CIA-Verhörmethode
Terrorchefplaner 183 Mal fast ertränkt

Der US-Geheimdienst CIA hat das sogenannte Waterboarding – das simulierte Ertränken – bei Verhören von mutmaßlichen Terroristen viel häufiger angewandt als bisher bekannt. Wie eine US-Zeitung berichtet, musste vor allem der Chefplaner der Anschläge von 11. September 2001 leiden.

HB WASHINGTON. Nach einem Bericht des US-Justizministeriums von 2005 wurde bei zwei Al-Kaida-Häftlingen insgesamt 266 Mal das sogenannte Waterboarding angewandt. Das berichtete die „New York Times“ am Sonntag. Demnach wurde Khalid Sheik Mohammed, der mutmaßliche Planer der Anschläge vom 11. September 2001, im März 2003 auf diese Weise 183 Mal so gefoltert. Bei dem Gefangenen Abu Zubaydah sei das Waterboarding 83 Mal eingesetzt worden. Ein Sprecher des Geheimdienstes nahm dem Blatt zufolge nicht zu den Zahlen Stellung.

Der Bericht gehörte zu vier bislang geheimen Dokumenten, deren Veröffentlichung am Donnerstag von Präsident Barack Obama angeordnet worden war. Die CIA hatte sich gegen die Offenlegung ausgesprochen. Die Zahlen waren der „New York Times“ zufolge am Wochenende zuerst einigen Bloggern aufgefallen. Offenbar waren sie aus manchen Ausgaben des Memos entfernt worden, aus anderen nicht.

Die Zahlen dürften die Debatte über die Verhörmethoden der CIA erneut anheizen und die Frage aufwerfen, ob diese Methoden, abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit, überhaupt sinnvoll und effektiv sind. Im Jahr 2007 hatte ein CIA-Beamter in der Presse erklärt, Zubaydah sei nur 35 Sekunden dem Waterboarding ausgesetzt worden, bevor er alles gesagt habe. Außerdem wurde die Methode offiziell damit gerechtfertigt, dass durch die so gewonnenen Informationen Anschläge verhindert und Menschenleben hätten gerettet werden können.

Die „New York Times“ berichtete zudem unter Berufung auf einen früheren Geheimdienstmitarbeiter, Zubaydah habe bereits vor dem Waterboarding fast alles gesagt, nachdem er nackt eine Nacht in Kälte und ohne Schlaf in seiner Zelle habe verbringen müssen. Trotzdem sei die verschärfte Praktik angeordnet worden.

Das Waterboarding gehört zu den umstrittensten Verhörmethoden, die unter Präsident George W. Bush angewandt wurden. Obama hat es verboten, hat sich aber auch gegen eine Bestrafung der Folterer ausgesprochen.

Der Geheimdienstausschuss des Senats beschäftigt sich hinter verschlossenen Türen mit dem Verhör-Programm der CIA unter Bush. Am Montag sollte Obama erstmals den Geheimdienst besuchen und dort öffentlich zu Mitarbeitern sprechen.

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