Chinesischer Künstler
Ai Weiwei gegen Kaution wieder frei

Der chinesische Künstler ist drei Monaten nach seiner Verhaftung auf freien Fuß gesetzt worden. Der Grund: sein Gesundheitszustand. Menschenrechtler rechnen mit schweren Auflagen für den Regimekritiker.
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PekingDer systemkritische chinesische Künstler Ai Weiwei ist wieder frei. Er sei in seine Wohnung in Peking zurückgekehrt und bei guter Gesundheit, sagte seine Schwester Gao Ge der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Sie habe mit Ais Frau Lu Qing gesprochen und diese habe gesagt, „sein Gesundheitszustand ist ok, er ist nur etwas dünner als vorher“. Zuvor hatte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gemeldet, der am 3. April festgenommene Ai sei gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Grund seien ein Geständnis Ais und eine chronische Krankheit. Die Polizei wirft einer von Ai kontrollierten Firma vor, Steuern in großem Umfang hinterzogen und Buchhaltungsunterlagen vernichtet zu haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt die Freilassung Ais. Sie hatte sich gegenüber der chinesischen Führung dafür eingesetzt, dass er freikommt und dass seine Familie Rechtsbeistand erhält. „Die heutige Freilassung gegen Kaution kann aber nur ein erster Schritt sein. Nun müssen die Vorwürfe gegen Ai WeiWei in einer rechtsstaatlichen und transparenten Weise aufgeklärt werden“, erklärte Merkel.

Amnesty: Freilassung Ai Weiweis „nur ein kleiner Schritt“

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Freilassung ebenfalls. Dies sei „ein positiver Schritt, aber nur ein kleiner“, sagte die Asien-Expertin der deutschen Amnesty-Sektion, Maja Liebing, am Mittwoch. Sie kritisierte, dass Ai nur gegen Zahlung einer Kaution freigekommen sei. „Seine lange Haft ohne Anklage war, selbst nach den chinesischen Gesetzen, illegal.“

Neben Ai Weiwei seien seit Februar mehr als 130 Internet-Aktivisten festgenommen worden, die zu Protesten aufgerufen hatten, sagte Liebing weiter. Ais Freilassung auf Kaution ändere nichts an der Menschenrechtslage in China. Offenbar wolle die chinesische Regierung „vor dem Besuch des Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Deutschland gut Wetter machen“. Wen wird am 27. und 28. Juni zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin erwartet.

Die Festnahme des 54-jährigen Künstlers und Systemkritikers war international auf heftige Kritik gestoßen. So setzte sich die Bundesregierung für die Freilassung Ais ein. „Es gibt eine Pflicht zur Einmischung in innere Angelegenheiten bei Menschenrechten“, sagte Außenminister Guido Westerwelle im Mai. Es gebe eine Globalisierung der Werte.

China verwahrte sich gegen die Vorwürfe. Es sei herablassend von den Europäern, China zu sagen, dass manche Menschen über dem Gesetz stünden.

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"Mir geht es gut. Ich bin wieder zu Hause."

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  • AU Weiha...<Ein Steuervergehen in Deutschland wird genauso radikal verfolgt wie in China. Zumwinkel mit der Presse abgeholt und Steffi Grafs Vater in Fussfesseln dem Gericht vorgeführt. Wer erinnert sich nicht daran. Unsere Menschenrechtsverletzungen spielen sich meist hinter Sichtschutz ab und sind nicht viel besser als in China. Nur
    wird dort sofort jeder als Freiheitskämpfer gesehen und in Deutschland haut man bei Demonstrationen mit dem Gummiknüppel ein. Allerdings sind das demokratische Gummiknüppel ..tun nicht so weh.

  • zuviel plaue plume gelsen - lady. Dann geht einem schon mal der Sturm und Drang durch.
    Warten wir einfach auf die traurige Mathematik Ihres Menschleins.
    So, wie Sie schreiben, dürfte weder die Menschheit noch Sie um Ihre Invektiven zu beneiden sein.

  • @Anonymer Benutzer: rezipient

    Sie haben doch überhaupt nichts begriffen; ein chinesischer Künstler kann durchaus etwas Aufmerksamkeit in der westlichen, "freien" Presse bewirken, aber sonst nichts.
    Es sind doch vorwiegend westliche Unternehmen, insbesondere die Bundesrepublik, die mit China glänzende Geschäfte treiben, mit Kunst hat das aber nichts zu tun. Im Übrigen ist "Kunst" in unserer Zeit nichts weiteres, als ein lukratives Geschäft, sonst NICHTS, solange DIE Wirtschaft brummt!!!

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