Co-Chef der Deutschen Bank
Sparerabgabe in Zypern verschreckt Investoren

Anshu Jain warnt vor den aktuellen Entwicklungen in Zypern. Investoren fürchteten, dass mit den Rettungsmaßnahmen ein Präzedenzfall geschaffen werde. Eine Zerschlagung großer Banken sei nicht die Lösung in der Krise.
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FrankfurtDie Beteiligung von Sparern am Rettungspaket für Zypern birgt nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, Risiken. Das Modell sei zwar wahrscheinlich keine Blaupause für andere EU-Staaten, sagte Jain am Dienstag bei einer Finanzplatztagung in Frankfurt.

Doch es schaffe einen „Präzedenzfall“: Der Rahmen für die Beteiligung von Gläubigern an Rettungsmaßnahmen werde in einer Weise erweitert, „der die Stimmung von Investoren negativ beeinflussen könnte, sollten andere Peripheriestaaten in Schwierigkeiten geraten“. Erstmals in der Euro-Schuldenkrise sollen Sparer im Falle Zyperns per Zwangsabgabe direkt an den Milliardenkosten beteiligt werden.

Insgesamt hat sich das wirtschaftliche Umfeld nach Jains Einschätzung in den vergangenen Monaten spürbar verbessert. „Die im vergangenen Sommer vorherrschenden grundlegenden Zweifel über die Zukunft der Eurozone sind geschwunden“ - unter anderem dank der Zusage der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro um jeden Preis zu retten.

Natürlich gebe es noch Risiken, stellte der Investmentbanker fest, der den Dax-Konzern seit Juni 2012 gemeinsam mit Jürgen Fitschen führt. „Aber insgesamt - für Europa und global gesehen - ist das Bild deutlich positiver als vor einem Jahr.“

Jain warnte erneut, eine Zerschlagung großer Banken sei nicht die richtige Antwort auf die Krise. „Wir sind fest davon überzeugt, dass Europas Universalbanken ihren Beitrag zu Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten können“, betonte Jain. Sollten die in Europa kursierenden Pläne zur Trennung von risikoreichem Kapitalmarktgeschäft und klassischem Einlagen-/Kreditgeschäft umgesetzt werden, könnte das nach Überzeugung des Managers hiesige Banken gegenüber der internationalen Konkurrenz benachteiligen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Co-Chef der Deutschen Bank: Sparerabgabe in Zypern verschreckt Investoren"

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  • Was hält die Euro-Finanzminister davon ab, die Enteignung von Gläubigern auch in anderen Ländern, z.B. In Deutschland vorzunehmen?

    Was passiert mit Liquiditätspositionen von Fonds, Versicherungen, Banken etc.?

    Die Kleinanleger in Zypern sind an dem Desaster so schuldig wie die Kleinsparer in Deutschland. Wann wird auch deren Altersversorgung beschlagnahmt?

    Wahrscheinlich wird dies dann alternativlos sein, wenn der Staat nicht mehr genügend Geld, hat um die üppigen Politikerpensionen zu bezahlen.

    Die zypriotischen Sparer dürfen nicht allein stehen, wir sind sonst die nächsten!

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