Chirac-Memoiren
Abrechnung mit Schröder und Sarkozy

Nicolas Sarkozy ist ungestüm und von sich eingenommen - das sagt der ehemalige französische Staatschef Jaques Chirac im zweiten Band seiner Memoiren. Auch Ex-Bundeskanzler Schröder wurde nicht geschont.
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ParisBundeskanzler Gerhard Schröder konnte ganz schon dickköpfig sein. Daran denkt Frankreichs ehemaliger Präsident Jacques Chirac mit Grausen zurück. Einen „frontalen Zusammenstoß“ habe es zwischen ihm und Schröder damals gegeben, erinnert der Franzose sich im zweiten Band seiner Memoiren, der am Freitag in Paris herauskam. „In einer fürchterlichen Atmosphäre beharrten wir beide zwei Tage lang störrisch auf unseren Positionen, bis wir schließlich einen Kompromiss fanden“, schreibt er im Rückblick über die Verhandlungen über die Stimmengewichtung im Europäischen Rat.

Mehr als 600 Seiten ist das Buch dick, gemeinsam mit dem ersten Band nehmen Chiracs Memoiren nun satte neun Zentimeter auf dem Bücherregal ein. In Frankreich interessierte aber vor allem eines: Was denkt Chirac über seinen Nachfolger Nicolas Sarkozy? Im ersten Band hielt er sich auffällig zurück, erwähnte lediglich dessen Hibbeligkeit und Ehrgeiz.

Nun gesteht Chirac erstmals öffentlich ein, dass Sarkozy ihm nicht nur auf die Nerven gegangen ist, sondern ihn manchmal auch verletzt hat. So habe Sarkozy sich einmal über japanischen Sumo-Ringkampf lustig gemacht, den Chirac so gerne mag, dass er seinen Schoßhund danach benannte. „Nervös, ungestüm und nie zweifelnd, vor allem nicht an sich selbst“, so charakterisiert Chirac seinen früheren Minister.

Er erinnert sich auch noch genau an Sarkozys erste Rede nach dessen Wahlsieg, die er mit seiner Frau Bernadette und seinem Enkel Martin vor dem Fernseher verfolgte. „Wir haben alle sehr aufmerksam zugehört und im Stillen darauf gewartet, dass er den Namen seines Vorgängers erwähnt (...). Aber dieser Moment kam nicht“, bemerkt er bitter.

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