Chiracs Memoiren

Was der „Bulldozer“ denkt und fühlt

Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac legt den ersten Band seiner Memoiren vor: Der Konservative beschreibt seine Wilde Jugend, die erste Schritte in der Politik und das Geschehen hinter den Kulissen der Weltbühne.
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Jacques Chirac legt seine Memoiren "Jeder Schritt ein Ziel" vor. Quelle: dpa

Jacques Chirac legt seine Memoiren "Jeder Schritt ein Ziel" vor.

(Foto: dpa)

HB PARIS. Mit einem Goethe-Zitat beginnt der langjährige französische Präsident Jacques Chirac seine Memoiren: „Jeder Schritt ein Ziel“ heißt der nun veröffentlichte erste Band seiner Autobiografie. Sie erzählt von seiner wilden Jugend und seinen Anfängen als Politiker, der nach zwei gescheiterten Kandidaturen 1995 zum Präsidenten gewählt wird. Seine Frau Bernadette meint, es sei ein klosterähnlicher Aufenthalt in Japan gewesen, der ihn für den Sieg vorbereitet habe. „In mir mischen sich unaussprechliche Gefühle, die eines Mannes, der glücklich ist, sein Ziel erreicht zu haben, der sich aber zugleich bewusst wird, dass er die Hoffnung eines ganzen Volkes auf sich vereint“, schreibt er über den Wahlsieg.

Bis dahin war es ein langer Weg. Natürlich hätte alles ganz anders kommen können. Immerhin hatte er als Jugendlicher begonnen, Sanskrit zu lernen und wollte vom Katholizismus zum Hinduismus konvertieren. Dann fuhr er drei Monate zur See, verlor seine Unschuld in einem algerischen Bordell und wollte Kapitän der Handelsmarine werden. Doch als das Schiff wieder in Frankreich eintraf, wartete sein Vater am Kai und brachte ihn nach Paris, wo er die Elite-Verwaltungshochschule ENA besuchen sollte. Zuvor leistete er noch seinen Militärdienst in Algerien ab, wo der Krieg um die Unabhängigkeit tobte. Kurzfristig erwog er eine Karriere in der Armee, aber dann wurde es doch die Politik.

Chirac ist ein Machtmensch, das wird nicht zuletzt aus seinem schwierigen Verhältnis zum damaligen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing deutlich, mit dem er in seinen Memoiren gründlich abrechnet. „Auf seiner Werteskala stand er allein ganz oben, dann kam lange nichts, und ich war irgendwo ganz unten“, schreibt er über seinen Rivalen, während dessen Amtszeit er selbst Premierminister war. Giscard habe die „Hochnäsigkeit eines Monarchen“.

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