Chris Wallace: Der nüchterne Dritte

Chris Wallace
Der nüchterne Dritte

Fox-News-Star Chris Wallace moderiert das finale TV-Duell zwischen Clinton und Trump. Aufgefallen ist Wallace bislang mit unbequemen Fragen an diverse Politgrößen – auch die beiden Kandidaten kennen seinen Stil schon.

DüsseldorfAls der damalige US-Präsident Ronald Reagan im Marz 1987 im „Irangate“ öffentlich zugeben musste, dass die USA Gelder aus Waffengeschäften mit dem Iran an südamerikanische Rebellen weiterleitete, damit die ihre Regierung stürzen könnten, war es der Journalist Chris Wallace, der nachhakte. Er zwang Reagan mit einfachen Fragen zum Geständnis, dass auch Israel mit in die vom US-Senat eigentlich verbotenen Deals verwickelt war. Die Affäre kreiden viele Amerikaner Reagan bis heute an, gleichzeitig prägte es das Image von Wallace: unaufgeregt und faktenorientiert.

In der Nacht wird Wallace das finale TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump moderieren. Damit ist er der erste Moderator von Fox-News, der so eine bedeutende Rolle in einem US-Präsidentschaftswahlkampf einnimmt.

Seine Karriere begann in den 70er-Jahren bei NBC. Nach vierzehn Jahren Treue folgten ABC, CBS und seit 2003 schließlich Fox News. Dort löchert er jeden Sonntagmorgen in der einzigen politischen Sendung des Senders die Menschen, die in der vergangenen Woche Schlagzeilen generierten: Navy-Admiral Mike Mullen oder Post-Kolumnistin Kirsten Powers – Zuschauer und Gäste bescheinigen Wallace eine nüchterne Art. Mit seinen zum Teil einfachen Ja/Nein-Fragen erinnert sein Interviewstil stark an Gerichtsprozesse.

Die Nähe von Wallace zu Fox-News könnten viele als Vorteil für Trump auslegen. Immerhin bezahlt der Sender die Rechnungen des Moderators, den Trump noch vor einigen Monaten zu dessen außenpolitischem Berater adelte. Doch Wallace könnte dem Mogul nun gefährlich werden. Denn der 69-Jährige ist trotz seines konservativen Arbeitgebers kein Republikaner. Schließlich wohne er im Bundesstaat Washington und dort regieren seit Uhrzeiten die Demokraten: „Wenn man mitbestimmen will, muss man bei den demokratischen Vorwahlen wählen“, rechtfertigte sich Wallace.

Im Vorwahlkampf nahm Wallace schon einmal Trump ins Visier. Er zerpflückte dessen Steuerpläne, indem er mit nackten Zahlen dagegen hielt. Statistik contra Populismus. „Ich denke, die Medien behandeln Trump zu freundlich“, sagte Wallace damals. „Ich mein, sie erlauben ihm, nach ganz anderen Regeln zu spielen.“ Später resümierte Wallace noch: „Trump ist einfach Trump – sein Wahlkampf zielt viel mehr auf Persönlichkeiten als auf Probleme.“

Doch auch Clinton hat Wallaces simple Art des Fragenstellens und des nüchternen Bohrens schon das Fürchten gelehrt. Kurz nach ihrer offiziellen Nominierung im Juli befragte er sie zur immer noch schwelenden E-Mail-Affäre und zum Bengasi-Einsatz, den Clinton als Außenministerin damals zu verantworten hatte. Angesichts der Beharrlichkeit von Wallace bröckelte immer wieder Clintons perfektes Pokerface.

Was Wallace von der Debatte erwartet? Er glaubt, dass Clinton und Trump leichter zu knacken seien werden als Reagan damals. Und wenn sie lügen würden? Dann wolle Wallace sie nicht direkt darauf hinweisen – das mache nur das Format der Debatte zwischen zwei Kandidaten kaputt, sagte Wallace kürzlich. „Ich glaube nicht, dass es mein Job ist, das Wahrheitskommando zu sein.“

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