Chinas Streitkräfte
Radikal-Kur für die größte Armee der Welt

Die größte Armee der Welt soll eine schlagkräftige Truppe werden. Dazu will Staatschef Xi sie massiv umbauen: Das Kommando soll schlanker, die Zahl der Militärzonen verringert – und seine Macht gefestigt werden.

PekingXi Jinping führt. Als Staatschef hat er viele Strukturen in der zweitgrößten Volkswirtschaft umgebaut. Cybersicherheit, Verteidigungspolitik, Finanzpolitik: Über kleine Führungsgruppen steuert er die Geschicke im Land und dehnt seinen Einfluss auf immer weitere Bereiche aus. Viele sehen ihn bereits als Chinas mächtigsten Führer seit Deng Xiaoping.

Nun knöpft sich Xi die größte Armee der Welt vor. Er kündigte den umfassendsten Umbau der Volksbefreiungsarmee seit mehreren Jahrzehnten an. Alle Bereiche der Streitkräfte sollen einer gemeinsamen Führung untergeordnet werden, kündigte Xi bei einem Treffen mit ranghohen Militärführern an.

Das Kommando soll schlanker werden und die Zahl der Militärzonen verringert werden. „Unter der Führung der Partei war unsere Armee zunächst klein, jetzt ist sie groß. Sie war schwach, jetzt ist sie stark. Und sie schreitet von Sieg zu Sieg“, sagte Xi laut amtlicher Nachrichtenagentur Xinhua.

Mit knapp 2,3 Millionen aktiven Soldaten verfügt Chinas Volksbefreiungsarmee über die personell größte Streitmacht der Welt. Die Armee wird von der Militärmission unter dem Vorsitz von Präsident Xi Jinping befehligt.
Jahr für Jahr steigert China seine Ausgaben für die Streitkräfte.

Zwischen 2004 und 2013 stiegen die Aufwendungen nach Schätzungen um 170 Prozent. Damit hat das Land das zweithöchste Militärbudget weltweit, liegt aber weit abgeschlagen hinter den USA.

Die Volksbefreiungsarmee verfügt über die größte Luftwaffe Asiens. Eigene Tarnkappenbomber werden entwickelt. China verfügt über mehr als 60 U-Boote. 2012 stellte die Volksbefreiungsarmee zudem ihren ersten Flugzeugträger in Dienst. Technologisch dürften Chinas Streitkräfte jedoch noch Jahrzehnte von den High-Tech-Streitkräften westlicher Staaten entfernt sein, schätzte das Pentagon in diesem Jahr in einer Analyse.

Noch sind viele Details von Xis Reformplänen für die Streitkräfte unklar. Xi Jinping hatte bei der größten Militärparade in der Geschichte der Volksrepublik zum 70. Jahrestag über den Sieg gegen Japan im September schon eine Verringerung der Truppe bis Ende 2017 um 300.000 auf knapp zwei Millionen Soldaten angekündigt. Wie viele Militärzonen es künftig geben werde, oder wie die neuen Kommando-Strukturen künftig aussehen sollen, wurde jedoch auch in den neuen Ankündigungen nicht erwähnt.

Und es gibt Widerstände. In einer Serie von Artikeln hatte die Militärzeitung People's Liberation Army Daily davor gewarnt, sich öffentlich gegen die anstehende Reform zu äußern. Die Hongkonger „South China Morning Post“ zitierte jedoch Quellen, nach denen sich Widerstände gegen Xis Pläne formierten. Viele ranghohe Militärs könnten durch die neuen Strukturen an Macht verlieren.

Chinas Nachbarn beobachten die Aufrüstung der Streitkräfte mit Sorgen. Viele Länder streiten mit der Volksrepublik um Grenzen. Auch die USA haben sich in den Konflikt eingeschaltet. Ende Oktober hatte Washington ein Kriegsschiff in das Südchinesische Meer geschickt.

Der Zerstörer „USS Lassen“ kreuzte in der Nähe mehrerer künstlicher Inseln, die China im Gebiet der von mehreren asiatischen Ländern beanspruchten Spratly-Inseln aufschüttet. Peking verurteilte das Vorgehen als Verletzung der chinesischen Grenzen.

Stephan Scheuer ist China-Korrespondent des Handelsblatts. Quelle: Mirela Hadzic für Handelsblatt
Stephan Scheuer
Handelsblatt / Korrespondent China
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