Commerzbank-Chef

Blessing fordert EU-Finanzminister

Commerzbank-Chef Martin Blessing mischt sich in die Politik ein: Zur Lösung der Schuldenkrise im Euro-Raum fordert einen starken europäischen Finanzminister. Er soll sogar in die Budgethoheit der Euro-Staaten eingreifen können.
Update: 20.08.2011 - 17:06 Uhr 99 Kommentare
Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, fordert einen Finanzminister für die EU. Quelle: APN

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, fordert einen Finanzminister für die EU.

(Foto: APN)

Berlin/HannoverCommerzbank -Chef Martin Blessing plädiert zur Lösung der Schuldenkrise für einen europäischen Finanzminister. Nur mit starken Institutionen, die auch in die Budgethoheit der einzelnen Euro-Staaten eingreifen könnten, lasse sich die Haushaltspolitik aufeinander abstimmen und der Euro auf Dauer stabil halten, schrieb Blessing in einem am Samstag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“. „Wir brauchen einen echten europäischen Finanzminister, der mit entsprechenden Machtbefugnissen ausgestattet ist“, forderte er.

Mit der Einführung einer Fiskalunion müsse die EU das Recht erhalten, die Budgethoheit in Ländern zu übernehmen, die sich nicht an die Regeln hielten, schrieb Blessing. Sie solle auch die Befugnis bekommen, eigene Steuern zu erheben und eine gemeinsame Schuldenagentur zur Begebung von Anleihen aufzubauen.

Die Ergebnisse des jüngsten Euro-Krisengipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy hält der Bankchef nach eigenen Worten für unzureichend. Die Unsicherheit der Investoren sei weiter hoch. Die Idee einer gemeinsamen Wirtschaftregierung weise zwar in die richtige Richtung. Doch reichten zwei Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder im Jahr unter Leitung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nicht aus, um Vertrauen in bessere politische Rahmenbedingungen herzustellen.

„Die bisherigen Instrumente haben nur Zeit gekauft, ohne die grundlegenden Probleme der Währungsunion anzugehen“, kritisierte Blessing. Deutschland übernehme Haftungsrisiken, ohne dass im Gegenzug die politischen Rahmenbedingungen Europas verbessert würden.

Der Manager sieht nach eigenem Bekunden zwei Möglichkeiten, dem Kreislauf aus höheren Schulden, größeren Rettungspaketen und hektischen Marktreaktionen zu entkommen: eine Rückkehr zu nationalen Währungen oder eine Fiskalunion. Die erste Variante berge die Gefahr eines wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs in Europa. Die zweite Variante erfordere enorme Anstrengungen - und berge ebenfalls Risiken. „Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass wir bei allem Bemühen keinen stabilen gesetzlichen und politischen Rahmen für unsere gemeinsame Währung finden, sollten wir auch nicht davor zurückschrecken, den Euro aufzugeben“, schrieb Blessing in dem Gastbeitrag.

Talanx-Chef hält Transferunion für unausweichlich
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99 Kommentare zu "Commerzbank-Chef: Blessing fordert EU-Finanzminister"

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  • Re: Talanx-Chef hält Transferunion für unausweichlich
    Herr Haas:„Wenn es aber bei so niedrigen Zinsen bleibt, dann haben Versicherer ein ernstes Problem.“
    Käme da Transferunion / Finanzausgleich zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und in der Folge ein Anstieg des Zinsniveaus gelegen? Der deutsche Steuerzahler kann ja ruhig die Zeche zahlen, wenn sein Staat sich teurer finanzieren muß, wenn die Inflation galoppiert. Er kann sich dann vielleicht damit trösten, daß seine Lebensversicherung nominell wieder mehr abwirft.
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    Noch ein Wort zu dem Beitrag eines sog. „Finanz-Jesus“ v. 20.8.11, 15.22 h, mit der offensichtlichen Anspielung auf den biblischen Jesus Christus.
    Der Name des Heilands der Welt, des Herrn aller Herren, eignet sich nicht dazu, für einen törichten Decknamen herzuhalten.
    Wenn der Verfasser des fraglichen Kommentars einmal dem Gottessohn begegnen wird, wird ihm die Despektierlichkeit vor der höchsten Majestät leid tun, und er wird ihr auf 1000 nicht eins antworten können. Brief und Siegel darauf!

