Comeback-Pläne
Sarkozy macht den Berlusconi

Im ersten Zeitungs-Interview nach seiner Wahl-Niederlage deutet Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ein politisches Comeback an. Nicht weil er Lust hätte, sondern weil er müsse – um Frankreich zu retten.
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ParisLange Zeit hat er stillgehalten, nun kann er einfach nicht mehr. Nicolas Sarkozy, Ex-Staatspräsident ohne feste Beschäftigung und ohne politische Aufgabe, will allen zeigen, dass sie ihn bloß nicht abschreiben solle. Er schreit seinen Wunsch nach einem politischen Comeback heraus: "Es könnte sein, dass ich wieder ran muss. Nicht etwa, weil ich Lust hätte, sondern weil es um Frankreich geht." Der Zeitschrift 'Valeurs Actuelles' hat er seinen als Pflichtbewusstsein verkauften Wunsch offenbart, nachdem er sich seit seiner Wahlniederlage vor fast einem Jahr über seine Zukunftspläne ausgeschwiegen hatte.

"Sterbenslangweilig" finde er die Politik, lässt der Konservative in einem Gespräch fallen, das an Donnerstag erscheint. Für ihn sei das "erledigt". Er schließt auch aus, dass er die Führung der von ihm gestalteten und nach seinem Abgang fast zerfallenen Partei UMP übernehmen könne. All das ist zu klein für ihn. Nur eines könne ihn dazu bringen, sich noch einmal zu opfern: der Ruf des Vaterlandes. "Leider wird es einen Moment geben, wo die Frage nicht mehr ist, ob ich Lust habe, sondern ob ich überhaupt noch eine andere Wahl habe. In dem Fall werde ich mir nicht mehr sagen können: Ich bin glücklich, ich bringe meine Tochter zur Schule und halte überall in der Welt Reden. In diesem Fall werde ich tatsächlich verpflichtet sein, mich zu stellen. Nur, weil es um Frankreich geht."

"Du wirst ihn nie mehr sehen"

Von wem der Ruf ausgehen soll, wird allerdings immer unklarer. Seine politischen Freunde veranstalten zwar Kongresse, um an ihn zu erinnern. Doch als Kandidaten bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2017 sehen sie ihn nicht. Sein früherer Permierminister Francois Fillon, der selber kandidieren will, sagt bissig: "Er hat die Wahl verloren, wir können ja nicht noch einmal mit demselben Programm antreten, mit dem wir verloren haben." Sogar Sarkozys enger Vertrauter Brice Hortefeux stellt nüchtern fest, dass "die Bedingungen für seine Rückkehr in die Politik nicht gegeben sind." Und sein siegreicher Herausforderer, der heutige Präsident Francois Hollande spottete kürzlich gar über ihn: Als auf dem Salon de l'agriculture ein kleines Mädchen Hollande anvertraute, Sarkozy habe es nie gesehen, platzte es aus Hollande heraus: "Du wirst ihn auch nie mehr sehen."

Kommentare zu " Comeback-Pläne: Sarkozy macht den Berlusconi "

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  • Das ist mir ganz neu. Sie sind alle französische Staatsbürger und wählen unterschiedliche Parteien wie alle anderen.
    Vielleicht haben Sie nicht mitgekriegt. Daher nochmal, es gab 2 große Finanz und Bankenkrisen, die die EU und Weltwirtschaft geschwächt haben. Weder Hartz 4 Empfänger noch andere Staatsbürger mit Migrationshintergrund waren je dafür schuldig. Nehmen Sie Ihre Scheuklappen ab.

  • ..............außer den Immigranten die Schuld fuer die Misere Frankreichs in die Schuhe zu schieben.
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    Und, sind sie etwa nicht schuld?

  • Sarkozy hatte genügend Zeit gehabt Frankreich zu reformieren. Wo war seine Agenda? Was hat er getan? Nichts, außer den Immigranten die Schuld fuer die Misere Frankreichs in die Schuhe zu schieben.

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