Chinesiche Investoren
Australien sorgt sich um Rohstoffkontrolle

Der überraschende Eintritt Chinas in den Übernahmekampf um den Bergbaukonzern Rio Tinto stellt Australiens Regierung vor politische Probleme. Denn während der Staatskonzern Chinalco mit Macht in das Unternehmen drängt, reagieren die Bevölkerung und die bisherigen Abnehmer australischer Rohstoffe mit Skepsis.

CANBERRA/LONDON. Der überraschende Eintritt Chinas in den Übernahmekampf um den Bergbaukonzern Rio Tinto stellt Australiens Regierung vor politische Probleme. Der anglo-australische Branchenprimus BHP Billiton beabsichtigt, den Konkurrenten für 120 Mrd. Dollar zu übernehmen und muss bis zum morgigen Mittwoch ein bindendes Kaufangebot vorlegen. Doch der neue chinesische Großaktionär könnte BHP einen Strich durch die Rechnung machen.

Noch weicht Premierminister Kevin Rudd Fragen aus, wie er sich zum Einstieg des staatlichen chinesischen Aluminiumgiganten Chinalco bei Rio Tinto stelle. Chinalco hat neun Prozent des Konzerns direkt von Aktionären erworben. Der Kauf unterliege "normalen Prozessen unter australischem Recht", sagte der im November an die Macht gekommene sozialdemokratische Regierungschef, der als Sinologe China kennt und Mandarin spricht.

Chinalco hat gemeinsam mit dem US-Aluminiumproduzenten Alcoa 14 Mrd. US-Dollar für den Anteil bezahlt. Damit gelingt es den Chinesen zwar noch nicht, die Übernahmehoffnungen von BHP Billiton zunichte zu machen. Die Tatsache aber, dass Chinalco-Chef Xiao Yaquing am Sonntag nach Australien flog und bei der Aufsicht für ausländische Direktinvestitionen einen Kaufantrag einreichte, zeigt die politischen Sensibilitäten. Yaquings Antrag ist freiwillig: Die staatliche Aufsichtsbehörde muss erst genehmigen, wenn Ausländer mehr als 15 Prozent an einer australischen Firma kaufen wollen.

Generell steht die australische Regierung Übernahmen durch ausländische Investoren positiv gegenüber. Zuletzt genehmigte die Aufsicht der chinesischen Metallhandelsfirma Sinosteel eine Beteiligung von 19,9 Prozent am Eisenerzkonzern Midwest. Doch es gab auch Verbote: So ließ der damalige Schatzkanzler Peter Costello kurz vor den Wahlen 2001 einen Antrag des Ölmultis Shell auf Übernahme der australischen Woodside Petroleum abblitzen.

Ein Antrag von Chinalco oder einem von chinesischen Interessen geführten Syndikat für den Kauf der gesamten Rio-Tinto-Gruppe aber - wie ihn Beobachter für durchaus möglich halten - wäre eine fundamentale politische Herausforderung. China hätte dann auf einen Schlag die Kontrolle über die immensen Eisenerzvorkommen von Rio Tinto in Westaustralien, Kohleminen im Bundesstaat New South Wales sowie über die Ranger-Uranmine im Northern Territory gewonnen. Auf wenig Begeisterung stoßen würde eine derartige Entwicklung bei den anderen Abnehmern australischer Rohstoffe wie den Stahlkonzernen in Südkorea und Japan.

Das größte Problem für Rudd wäre aber die australische Bevölkerung. Während BHP Billiton nach wie vor als australisches Unternehmen gilt - obwohl die Firma schon seit längerem größtenteils von London aus geführt wird - stehen Australier dem wachsenden Einfluss der Chinesen generell skeptisch bis ablehnend gegenüber.

China sucht seit Jahren in Australien nach Möglichkeiten, seinen hohen Bedarf an Rohstoffen direkt zu decken. Nach jüngsten Meldungen sollen der Staatsfonds China Investment und die Shenhua Group in Beteiligungsgesprächen mit Fortesque Metals stehen. Fortesque ist nach Rio Tinto und BHP Billiton der drittgrößte australische Eisenerzproduzent. Die China Development Bank schließlich prüft britischen Medienberichten zufolge auch eine Beteiligung an dem in der australischen Kohleindustrie besonders starken Schweizer Konzern Xstrata. Damit wolle sie eine Übernahme von Xstrata durch den brasilianischen Erzgiganten Vale verhindern.

Am Montag gelang der China Development Bank ein weiterer wichtiger Schritt: Sie schloss eine strategische Partnerschaft mit dem britisch-südafrikanischen Rohstoffriesen Anglo American. Die Partner wollten langfristig bei der Entwicklung neuer Bergbauprojekte in China und Afrika zusammenarbeiten, teilte Anglo American mit. In Firmenkreisen hieß es, dass die Unternehmen bereits über eine Reihe konkreter Produkte sprächen. Anglo American ist die dominierende Kraft im afrikanischen Minengeschäft, an dem China seit Jahren ein wachsendes Interesse zeigt. Der Konzern könnte außerdem technologisches Wissen in die chinesische Bergbauindustrie einbringen. "Diese Allianz bringt uns in eine viel bessere Position, um Geschäfte in der Rohstoffbranche zu machen", sagte Chen Yuan, der Gouverneur der Bank.

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