben. So hat sich die Zahl der Studenten seit 1998 fast verfünffacht. Mehr als 23 Millionen junge Chinesen sind heute an den rund 1 500 Universitäten und Fachhochschulen des Landes eingeschrieben. Im vergangenen Jahr machten mehr als vier Millionen Studenten einen Abschluss, darunter etwa 400 000 Ingenieure.

Die Hochschulen in den großen Städten der Küstenprovinzen brauchen den Vergleich mit westlichen Bildungseinrichtungen inzwischen nicht mehr zu scheuen. So zählt die Tsinghua-Universität in Peking, an der Staatspräsident Hu Jintao studiert hat, auch im Ausland zu einer der ersten Adressen bei der Ausbildung von Ingenieuren. Auf jeden Absolventen der Pekinger Eliteschmiede kommen im Schnitt fünf Unternehmen, die ihn anzuwerben versuchen. Mit ihr hat vor Kurzem auch die RWTH Aachen, Deutschlands führende Hochschule für Ingenieure, eine weitreichende Kooperation vereinbart.

Ähnlich ist die Tongji-Universität in Shanghai, die vor 100 Jahren von Deutschen gegründet wurde, bekannt für ihre exzellente Sprachausbildung. Sucht ein Unternehmen Nachwuchskräfte mit hervorragenden Deutschkenntnissen, wendet es sich zuerst an die Hochschule in Shanghai.

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