Christine Lagarde
Die Französin macht sich bereit für den IWF-Chefsessel

Christine Lagarde ist Anwältin. Mit Gesetzen kennt sich Frankreichs Finanzministerin und Favoritin für den IWF-Spitzenjob also aus. Dennoch scheint sie ein lockeres Verhältnis zu Regelwerken zu haben.
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ParisSo gab Christine Lagarde im vergangenen Dezember gegenüber dem „Wall Street Journal“ unumwunden zu, dass bei der Rettung Griechenlands die Euro-Zonen-Staaten ganz bewusst ihr eigenes Regelwerk missachtet hätten. „Wir verletzten alle Regeln, weil wir einig auftreten und wirklich die Euro-Zone retten wollten", sagte sie damals. „Der Vertrag von Lissabon war eindeutig. Keine Rettungsaktionen“. Aber zu der „Übertretung“ des Lissabon-Vertrages habe es keine Alternative gegeben. Rund sechs Monate später steht Griechenland wieder vor dem finanziellen Abgrund. Und trotz ihrer bemerkenswerten Äußerungen scheint die Französin nach wie vor beste Chancen zu haben, die nächste Chefin des Internationalen Währungsfonds zu werden. Vermutlich lösten ihre Äußerungen im Dezember deshalb kein größeres Medienecho aus, weil sie in die Weihnachtszeit fielen.

Heute scheinen die Äußerungen vergessen. Und glaubt man Frankreichs Noch-Finanzministerin, dann glich ihre Werbetour für ihre Kandidatur einer Serie von Besuchen bei lieben Bekannten. In Indien zum Beispiel traf sie mit Finanzminister Pranab Mukherjee einen „Freund“, in China hatte sie mit dem dortigen Notenbank-Chef Zhou Xiaochuan eine „einvernehmliche und tiefgehende“ Debatte.

Dennoch haben sich weder Indien noch China dazu durchgerungen, ihre Kandidatur offen zu unterstützen. Die hochgewachsene Politikerin weiß: Ihr größtes Handicap sind nicht ihre Äußerungen zum bewussten Vertragsbruch bei der Eurorettung, sondern ihre Nationalität. In Zeiten, in denen Länder wie Brasilien oder China die Weltwirtschaft am laufen halten, ist es in der Tat kaum mehr zu rechtfertigen, dass eine Europäerin den IWF-Top-Job bekommt, wie es seit rund 50 Jahren üblich ist. Die Bewerbungsfrist für den Posten endet am Freitag um Mitternacht. Der Verwaltungsrat des IWF muss über den neuen Chef bis spätestens 30. Juni entscheiden.

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  • Lagarde wird die franzoesischen Interessen vertreten und unsere Speichellecker werden den Diener machen. Unsere "Demokratie" ist ein Witz.
    .
    Versailles wie gehabt!!

  • Wenn Lagarde zum Zug kommt, dürfte die Glaubwürdigkeit des IWF für den Rest de Jahrhunderts verspielt sein. Davon abgesehen, eine Person, die auch noch öffentlich zugegeben hat, sich über bestehende Gesetze mal ganz locker hinweggesetzt zu haben, disqualifiziert sich im gleichen Atemzug selbst. Ausserdem, nachdem sie eine Deckelung der der deutschen Exporte vorgeschlagen hat, um die Ungleichgewichte in der EU zu neutralisieren, grenzt die deutsche (Merkelsche) Unterstützung für diese Tochter der Grande Nation schon verdammt hart an Masochismus. Und wenn es nicht Masochismus sein sollte, ist es Verrat an den eigenen Interessen. Beides ist schlimm. Thumbs up für Agustin Carstens!

  • Jagt dieses korrupte Pack zum Teufel !!!!!!!
    Ein einfaches Rezept !
    Aber - die Menschen gehen zu MC Donalds und kochen nicht mehr selber........
    Wir treffen uns in der Hölle wieder !

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