Chinas Währungsreserven
Die dezente Macht des Geldes

Wenn im Sommer die Athleten in Peking um Medaillen kämpfen, wird Chinas Regierung mit einem anderen Rekord auftrumpfen: Die Währungsreserven werden dann die Rekordmarke von 1,5 Bill. Dollar überschritten haben. China hat die Welt immer stärker unter finanzieller Kontrolle.

PEKING. China schwimmt im Geld. Durch massive Überschüsse im Außenhandel hat das Land die weltweit größten Devisenreserven angehäuft. Nicht einmal die Olympischen Spiele, die zum größten Sportspektakel „aller Zeiten“ werden sollen, können das Land finanziell belasten. Peking peilt sogar einen deutlichen Gewinn an. „Nach unseren Schätzungen werden die Spiele einen Nettoprofit zwischen 20 und 30 Mill. Dollar bringen“, sagt Yu Zaiqing, Vize-Präsident des Beijing Organisation Commitee (Bocog).

Das IOC rechnet sogar damit, dass Peking den Erfolg von Athen – ein Plus von 155 Mill. Dollar – deutlich übertreffen wird. Davor war zuletzt Seoul 1988 mit einem Gewinn von 556 Mill. Dollar erfolgreich – bei einem Budget von 1,6 Mrd. Dollar.

China musste seine Kostenkalkulation für die Spiele bereits nach oben korrigieren, von 1,6 auf 2,4 Mrd. Dollar. Zudem pumpt das Land rund 30 Mrd. Dollar in den Ausbau der Hauptstadt. Doch das Budget von 2,4 Mrd. Dollar sei durch Ticketverkäufe, Senderechte, Sponsoring und Merchandising gedeckt, sagen die Veranstalter. Und Bocog-Manager Yu Zaiqing schwärmte im November vor Journalisten: „Wir brauchen nicht einen Cent ausländisches Kapital, um die Spiele zu veranstalten.“

China hat die Welt immer stärker unter finanzieller Kontrolle. Als vor einigen Wochen ein chinesischer Politiker laut über eine Umschichtung von Chinas Währungsreserven in den Euro nachdachte, stürzte die US-Währung sofort ab. Ein Großteil von Chinas Reserven ist in US-Staatsanleihen angelegt. Die Volksrepublik sitzt damit jedoch auch in einer Zwickmühle: Schichtet sie mit Blick auf den schwachen Dollar einen Teil der Reserven in den starken Euro um, droht der restlose Absturz der US-Währung. Das ist nicht im Interesse Pekings. „Was durch den Euro gewonnen würde, wäre mit dem hohen Bestand an US-Anleihen wieder dahin“, sagt ein ausländischer Banker.

Auch die Angst vor dem neuen chinesischen Staatsfonds, der im Westen protektionistische Gegenmaßnahmen auslöst, sei überzogen, meinen Analysten. Christian Hofmann, Anlageexperte in Peking, erwartet eher einen vorsichtigen Einsatz der Milliarden: „Vieles ist vorstellbar. Sicher scheint aber, dass Chinas Führung den Staatsfonds primär als Politikinstrument zur Sicherung strategischer Interessen einsetzen wird – etwa, um die Energie- und Rohstoffsicherheit zu garantieren.“ Jüngstes Beispiel: die Schlacht um den britisch-australischen Stahlriesen Rio Tinto, in die sich China eingeschaltet hat. Gerade mit Blick auf die Spiele, die international eine große Beachtung finden, wird sich Peking aber mit spektakulären Zukäufen im Ausland noch zurückhalten. Chinas Image im Westen sei ohnehin angeknackst, sagt Hofmann. „Das Land hat in den vergangenen Jahren gelernt, dass die westlichen Regierungen und Medien sehr allergisch auf solche Übernahmeversuche reagieren.“ Diese Schlagzeilen will China bis zum 8. August 2008 vermeiden.

Bislang schlagen die Verantwortlichen in Peking generell dezente Töne an. Vielleicht erinnern sie sich noch an die Worte des Bürgermeisters von Montreal, der bei der Olympia-Vorbereitung 1976 großspurig erklärt hatte, die Spiele könnten ebenso keinen Verlust machen „wie ein Mann ein Baby haben kann“. Die Kanadier zahlen noch heute mit Sondersteuern ihre Spiele vor 30 Jahren ab.

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