Chinas neuer Premier: Gute Politik als Mittel zum Zweck

Chinas neuer PremierGute Politik als Mittel zum Zweck

Der künftige Premier Li Keqiang wäre der erste Wirtschaftswissenschaftler, der ein kommunistisches Land führt. Es könnte ihm sogar gelingen, China zur weltgrößten Volkswirtschaft zu machen - und die USA zu entthronen.
  • 0

PekingEr war schon als Student ein Musterknabe. "Keqiang ist mal wieder ehrgeiziger als alle anderen", schrieb sein Kommilitone He Qinhua im Jahr 1980 in sein Tagebuch. Neben dem Studium hatte Li Keqiang ein Jura-Lehrbuch aus dem Englischen ins Chinesische übersetzt. "Wie schafft der das alles?", fragte sich He neidisch. Li hatte zudem das ganze Semester über nur gepaukt und sich keine Minute Freizeit gegönnt.

Inzwischen haben die beiden Männer veritable Karrieren hingelegt. He Qinhua ist heute Präsident einer renommierten rechtswissenschaftlichen Hochschule in Schanghai. Und der Musterstudent und Ehrgeizling Li Keqiang, heute 57 Jahre alt, hat es noch viel weiter gebracht als sein Kommilitone. Er bereitet sich darauf vor, nach der Wahl auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei am kommenden Donnerstag das Amt des Premierministers der Volksrepublik China zu übernehmen. Die Mitglieder der Partei erwarten von ihm, dass er der Wirtschaft mehr Freiheit lässt und den Mut hat, weitreichende Reformen in Angriff zu nehmen.

Als Regierungschef wird Li der wichtigste Ansprechpartner von Kanzlerin Angela Merkel sein. Mit etwas Glück wird seine Wirtschaftspolitik die derzeit noch zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf den ersten Platz heben. Unter ihm könnte China vom Schwellenland zum reichen Industrieland aufsteigen.

Es war jedoch nicht nur der studentische und spätere Fleiß, der Li an die vermutlich weltweit wichtigste Schaltstelle der Macht brachte. Er hatte auch einen einflussreichen Förderer: Hu Jintao. Dem Präsidenten der Volksrepublik war Li schon früh aufgefallen - in der Kommunistischen Jugendliga. Die Seilschaft der Jugendliga ist innerhalb der Partei die große Gegenbewegung zu den "Prinzlingen", den gehätschelten Kindern der Altkader. Hu wurde Lis Mentor und beförderte ihn in den entscheidenden Momenten. Nachdem Li in den Provinzen gute Arbeit geleistet hatte, holte Hu seinen Protegé nach Peking zurück und machte ihn 2008 zum Vizepremier.

Kommentare zu " Chinas neuer Premier: Gute Politik als Mittel zum Zweck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote