Comeback in Italien
Berlusconi ein drittes Mal an der Macht

Silvio Berlusconi wird zum dritten Mal italienischer Ministerpräsident. Seine Sammelbewegung „Volk der Freiheit“ (PDL) erhielt im Senat nach dem vorläufigen Endergebnis vom Dienstagmorgen 47,32 Prozent der Stimmen.

HB/kk ROM. Berlusconis Kontrahent Walter Veltroni kommt mit seiner Demokratischen Partei (PD) im Senat auf 38,01 Prozent. In der Abgeordnetenkammer erreichte Berlusconi 46,81 Prozent, Veltroni kam auf 37,54 Prozent.

Damit kehrt der konservative Politiker Berlusconi zwanzig Monate nach seiner Abwahl als Ministerpräsident in Italien zurück an die Macht zurück. Er verfügt in beiden Parlamentskammern über komfortable Mehrheit.

Wahlsieger Berlusconi sieht sich vor einer „großen Verantwortung“ und will bei den notwendigen Reformen auch mit der Opposition zusammenarbeiten. Der 71-Jährige kündigte an, rasch eine Regierung bilden und vier Frauen als Minister aufnehmen zu wollen. „Wir haben schwierige Monate vor uns, die viel Kraft erfordern werden“, sagte er und verwies auf die ausstehende Rettung der maroden Fluggesellschaft Alitalia und die Bewältigung der Müllkrise Neapels.

Veltroni räumte die Niederlage ein. „Das Wahlergebnis ist klar, die Rechte wird regieren“, sagte Veltroni. Das endgültige Ergebnis der Parlamentswahlen wurde erst im Laufe der Nacht erwartet. Berlusconi sei „ruhig und gelassen“ und werde seinen Wählern später danken, sagte der Sprecher des Oppositionschefs, Paolo Bonaiuti.

Der Sieg kam nicht überraschend: Schon vor Wochen wurde Berlusconis Bündnis nach Umfragen ein Vorsprung von acht bis neun Prozentpunkten prophezeit. Dennoch hatte sich auch der fast 20 Jahre jüngere Veltroni, der sich als langjähriger Bürgermeister von Rom großer Beliebtheit erfreute, bis zuletzt Chancen auf den Sieg ausgerechnet. „Wir haben das richtig gemacht für Italien“, sagte Veltroni nach Angaben seines Sprechers als erste Reaktion.

Zu Berlusconis neuer Sammelbewegung „Volk der Freiheit“ gehört auch die rechtspopulistische „Lega Nord“ von Umberto Bossi. Veltronis Demokratische Partei (PD) war zusammen mit dem Juniorpartner „Italien der Werte“ in die Neuwahlen gegangen.

Die zweitägigen Wahlen verliefen ohne größere Zwischenfälle. Allerdings verschwanden aus einem Wahllokal im sizilianischen Palermo etwa 100 leere Stimmzettel. In manchen der über 61 000 Wahllokale bildeten sich längere Schlangen, weil die Wähler ihre Handys und Kameras vor Betreten der Wahlkabinen abgeben mussten. In der nordwestlichen Hafenstadt La Spezia starb eine 84-jährige Frau nach dem Urnengang an einem Herzanfall, teilten die Behörden mit.

Es ging um 630 Sitze im Abgeordnetenhaus und 315 Sitze im Senat. Wahlberechtigt waren 50 Mill. Italiener. Die Neuwahlen waren nach dem Sturz von Romano Prodis Mitte-Links-Regierung Ende Januar notwendig geworden. Prodi, der mit einer wackeligen Neun-Parteien- Koalition regiert hatte, verlor damals seine Mehrheit im Senat.

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