Chinas Volkskongress: Gnadenlos gegen Luftverpester

Chinas Volkskongress
Gnadenlos gegen Luftverpester

Die Bürger ersticken am Smog, der Meeresspiegel steigt: Deshalb setzt China statt auf Wirtschaftswachstum auf Umweltschutz. Auch der Volkskongress entdeckt sein grünes Gewissen – auf typisch chinesische Weise.
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PekingEs war wohl kein Zufall, dass das Video nur wenige Tage vor der Eröffnung der Nationalen Volkskongresses herauskam. Die prominente TV-Journalistin Chai Jing hatte in einer Dokumentation auf Spielfilmlänge das Leiden ihrer Landsleute unter der Luftverschmutzung aufgezeichnet – in düsteren Farben: Kinder, die im Pekinger Smog kaum atmen können, Alte, die zusammenbrechen.

Die Videoplattformen verzeichnen mehr als 300 Millionen Abrufe für die Dokumentation. Das zeigt die Größenordnung des Interesses an dem Thema Umweltschutz. Chinas kommunistische Herrscher können das nicht ignorieren.

Am Donnerstag eröffnet nun mit viel Pomp und roten Fahnen der Nationale Volkskongress, also die Sitzungsperiode des gelenkten Parlaments der Volksrepublik. Der Volkskongress segnet dabei die Wirtschaftspläne für das laufende Jahr ab – und hat sich für dieses Jahr ein geradezu grünes Programm vorgenommen.

Viele Jahre hat China die Balance zwischen Wirtschaft und Umwelt als eine Situation des „entweder-oder“ betrachtet: Wer mehr für den Umweltschutz tut, opfert dafür Wachstumspunkte und Konjunkturziele.

• In den 90er-Jahren hieß es noch: Umweltschutz ist eine westliche Marotte, für uns hat die Entwicklung Vorrang. Wenn die Europäer von uns saubere Luft fordern, dann tun sie das, um uns klein zu halten.
• In den 00er-Jahren wich diese Haltung dann der Einsicht: Umweltschutz ist hoch erwünscht, aber solange noch so viele Chinesen arm sind, können wir ihn uns nicht leisten.
• In den vergangenen Jahren hieß es dann: Wir verschieben den Schwerpunkt und opfern unsere Wachstumsziele zum Teil dem Umweltschutz.

Kommentare zu " Chinas Volkskongress: Gnadenlos gegen Luftverpester"

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  • Mal sehen wann China auf Kliamkonferenzen eigene Vorschläge präsentiert und diese dann - im Gegensatz zu den Europäern - auch erfolgreich umsetzt.

  • Ob es in 10 Jahren wohl auch in China solche Idioten gibt,die diesen Umweltschutz als grünfaschistisch beschimpfen werden,oder ob die Menschen dankbar sein werden,dass jemand der Wirtschaft zeigt,was wirklich wichtig ist.

  • Nihau china and welcome back on earth. Thank you.

    Hallo China willkommen zurück auf der Erde. Danke.

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