Clarke: "Informationen waren unbrauchbar"
Terrorexperte kritisiert Qualität deutscher Geheimdienste

Richard Clarke, früher in der US-Regierung verantwortlich für die Terrorbekämpfung, hat heftige Kritik an der Qualität deutscher Geheimdienstarbeit geübt: "Wenn ich wissen wollte, was im Irak vor sich geht, wären die letzten, die ich gefragt hätte, die Deutschen oder Franzosen gewesen", sagte Clarke dem Handelsblatt (Montagausgabe).

FRANKFURT/M. Die USA hätten zwar regelmäßig Informationen erhalten. "Aber brauchbar waren sie nicht", sagte der langjährige Sicherheitsexperte im Weißen Haus, der 2003 aus Protest gegen den Irak-Krieg aus dem Amt schied. "Falls ich Informationen bräuchte, würde ich mich an Großbritannien, Jordanien, an Marokkaner oder Türken wenden, aber nicht die traditionellen Nato-Partner." Mit der Ausnahme der Briten hätten die meisten europäischen Länder keine gute Aufklärung außerhalb ihrer eigenen Länder, kritisierte Clarke. Entscheidender Grund dafür sei die mangelnde finanzielle Ausstattung der Dienste. "Heute ist Aufklärung nicht mehr billig zu haben. Wir sind nicht mehr im 19. Jahrhundert, wo man wie der damalige britische Geheimdienst Aufklärung aus einem Büro in London betreiben konnte." Wer heute vernünftig Informationen sammeln und auswerten wolle, brauche über Jahre erhebliche Geldsummen etwa für den Aufbau von Organisationen und elektronisches Gerät. Das Interview im Wortlaut:

Handelsblatt: Herr Clarke, in Ihrem Buch üben Sie harsche Kritik, dass die derzeitige US-Regierung die Terrorgefahr durch El Kaida nicht rechtzeitig erkannt hat. Als Titel haben Sie „Against all Enemies“, zu Deutsch „Gegen alle Feinde“, gewählt. Zählen Sie auch George W. Bush dazu?

Clarke: Nein. Der Ausdruck „Against all Enemies“ stammt aus der US-Verfassung. Er soll uns daran erinnern, dass wir alles unternehmen, um die Vereinigten Staaten vor allen Feinden zu schützen. Bush habe ich damit nicht gemeint.

Aber Sie werfen Bush vor, etwa mit dem Irak-Krieg die Sicherheit des Landes zu verringern.

Das schon. Mit jedem weiteren Tag der Anwesenheit der US- Truppen fühlen Millionen Moslems starke Feindseligkeit gegen die USA. Je länger wir bleiben, desto mehr hilft dies den Terroristen.

Was sollte Bush tun?

Die Truppen zurückziehen, nicht schlagartig, aber schrittweise. Und die eigenen Ziele herunterfahren. Wir sollten so schnell wie möglich den Irak verlassen. Aber auf verantwortliche Weise, das heißt, wenn eine Regierung besteht und diese zum Antiterrorkampf fähig ist.

Ist die Wahrscheinlichkeit eines Terroraktes in den USA heute höher als in Europa?

Ja, denn für radikale Islamisten sind die USA der Feind Nr. 1.

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