CO2-Emissionen
China nennt erstmals eigene Klimaziele

Nach den USA kommt auch China beim Klimaschutz aus der Deckung. Knapp zwei Wochen vor Beginn des Weltklimagipfels kündigte die Führung in Peking erstmals konkrete, wenn auch unverbindliche Ziele an.
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HB/dpa PEKING. Bis 2020 sollten die Emissionen je Einheit der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu 2005 um 40 bis 45 Prozent gesenkt werden, kündigte die chinesische Regierung gestern an. Der Ausstoß der Treibhausgase soll also künftig nicht mehr so stark zulegen wie das Wirtschaftswachstum.

Obama fliegt nach Kopenhagen

Am Vortag hatten die USA eine Reduktion bis 2020 um 17 Prozent, ausgehend vom Jahr 2005, angekündigt. Außerdem kündigte das Weiße Haus an, dass US-Präsident Barack Obama nach Kopenhagen reisen werde. Am Donnerstag sagte ein Außenamtssprecher in Peking, auch Regierungschef Wen Jiabao werde teilnehmen.

Peking bemisst die Reduktionsziele nach „Einheiten des Bruttoinlandsprodukts“. Mit dieser Formulierung hatte Präsident Hu Jintao Ende September erstmals einen bedeutenden Beitrag seines Landes zur Treibhausgas-Reduktion angekündigt, ohne jedoch konkrete Ziele zu nennen. Aus Sorge um sein Wirtschaftswachstum vermeidet Peking jede Festlegung auf absolute Zahlen bei der CO2-Reduktion.

China und die USA blasen zusammen zwei Fünftel aller Treibhausgase, die zur gefährlichen Erderwärmung führen, in die Luft. Umweltschützer halten die Ankündigungen von US-Präsident Barack Obama wie auch Chinas für unzureichend.

Münchener Rück fordert mehr Ehrgeiz

Der Rückversicherer Münchener Rück warnt, dass die Folgen des Klimawandels unbezahlbar werden. Deshalb müssten beim Kopenhagen-Gipfel verbindliche Ziele vereinbart werden. Sollte es nicht gelingen, den Klimawandel aufzuhalten, könnten viele Menschen ihre Versicherungen gegen Katastrophenschäden nicht mehr bezahlen, sagte ihr Vorstand Torsten Jeworrek in München. Den weltweiten volkswirtschaftlichen Schaden aus klimabedingten Naturkatastrophen bezifferte der Versicherer schon für den zurückliegenden Zeitraum zwischen 1980 und 2008 auf 1,6 Billionen US-Dollar. Nach Ansicht des Rückversicherers müssen sich die Staaten auf der Konferenz vom 7. - 18. Dezember mindestens auf Eckpfeiler für eine Nachfolge des Kyoto-Protokolls einigen. Das Kyoto-Protokoll, dem sich die USA nicht verpflichtet haben, läuft 2012 aus. Die Erderwärmung müsse unbedingt auf zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden, sagte der Manager.

Ungeachtet der Pläne wird China nach Experteneinschätzung noch bis mindestens 2030 weiter mehr Treibhausgase produzieren. China gehört weltweit zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Die Umweltorganisation Greenpeace ging mit den Plänen Chinas hart ins Gericht. „Das ist zu wenig, um unter dem Zwei-Grad-Ziel zu bleiben, zu dem sich China auch bekannt hat“, sagte der Klimaexperte von Greenpeace, Martin Kaiser.

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