Clarke: "Informationen waren unbrauchbar" Terrorexperte kritisiert Qualität deutscher Geheimdienste

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Aber es gab doch tatsächlich Fehler in der CIA-Arbeit.

Sicher. Die CIA hätte sagen sollen, dass sie für die zurückliegenden vier Jahre keine verlässlichen Informationen über den Irak hatte.

Wie bewerten Sie denn die Qualität deutscher Geheimdienst-Informationen aus dem Nahen und Mittleren Osten?

Wenn ich wissen wollte, was im Irak vor sich geht, wären die Letzten, die ich gefragt hätte, die Deutschen oder Franzosen gewesen. Die USA haben zwar regelmäßig Informationen erhalten. Aber brauchbar waren sie nicht. Falls ich Informationen bräuchte, würde ich mich an Großbritannien, Jordanien, Marokko oder die Türkei wenden. Mit der Ausnahme der Briten haben die meisten europäischen Länder keine gute Aufklärung außerhalb ihrer eigenen Länder.

Woran liegt das?

Der entscheidende Grund ist die mangelnde finanzielle Ausstattung der Dienste. Aufklärung ist nicht mehr billig zu haben. Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo man wie der damalige britische Geheimdienst Aufklärung aus einem Büro in London betreiben konnte. Wer vernünftig Informationen sammeln und auswerten will, braucht über Jahre erhebliche Geldsummen etwa für den Aufbau von Organisationen und elektronisches Gerät.

Angesichts Ihrer Kritik an der Bush-Regierung liegt die Frage nahe, ob Sie den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John F. Kerry unterstützen.

Nein.

Wir brauchen Sie also nicht zu fragen, ob Sie in einer Kerry-Regierung arbeiten würden?

Noch einmal nein. Ich habe bereits vor der Untersuchungskommission des US-Kongresses zu den Anschlägen des 11. September unter Eid ausgesagt, dass ich nicht für Kerry arbeiten werde.

Welches Buch lesen Sie zurzeit?

Ich lese „Battle Ready“ – zu Deutsch „Kampfbereit“ – von General Zinni. Die Geschichte des US-Marine-Generals Anthony Zinni.

Das Gespräch führten Christoph Moss und Andreas Rinke.

Richard A. Clarke

Der Mensch: Richard A. Clarke wurde im Jahr 1951 als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren. Er studierte an der Boston Latin University und an der University of Pennsylvania. Clarke arbeitet derzeit als Buchautor, berät Unternehmen und den US-Fernsehsender ABC. Er ist allein stehend.
Die Karriere: Clarke begann seine Laufbahn 1973 als Experte für Nuklearwaffen und Sicherheit in Europa. Zuletzt war er Cheforganisator der Anti-Terror-Politik des Weißen Hauses – eine Position, die spätestens nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 von enormer politischer Bedeutung war. Richard Clarke diente seit Ronald Reagan jedem US-Präsidenten. Bill Clinton ernannte ihn 1998 zum „nationalen Koordinator für Sicherheit, Infrastrukturschutz und Antiterrorpolitik“. 2003 schied Clarke auf eigenen Wunsch aus seinem Amt aus.
Das Buch: „Against all Enemies“ ist im März in den USA erschienen. Es sorgte für erheblichen Wirbel, weil Clarke darin schwere Vorwürfe gegen US-Präsident George W. Bush erhebt. Seit dem 1. Juni ist es in Deutschland auf dem Markt. Nach drei Tagen waren nach Verlagsangaben bereits 30 000 Exemplare davon verkauft.

Richard A. Clarke: Against All Enemies – Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2004, 384 Seiten, 19,90 Euro.

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