Christen-Prozess
Gericht weist Klage gegen Rahman ab

Ein afghanisches Gericht hat nach Angaben eines Behördensprechers die Klage gegen den afghanischen Christen Abdul Rahman abgewiesen. Wegen Mangels an Beweisen sei Rahman bald freizulassen. Allerdings könne die Staatsanwaltschaft weiter gegen ihn ermitteln.

HB KABUL. Der Richter habe den Fall wegen "Rechtsfehlern" abgewiesen. Die Staatsanwälte wollen den Christen nun offenbar für unzurechnungsfähig erklären - so könnte er der Todesstrafe entgehen, sagte ein Gewährsmann, der seinen Namen nicht genannt wissen wollte. „Die Entscheidung über seine Freilassung wird möglicherweise am Montag erfolgen.

Rahman wurde vorgeworfen, vom islamischen Glauben abgefallen zu sein. Dafür drohte ihm bei einem Schuldspruch die Todesstrafe. Nach Angaben des Staatsanwalts soll der psychische Zustand des 40-jährigen Konvertiten untersucht werden.

Abdul Rahman hatte zuvor laut italienischer Zeitung "La Repubblica" erklärt, er wolle trotz der ihm drohenden Todesstrafe an seinem Glauben festhalten. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview zitierte das Blatt Rahman mit den Worten: "Ich will nicht sterben." Sollte Gott aber dennoch so entscheiden, werde er diesen Weg gehen. Nach Zeitungsangaben übermittelte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, der Abdul Rahman im Gefängnis bei Kabul besuchte, Fragen und Antworten des Interviews. Journalisten wurden bislang nicht zu Abdul Rahman vorgelassen.

Papst Benedikt XVI. bat am Samstag um die Begnadigung Abdul Rahmans. Rahman, der viele Jahre in Deutschland lebte, war vor 16 Jahren vom Islam zum Christentum übergetreten. Das kann nach dem in Afghanistan gültigen islamischen Recht mit dem Tode bestraft werden. Allerdings ist in der afghanischen Verfassung auch festgeschrieben, dass sich der Staat an die Internationale Menschenrechtserklärung hält. Deren Artikel 18 garantiert die Glaubensfreiheit und das Recht auf eine Änderung der Religion. Der Fall stieß international auf scharfe Kritik.

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