CO2-Ausstoß
Warum die Umwelt ein Gewinner der Krise ist

Die Internationale Energieagentur prognostiziert für dieses Jahr drei Prozent weniger CO2-Ausstoß. Unternehmen verbrennen in der Krise weniger fossile Brennstoffe. Die Agentur fordert bis 2030 zusätzliche Investitionen von zehn Billionen Dollar in energiesparende Technik - sonst drohten drastische Folgekosten.
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LONDON. Die Internationale Energieagentur (IEA) ist nicht für ihren Optimismus bekannt. In der Regel sind es schlechte Nachrichten, die die Experten überbringen. Gestern hat die Agentur allerdings ungewohnt zuversichtliche Töne angeschlagen, als sie in London ihren neuen Weltenergieausblick vorstellte. „Durch die Rezession rücken Lösungen in greifbare Nähe, die verhindern, dass der Klimawandel schwerwiegende Folgen haben wird“, sagte Nobuo Tanaka, Direktor der IEA. „Wir haben jetzt ein kleines Zeitfenster, um zu handeln.“

Nach Schätzungen der Agentur wird dieses Jahr drei Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre gelangen, weil weniger fossile Brennstoffe genutzt werden. In den vergangenen Jahren sind die Emissionen meistens um drei Prozent gestiegen.

Dazu passt, dass Japan vor allem wegen der schweren Wirtschaftskrise seinen Treibhausgas-Ausstoß im vergangenen Haushaltsjahr um 6,2 Prozent verringert hat. 2008/09 hätten die Emissionen der klimaverändernden Gase 1,286 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalent betragen, teilte die Regierung am Mittwoch mit. In den vorangegangenen zwölf Monaten hatten die Emissionen auf einem Rekordhoch von 1,371 Mrd. Tonnen gelegen.

Nach dem Kyoto-Protokoll muss Japan bis 2013 seine Emissionen auf 1,186 Mrd. Tonnen pro Jahr reduzieren. Die jüngsten Zahlen zeigten, dass dieses Ziel erreichbar sei, sagte Yasuo Takahashi, der im Umweltministerium für den Klimaschutz verantwortlich ist. Er räumte aber ein, dass 2008/09 wegen der Rezession ein eher ungewöhnliches Jahr gewesen sei. Japan will zur Erreichung seines Ziels auch Emissionsrechte für 20 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr im Ausland erwerben. 48 Mio. Tonnen CO2 sollen pro Jahr zusätzlich durch Aufforstungsmaßnahmen im Land absorbiert werden. Kohlendioxid (CO2) macht den Hauptanteil an den Treibhausgasen aus, die für die Erwärmung der Erdatmosphäre verantwortlich gemacht werden. Für die Statistik wird daher mit einer Vergleichsgröße, dem CO2-Äquivalent gerechnet.

Rezession stoppt Investitionen

Die weltweite Wirtschaftskrise hat noch einen weiteren, für Umwelt und Klima wichtigen Effekt: Unternehmen haben zahlreiche Investitionen in neue Kohlekraftwerke und andere Anlagen sowie in die Entwicklung wenig effizienter Autos gestoppt. Dieses Geld müsse man nun umlenken und in moderne, energiesparende Technik stecken, empfiehlt die IEA.

„Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, einen klimafreundlicheren Kurs einzuschlagen und die Erderwärmung zu begrenzen“, sagte Fatih Birol, der Chefökonom der Agentur. Um maximal zwei Grad darf sich die Erde nach Ansicht der meisten Klimaforscher im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter aufheizen, um die Folgen des Klimawandels gerade noch bewältigen zu können.

Doch das hat seinen Preis. Die IEA-Experten fordern bis 2030 zusätzliche Investitionen von zehn Billionen Dollar – etwa von Autoherstellern und Energiekonzernen. Diese Ausgaben würden 1,1 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2030 ausmachen. Die IEA-Forderungen sind weit höher als die des Ökonomen Nicholas Stern, der die britische Regierung beim Klimaschutz berät.

Zudem brauche es ein ehrgeiziges Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, sagte IEA-Chefökonom Birol. Darüber sprechen Politiker im Dezember in Kopenhagen.

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  • @ backermeisterbullerjahn (10)

    „.........aber ähnlich fundierte Analysen gibt es schon seit Langem.“

    Natürlich gibt es die, die werden nur nicht wahrgenommen bzw. politisch korrekt unterdrückt. Als economist hier noch am Start war, hat er oft genug darüber geschrieben, auch, daß es die ökonomisch und ökologisch sinnvollste Entscheidung wäre statt der Windräder moderne Kohlekraftwerke zu bauen, weil dadurch der CO2-Vermeidungseffekt am größten ist und die vorhandenen Mittel am effektivsten eingesetzt würden. Das löst bei den Weltrettern natürlich einen brechreiz aus, da die sich mit diesen Dingern und anderen „innovativen“ Anlagen eine goldene Nase verdienen. Meine Solarfuzzis jammern in jedem Jahr aus Neue darüber, daß der Strom viel zu billig sei und ihr Umsatz dadurch stagniere bzw. zurück geht.

    „Die Muslime könnten schließlich beleidigt sein und eine Fatwa gegen ihn verfassen.........Christliche oder andere religiöse Symbole oder Gebäude zu zerstören, ist jedoch kein Problem.“

    Welche Reaktion kann schon von religiösen Hinterwäldlern erwartet werden? ihre Religion, einschließlich ihrer Gesellschaftsordnung, ist allen anderen überlegen, steht über allem. Lesen Sie einmal diesbezügliche Diskussionen im türkischen Portal, da beschlägt ihnen die brille. Man kann kaum glauben, daß die Autoren vieler beiträge einen PC vor der Nase haben und im 21ten Jahrh. leben.

  • @ backermeisterbullerjahn (11)

    Herrlich und so typisch für das Land der begrenzten Möglichkeiten. So kann man auch Energie verbrauchen obwohl es sie kostenlos vor der Tür gibt.
    Wenn ich mir vorstelle, daß meine amerikanischen bekannten in ihrem Garten Wäsche hängten und alle Nachbarn ebenfalls, dann wäre dies ein riesen Wäschemeer, so dicht wohnen die aufeinander. Sei's drum, der Duft dieser Wäsche schlägt alles und schließlich wird nicht jeden Tag gewaschen und getrocknet.

    Es besteht allerdings kein Grund sich darüber zu mokieren, wir sind in vielen bereichen auch nicht besser, Vorgartenzwergaufstellverordnung etc. ;-))

  • http://www.sueddeutsche.de/leben/830/494170/text/

    Man glaubt es kaum. Auch die USA haben ihre ideologen (:-))

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