Clemens Fuest „Die Regierung müsste Konten einfrieren“

Tritt Griechenland tatsächlich aus dem Euro aus, würde dies das Land um Jahrzehnte zurückwerfen, warnt Ökonomie-Professor Clemens Fuest im Interview. Ein Austritt aus der EU könnte dann der nächste Schritt sein.
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Clemens Fuest ist Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln. Quelle: Pressefoto

Clemens Fuest ist Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität zu Köln.

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Handelsblatt: Herr Fuest, was würde passieren, wenn Griechenland aus der Währungsunion austräte?

Clemens Fuest: Die Krise in Griechenland würde sich weiter zuspitzen. Die Regierung müsste die Banken schließen und die Konten einfrieren, um die Umstellung auf eine neue Währung zu vollziehen. Die Umstellung könnte so aussehen, dass zunächst einmal Euro-Scheine mit einem Stempel versehen werden und als neue Währung dienen. Die Regierung müsste Kapitalverkehrskontrollen einführen, um zu verhindern, dass die Griechen ihre Ersparnisse außer Landes schaffen.

Was würde eine neue Währung dem Land bringen?

Diese Währung würde massiv gegen den Euro abwerten, sobald sie gehandelt werden dürfte. Damit würde das Land zwar wettbewerbsfähiger, weil die Löhne im Vergleich zum Ausland sänken – aber was helfen niedrigere Löhne, wenn die Institutionen des Landes korrupt und ineffizient bleiben? Die niedrigeren Kosten würden Exporte verbilligen, aber leider hat das Land nicht viele attraktive Exportwaren zu bieten. Die Kostensenkung würde wohl zusätzliche Touristen anlocken, aber kaum internationale Investoren. Ihnen würde Griechenland das fatale Signal geben, dass die Reformpolitik beendet ist. Der Austritt wäre ein halber Abschied aus der Europäischen Union und würde das Land womöglich auf den Stand der sechziger oder siebziger Jahre zurückwerfen.

Und was würde ein Ausstieg Griechenlands für den Rest der Währungsunion bedeuten?

Die große Gefahr ist, dass eine Kettenreaktion entstünde. Die Menschen in anderen Krisenländern könnten Angst bekommen, dass auch ihre Länder aus der Währungsunion austreten. Sie würden dann die Banken stürmen, um ihre Ersparnisse abzuheben. Es drohten Unruhen, gegen die die bisherigen Proteste ein Kinderspiel waren.

Wie ließe sich eine solche Kettenreaktion verhindern?

Die Politik müsste alles versuchen, den Menschen auf der Straße glaubhaft zu machen, dass Griechenland ein Sonderfall ist. Wie schwer das ist, haben wir ja gesehen, als ein Euro-Land nach dem anderen ein Hilfspaket beantragen musste. Die einzige Chance besteht darin, einen solchen Ausstieg in Verhandlungen zwischen Griechenland und den Euro-Partnern zu organisieren und zu klären, wer welche Verluste zu tragen hat. Für die Banken und die EZB wird das auf jeden Fall sehr teuer. Beide hätten hohe Abschreibungen vorzunehmen, und die EZB müsste außerdem klären, was mit den Außenständen Griechenlands im Target-2-Zahlungssystem geschehen soll, die sich auf rund 100 Milliarden Euro belaufen.

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10 Kommentare zu "Clemens Fuest: „Die Regierung müsste Konten einfrieren“"

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  • Wir haben in Europa eine Freihandelszone die, durch die Währungsunion, zu einem Exportreservat vor allem für die Deutsche Wirtschaft entartet ist. Durch die exorbitante und chronische Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands (14 Milliarden Im Monat) und die daraus zwangsweise resultierende Leistungsbilanzdefizite der anderen EU-Länder, werden die Haushaltsdefizite in diesen Länder gewissermaßen erzwungen. (Steuer Ausfälle und hohe Arbeitslosigkeit)
    Deren Wirtschaft wird langsam aber sicher, durch die Wirtschaftsübermacht Deutschlands, erstickt und ausgeschaltet.
    Die so in Abhängigkeit geratene Länder sind nicht mehr in der Lage sich zu befreien, ein Ausstieg aus dem Euro wäre laut Verträge nur möglich bei einem gleichzeitigen Austritt aus der EU.
    Keine europäische Wirtschaft kann aber außerhalb der EU lange bestehen und überleben. Bis Jetzt auf jedem Fall. Das ist den Merkozy auch bekannt, daher die Erpressung. Marche ou crève!

  • nein, es wird keine Kern Euro! Die sogannten Retter werden sich bis dahin zu Tode gerettet haben.

