CO2
Südkorea spart freiwillig, USA widerwillig

Auf dem APEC-Gipfel blieben die Asiaten in Sachen Klimaschutz vage, doch der Wille zur CO2-Reduktion ist offenbar doch da: Die Südkoreaner, beim Ausstoß von Klimagasen unter den Top-Ten der Welt, setzen sich ehrgeizige Ziele. Die USA verschieben den Klimaschutz derweil auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.
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HB SEOUL. Vor dem Uno-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember hat Südkorea zum ersten Mal ein Ziel für die Reduzierung des eigenen Treibhausgasausstoßes festgelegt. Die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens will demnach die Emissionen klimaschädlicher Gase um 30 Prozent und somit fast ein Drittel unter das prognostizierte Niveau von 2020 senken. Das entspreche einer Verminderung um vier Prozent im Vergleich zu 2005, teilte das Präsidialamt in Seoul am Dienstag nach einer Kabinettssitzung unter Leitung von Präsident Lee Myung Bak mit.

Obwohl es Zweifel am Erfolg des Gipfels in Kopenhagen gebe, werde Südkoreas freiwillige Selbstverpflichtung die internationale Gemeinschaft dazu anspornen, verantwortlich zu handeln, wurde Lee zitiert. Südkoreas Zielvorgabe im Kampf gegen den Klimawandel bedeute zwar „kurzfristige Lasten“, jedoch letztlich größere Vorteile für das Land. „Das ist eine Chance, den Status des Landes zu heben.“

Südkorea ist in der Gruppe der zehn Länder mit dem größten Kohlendioxid-Ausstoß. Das Land ist im Rahmen bestehender Uno-Klimaschutzkonventionen nicht zu CO2-Reduktionszielen verpflichtet. Im vergangenen Jahr hatte Präsident Lee eine Strategie des grünen Wachstums als eine neue Vision für die langfristige Entwicklung des Landes verkündet. Unter anderem soll der Anteil der erneuerbaren Energien von gegenwärtig zwei auf elf Prozent bis 2030 und auf 20 Prozent bis 2050 zunehmen.

Unterdessen schwinden die Chancen auf eine umfassende Vereinbarung bei dem Kopenhagener Klimagipfel im Dezember weiter. Die Demokraten im US-Senat erwarten erst Anfang 2010 ein neues Gesetz zum Kampf gegen den Klimawandel. Der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Beziehungen John Kerry sagte am Montag, zuvor werde sich der Kongress mit den Reformen des Gesundheitswesens und der Finanzbranche beschäftigen. Damit sendet Washington ein eindeutiges Zeichen: Klimaschutz ist unwichtig, den Fahrplan dazu lassen wir uns nicht von der Weltgemeinschaft aufzwingen.

Das Repräsentantenhaus hat einen Entwurf eines Gesetzes zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes immerhin schon verabschiedet, die gesteckten Ziele (vier Prozent Reduktion bis 2020 auf der Basis von 1990) reichen jedoch nicht einmal um als Feigenblatt durchzugehen. Der Senat beschäftigt sich dagegen im Moment überwiegend mit den innenpolitischen Großreformen von Präsident Barack Obama. Im kommenden Jahr finden Kongresswahlen statt. Die USA sind nach China der weltweit größte Produzent von Treibhausgasen.

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