Chinesische Zensur stört Übertragung
Olympischer Fackellauf in Paris abgebrochen

Fackel an, Fackel aus: Der olympische Fackellauf in Paris ist nach zahlreichen Zwischenfällen abgebrochen worden. Zuvor war die Flamme aus Sicherheitsgründen bereits mehrmals gelöscht worden. Am Rande des Laufes kam es zu heftigen Rangeleien. Da griffen auch die chinesischen Zensoren ein.

HB PARIS. Nach London haben auch in Paris pro-tibetische Demonstranten den olympischen Fackellauf massiv gestört. Wegen der Proteste musste das Feuer auf der letzten europäischen Etappe der Fackel sogar wiederholt gelöscht werden. Mindestens 23 Menschen wurden nach Angaben von Exil-Tibetern vorübergehend festgenommen. Die Polizei entschloss sich am Nachmittag schließlich zum Abbruch des Laufes.

Die Beamten griffen bereits kurz nach dem Start am Eiffelturm ein und brachte die Flamme in einem Bus in Sicherheit. Sie gab ein „technisches Problem“ als Grund für das Ersticken des Feuers an. Die Fackel sei aber bereits nach kurzer Zeit wieder entzündet und der Lauf fortgesetzt worden, sagte ein Sprecher. Später wurde die Flamme erneut gelöscht.

Vor der Unterbrechung versuchte ein Mitglied der Grünen Partei, die Flamme dem ersten Träger, dem früheren 400-Meter-Hürden-Sprinter Stephane Diagana, zu entreißen. Diagana trug aus Sympathie mit Tibet ein Band mit der Aufschrift „Für eine bessere Welt“. Dazu hatten die im Nationalen Olympischen Komitee organisierten Athleten aufgerufen.

„Boykottiert chinesische Waren“ und „Rettet Tibet“ forderten die Demonstranten auf ihren Plakaten und Spruchbändern, die sie zu Tausenden an die insgesamt 28 Kilometer lange Strecke bis ins Stadion Charlety am südlichen Stadtrand mitgebracht hatten. Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe ließ vor dem Rathaus ein riesiges Plakat mit der Aufschrift „Paris unterstützt die Menschenrechte auf der ganzen Welt“ anbringen. Die Tageszeitung „Liberation“ machte mit der Schlagzeile „Befreit die Olympischen Spiele“ auf und veröffentlichte ein Bild der Olympischen Ringe in Handschellen.

Die Polizei war mit mehr als 3000 Kräften in voller Montur ausgerückt. Die Beamten versuchten die Menschen mit Absperrgittern und durch eine enge Begleitung der Läufer auf Inline-Skatern von der Flamme fernzuhalten.

Bereits am Sonntag hatten Demonstranten in London für chaotische Szenen während des Fackellaufs gesorgt und die Veranstalter mehrfach gezwungen, die Flamme in Sicherheit zu bringen. Mehr als 35 Menschen wurden festgenommen. Von Paris aus wird das Feuer nun nach San Francisco in den USA gebracht, wo ebenfalls Proteste erwartet werden. Auf ihrem Lauf rund um die Welt soll sie zudem auch durch das Tibet-freundliche Indien und die Himalaya-Provinz selbst getragen werden, bevor sie am 6. August am Austragungsort Peking eintrifft.

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