Christine Lagarde
Frankreichs große Krisengewinnerin

Anfang vergangenes Jahr schien es nur noch eine Frage der Zeit, wann Frankreichs erste Finanzministerin ihren Job verlieren würde. Doch Christine Lagarde, die als Quereinsteigerin in die Politik kam, hat sich durchgebissen. Loyalität und gutes Krisenmanagement haben sie nun ganz nach vorne katapultiert.
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PARIS. Freitag, der 13. scheint für Frankreichs Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde ein Glückstag zu sein. Hatte Madame le Ministre doch nur gute Nachrichten zu verkünden: Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal weiter, wenn auch bescheiden. Und der Rückgang bei den Jobzahlen verlangsamte sich.

Obendrein konnte die hochgewachsene Politikerin gleich noch zu wohlmeinenden Spekulationen zur eigenen Person Stellung nehmen. Denn in der französischen Presse wird kolportiert, dass Lagarde neue Chefin der Eurogruppe werden könnte, also die Vorsitzende des informellen, aber einflussreichen Klubs der Euro-Mitgliedstaaten. „Es erscheint mir ein bisschen verfrüht zu sein, darüber jetzt schon zu sprechen“, antwortete sie zwar nur. Ablehnung klingt aber anders. Als loyale Ministerin fügte sie gleich an: „Ich würde darüber zunächst mit dem Premierminister und dem Staatspräsidenten reden.“

Eine Französin wird Chefin des Euro-Klubs? Sehr unwahrscheinlich, tönt es aus Brüssel; schließlich sei Frankreich jenes Land, das die Defizitgrenzen des Stabilitätspakts mit Beharrlichkeit ignoriere.

Aber allein die Tatsache, dass Lagardes Name beim EU-Posten-Poker überhaupt fällt, ist bemerkenswert. Das zeigt, dass Christine Lagarde heute ein Pfeiler in Nicolas Sarkozys Regierungstruppe ist. Das verdankt sie ihrer Loyalität und ihrem Krisenmanagement. Sie ist damit Frankreichs große Krisengewinnerin.

Anfang vergangenen Jahres schien es dagegen nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann Frankreichs erste Finanzministerin ihren Job verliert. Als Lagarde im Februar 2008 zu G7-Verhandlungen in Tokio weilte, verbreiteten in Frankreich Radiosender das Gerücht, dass ihr Rücktritt unmittelbar bevorstünde. „Das war wohl einer der härtesten Momente in ihrer Karriere“, heißt es aus ihrem Umfeld.

Lagarde ist eine Quereinsteigerin im Pariser Politbetrieb. Sie hat sich nicht von den klassischen Elite-Schmieden wie der ENA (wo sie zweimal abgelehnt wurde) und den Mitarbeiterstäben der Ministerien nach oben gedient. Sie hat Karriere in einer angesehenen Anwaltskanzlei gemacht, und das auch noch in den USA: Baker & McKenzie, deren Chefin sie war.

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