  • Vielleicht sollte nman die Fragen umkehren und die Kosten analysiern, die entstehen werden, wenn Griechenland in der EURO Union bleibt ? Diese Theamtik wurde bis dato noch nicht in den Medien aufgegriffen. Die Frage ist genauso suffisant zu beantworten wie die Antworten von Herrn Fuest bei einem hypothetischen Austritt Griechenlands aus dem EURO : Die Kosten sind um ein Vielfaches höher als die des Austritts, weil sie als Transferleistungen stetig sein und sich von Jahr zu Jahr erhöhen werden (mathematisch eine geometrische Reihe, die gegen Unendlich konvergiert). SOll das die Alternative zum Austritt Griechenlands sein ?

  • Gut finde ich den Spruch: "... und die EZB müsste außerdem klären, was mit den Außenständen Griechenlands im Target-2-Zahlungssystem geschehen soll, die sich auf rund 100 Milliarden Euro belaufen."

    Das soll die EZB doch bitte jetzt schon erklären! Glaubt die EZB noch an die Rückkehr dieser Gelder oder ist das ein verlorener Zuschuss? Je eher das klar ist, desto eher wird den deutschen Steuerzahlern reiner Wein eingeschenkt.

    Für Prof. Sinn vom Ifo-Institut ist das verlorenes Geld - aber die EZB sieht das anders - wäre mal spannend zu hören, wie die Griechen das zurück zahlen wollen.

  • Weshalb soll ein Austritt aus der Währungsunion einen Austritt aus der EU nach sich ziehen? Ggf. kann nach einer Marktberuhigung die "Neu-Drachme" sogar an den Euro angebunden werden.

  • Selten so einen Schwachsinn gelesen. Eine Schande, was man den Studenten da vorsetzt!
    Wenn man das aber mal analysiert was da steht, so würde es Griechenland besser gehen bei einem Austritt, aber das wissen ja schon alle. Wovor die Machteliten jedoch Angst haben, ist und das geht glasklar aus diesem Gefasel hervor, ist die Kettenreaktion des Verfalls der EU! Also wie wieder alles einsammeln danach?
    Natürlich würde die EU, so wie sie ist, auch real zerfallen. In den Köpfen des Volkes hat sie ja ohnehin nie existiert, aber was das Volk will, ist ja ohnehin uninteressant für die Politmarionetten!

    Allen würde es besser gehen, ohne diese Zwangssozialisierung unterschiedlichster Systeme, Interessen, Historien und Mentalitäten! Nur es darf nicht sein, weil man große Massen besser disziplinieren kann, als kleine Gruppen!

  • Die Türkei hat sich in den 1990er Jahren auf ähnliche Weise in einer Krise befunden (allerdings ohne Euro). Derzeit ist die Türkei das am stärksten wachsende Land in Europa (derzeit ca. 8% Wirtschaftswachstum). Warum sollte es in Griechenland nicht gelingen ?
    Das Signal, was derzeit auisgesendet wird, heißt doch: "Macht ruhig weiter so, neg. Folgen fast ausgeschlossen". Herr Fuest hat unrecht, wenn er meint, die Griechen wären ein "Sonderfall", den von diesen gibt es ja neben Portugal, Spanien und Irland noch so enige. Auch wenn man es jetzt noch nicht sehen will, in wenigen Jahren sieht der Euro und die EU komplett anders aus!
    Ich denke, es wird eine Art Kern-EU geben, in der Länder mit besten Boniäten (BRD, LUX, FIN, NDL, FR) den Euro als Währung behalten werden.

  • Rückfall in die siebziger Jahre? Ich habe in den siebziger Jahren oft und gerne Urlaub in Griechenland gemacht noch während der Militärdiktatur und ebenfalls danach. Unglückliche und verarmte Menschen habe ich nicht gesehen. Ich glaube nicht wenige Griechen wären zufrieden, wenn sie Verhältnisse hätten wie in den siebziger Jahre, womit selbstverständlich nicht die Militätdiktatur gemeint ist.

  • Gott, was habt Ihr (liebe Medien) uns mal wieder verarscht.

    Die Griechen schwimmen in Öl

    Das ist bekannt, seit Wehrmachtszeiten. von Deutschen entdeckt und danach von den freundlichen amerikaner abkopiert unhd sicher als Verschlusssache gehalten.

  • Dann werden die Griechen eben 20 Jahre zurück geworfen! Es kann doch nicht sein, dass wir jedes Jahr EUR 10.000 pro Griechen überweisen/bürgen!

    Wer sich durch Schummeleien eine Verdopplung der Löhne in kurzer Zeit gönnt muß damit rechnen aufzufliegen und wieder dort zu landen wo er her kommt!

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