Chinesischer Handel mit Nordkorea
„Die da drüben, die wollen alles haben“

Über die „Freundschaftsbrücke“ in Dandong wickelt Nordkorea seinen lebenswichtigen Handel mit China ab. Seit dem Atomtest vor vier Monaten ist das Geschäft schwierig geworden. Die Händler hoffen politische Entspannung.

DANDONG. Viel dichter als in Dandong kommt man an Nordkorea nicht heran. Auf der Promenade der chinesischen Grenzstadt, direkt am Jalu-Fluss, ist das abgeschottete Land von Diktator Kim Yong Il zum Greifen nahe.

Aus den hell erleuchteten Restaurants auf der chinesischen Seite dröhnt abends Musik, rote Leuchtreklame taucht die Uferpromenade in helles Licht. Gegenüber, auf der nordkoreanischen Seite, herrscht tiefe, schwarze Nacht. Dort, in der Grenzstadt Sinuiju, leuchtet nicht mal eine Straßenlaterne. Sogar die Brücke über den Jalu scheint in der Flussmitte abzubrechen. Nur auf der chinesischen Seite ist sie mit bunten Lichterketten geschmückt. Danach verliert sich die völkerverbindende Silhouette in der Dunkelheit.

Die „Freundschaftsbrücke“ ist die Hauptverbindung zwischen China und Nordkorea. Über sie wird ein Großteil des Handels zwischen den Ländern abgewickelt. 2006 passierten Waren im Wert von 1,7 Milliarden Dollar die Grenze – das entspricht ungefähr 40 Prozent des nordkoreanischen Handelsvolumens. China ist neben Südkorea und Japan der wichtigste Handelspartner Pjöngjangs. Vor allem auf Nahrungsmittel und Erdöl aus China sind die Nordkoreaner dringend angewiesen.

Doch seit dem Atomtest vom 9. Oktober vergangenen Jahres sind die Beziehungen gestört. Mehr noch: Der Atomtest „bedeutet das Ende der Freundschaft zwischen den Bruderländern“, sagt Yan Xuetong, Professor an der Tsinghua-Universität in Peking. So eine Äußerung wäre noch vor wenigen Jahren in China undenkbar gewesen. Doch die Führung in Peking geht deutlich auf Distanz zum Nachbarland. Darum hat China, der letzte Verbündete der Nordkoreaner, nach dem Atomtest auch die Uno-Resolution 1718 mitgetragen.

Seitdem ist auch für die Händler in Dandong alles schwieriger geworden. Gespannt verfolgen sie daher die internationalen Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm, die bis gestern ergebnislos blieben.

Shan Jie, 42 Jahre alt, handelt in Dandong seit mehr als zehn Jahren mit Nordkorea. Von seinem Büro im elften Stock des Internationalen Handelszentrums kann er täglich über den Fluss blicken – auf die heruntergekommenen Häuser und die rostigen Schiffe auf der nordkoreanischen Seite. An den Wänden des einfachen Büros hängen etliche Verdienstmedaillen aus Nordkorea. Die Kontrollen durch den chinesischen Zoll seien jetzt viel strenger geworden, erzählt Shan Jie. Die Uno-Resolution untersagt jeden Handel mit Militärtechnologie und Luxusgütern mit Nordkorea. „Früher wurden die Waren eigentlich nie kontrolliert, jetzt werden alle Kisten geöffnet“, sagt Shan und zeigt zum Fenster hinaus. „Da, an der Zollstation, gleich neben der Brücke.“

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