Chinesen fühlen sich unterrepräsentiert
Im IWF tobt ein Kampf um Quoten und Aufgaben

Der Internationale Währungsfonds (IWF) steht vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte. Es geht zum einen um die umstrittene Frage, wie die Machtverhältnisse innerhalb des Fonds an die wahren Kräfteverhältnisse in der Weltwirtschaft angepasst werden können. Zum anderen kommen dem Fonds immer mehr Aufgaben abhanden.

WASHINGTON. Im IWF sprechen einige Mitarbeiter bereits von einer regelrechten Identitätskrise. „Berichte, der Fonds stehe bereits vor dem Tod“, seien maßlos übertrieben, versucht dagegen IWF-Chef Rodrigo Rato gegenzusteuern. Aber Rato weiß auch, dass sich der Fonds ein neues Profil geben muss. Deshalb hat er mit seinem in der vergangenen Woche vorgelegten Strategiepapier eine tiefgreifende Reform angestoßen.

Ein Kernpunkt der Neuordnung ist die umstrittene Neuordnung der IWF-Quoten. Längst spiegeln die Anteile am Fonds nicht mehr die wahren Machtverhältnisse in der Wirtschaft wider. Dafür hat das rasante Wachstum der Emerging Markets vor allem in Asien gesorgt. Speziell China fühlt sich massiv unterrepräsentiert. Während die Chinesen kaufkraftbereinigt bereits einen Anteil von rund 13 Prozent am Weltsozialprodukt haben, sind sie im IWF-Exekutivrat nur mit knapp drei Prozent der Stimmrechte vertreten.

„Asiens Bedeutung für die Weltwirtschaft ist wesentlich schneller gewachsen als seine Rolle im Fonds“, pflichtet Rato bei. Auch das Gewicht Afrikas stimme nicht mehr. Gleichzeitig stört Amerikaner und Asiaten der große Einfluss der Europäer. Die 25 EU-Länder halten jeweils rund 32 Prozent der Quoten- und Stimmrechtsanteile, die Euro-Länder rund 23 Prozent. Eine Neuaufteilung der Quoten sei „kein Nullsummenspiel“ der Art, dass einige Mitglieder gewinnen, während andere verlieren, betonte Rato auf der IWF-Jahrestagung. Doch schon aus Prestigegründen will keine Partei Stimmrechte abgeben.

Nach Informationen aus Delegationskreisen hat der deutsche Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser in Washington klargestellt, dass nach dem geltenden Berechnungsverfahren Deutschland um 0,9 und Europa sogar um 5,6 Prozentpunkte unterrepräsentiert sei. Die Forderung, Europa müsse Teile seiner Quoten an andere Mitglieder und Regionen abtreten, sei deshalb nicht haltbar.

Das Problem ließe sich entschärfen, wenn die Quoten wie in der Vergangenheit erhöht werden könnten. Sie werden routinemäßig alle fünf Jahre überprüft und bislang acht Mal aufgestockt. Bei der laufenden dreizehnten Überprüfung, die bis 2008 abgeschlossen sein soll, gilt eine weitere Erhöhung als unwahrscheinlich. Nicht nur die Amerikaner lehnen das ab. Auch die Bundesbank hält die Liquiditätsausstattung des IWF für ausreichend.

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