Cholera-Epidemie
Simbabwe ruft die Welt um Krisenhilfe an

Eine verheerende Cholera-Epidemie und die wachsende Unzufriedenheit innerhalb der Armee führen das Regime von Simbabwes Diktator Robert Mugabe näher an den Abgrund heran. Die gefährliche Krankheit hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass die Regierung gar die internationale Gemeinschaft um Hilfe bat. Trotzdem kommen die Verhandlungen über eine Teilung der Macht mit der Opposition nicht voran.

KAPSTADT. Die Cholera-Epidemie hat ihren Schwerpunkt in der Hauptstadt Harare, breitet sich zunehmend aber auch auf die Nachbarstaaten Simbabwes aus, insbesondere auf Südafrika. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ihr seit August bereits fast 600 Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als 12 000 Menschen sind an der Seuche erkrankt, und die Zahl steigt täglich so rapide an, dass Simbabwes Machthaber sich nun zum Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gezwungen sahen.

Zuvor hatte das Regime in Harare das Ausmaß der Epidemie wochenlang geleugnet und die sehr begrenzten Strafmaßnahmen, die der Westen wegen der Unterdrückung der Opposition und der Vertreibung der weißen Farmer gegen Mugabe verhängt hat, für die Misere des Landes verantwortlich gemacht.

Dass die Seuche dieses Mal deutlich härter zuschlägt als in früheren Jahren, liegt neben dem Kollaps des Gesundheitswesens vor allem am Zusammenbruch der Trinkwasserversorgung und der Kanalisation in Harare. Die Hauptstadt ist seit Sonntag ohne Wasser, einige ärmere Gebiete sind es bereits seit Monaten.

Auch in den noch geöffneten Hospitälern des Landes spitzt sich die Situation mit jedem Tag weiter zu: „ Es fehlt an allem“, klagt der Schweizer Arzt Urs Allenspach, der bis vor kurzem zwei Monate in einem Krankenhaus auf dem Land arbeitete und die Lage in Simbabwe seit 1988 verfolgt „Die Spitäler haben keine Medikamente, keine Spritzen oder Verbände, keine Wäscherei, kein Essen für Patienten und kein Personal.“

Allenspach schätzt, dass 80 Prozent der Krankenschwestern und Ärzte ins Ausland abgewandert sind. Eine Gruppe von Medizinern, die diese Woche vor dem Gesundheitsministerium in Harare gegen die desaströsen Zustände demonstrierten, ließ Mugabe von den Sicherheitskräften verprügeln. Daneben gerät das Regime nun auch durch meuternde Soldaten unter Druck. Erst zu Wochenbeginn hatten Dutzende von Armeeangehörigen, die wie der Rest der Bevölkerung stundenlang in einer Bankschlange auf Geld warteten, ihrem Frust freien Lauf gelassen und zahlreiche Läden geplündert. Sie wurden schließlich von der Polizei gestoppt, die dabei auch Tränengas auf Zivilisten feuerte. Die sonst linientreue Zeitung „Herald“ druckte Bilder der Meuterei.

Dass die Verhandlungen mit der Opposition nicht vorankommen, liegt vor allem an der strikten Weigerung Mugabes, das wichtige Innenministerium mit seinen Befugnissen über die Polizei seinen politischen Gegnern zu überlassen. Der Diktator und seine Sicherheitschefs beharren darauf, alle wichtigen Ministerposten mit eigenen Leuten zu besetzen. Dies sei umso dreister, da Mugabe gemäß der Einigung mit der Opposition trotz seiner Wahlniederlage ja Präsident und Oberkommandierender der Armee bleiben dürfe, sagt der simbabwische Politikprofessor John Makumbe.

Sollte die Opposition um ihren Chef Morgan Tsvangirai jetzt auch noch das Innenministerium aufgeben, würde sie endgültig zum unbedeutenden Juniorpartner in der Einheitsregierung.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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