  • Sehe ich Blessings Kommentare in der Nacht dann bin ich um den Schlaf gebracht...

    Der Blessing soll sich mal seine Bank mit seinen Bilanzen und seinem Aktienkurs der letzten Jahre anschauen...

    Dann ist alles gesagt !!!

    Es gibt Leute denen wünscht man, dass Sie erstmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren bevor Sie irgendwelche schlauen Kommentare ablassen !!!

  • Unerklärlich warum gerade so viele HB-Leser zu solchen Ansichten gekommen sein können.
    Hier hat irgendwie eine methodische, gezielte Gehirnwäsche stattgefunden. Der Prozentsatz der Euro- Europa- EU-Gegner scheint besonders groß zu sein, es sieht hier aus wie ein Stelldichein von Nationalisten, Chauvinisten, rückständige und Nostalgiker des Großen Deutschen Reiches.
    Dann Prost-Mahlzeit! Auf ein Neues.

  • Der gute Mann redet Unsinn! Einen EU Finanzminister kann es nur geben innerhalb der "Vereinigten Staaten von Europa", aber es ist wohl niemand bereit, so weit zu gehen.

  • "Wir brauchen einen echten europäischen Finanzminister, der mit entsprechenden Machtbefugnissen ausgestattet ist"..
    Die klitzekleine Schwierigkeit liegt in den Wörtern "echt" und "entsprechend...ausgestattet": Solche Einfügungen belegen den hohen theoretischen Gehalt einer Forderung - oder kurz: ihre Praxisferne! Auch Herr Blessing nennt hier keinen Rat - vielmehr verrät er Ratlosigkeit! Nein, es sollte jetzt Schluss mit allen Gedankenspielchen sein. Europa ist gegenwärtig (und noch für länger) für eine Einheitswährung noch weit entfernt reif zu sein. Trotz aller Risiken: die Rückkehr zu nationalen Währungen ist weniger schlimm als der kollektive Selbstmord über eine Pseudo-Währung!

  • Blessing ist ein raffinierter Hund: er bringt sich selbst ins Gespräch für diese Position und da steuerfrei wesentlich besser bezahlt wie der Sanierungsjob bei der Commerzbank - so schauts aus

  • „Schäuble gegen EURO- Finanzminister und gegen Eurobonds“

    Endlich mal klare Worte von der Regierungsseite. Auch die FDP hat sich auf diese Linie festgelegt. Endlich werden unsere deutschen Interessen klar und unmissverständlich artikuliert. Bleibt standhaft, nur so werdet Ihr vom deutschen Bürger wieder gewählt, von mir auf alle Fälle.

    SPD und Grüne hingegen wollen das Vermögen der deutschen Bürger Preis geben und für den EURO sozialisieren also vernichten! Für mich unwählbar diese „Betrüger“! Der kleine Mann (Sozialhilfeempfänger und Niedriglohnempfänger) würde unter Eurobonds die größten Nachteile erfahren, weil dann Deutschland zusätzliche Einsparungen und Steuererhöhungen tätigen müsste. Wer diese Parteien wählt schaufelt sein eigenes Grab.

  • Die Römer hatten für solche Äußerungen die Frage: cui bono? Wem nutzt was? Für Blessing doch klar: zuerst der Eurokratenminister, dann die Eurobonds, denn Banken werden daran am meisten verdienen - haften wird natürlich der Steuerzahler. Daß Blessing ein neues einträgliches Geschäftsfeld braucht ist am Aktienkurs abzulesen. Kurse auf diesem Niveau signalisieren "Pleite"
    ...und die Eurobonds sind genauso gefährlich wie seinerzeit die CDO´s und ABS´s - toxischer Finanzmüll, der schon einmal die Welt an den Abgrund brachte; und jetzt die Wiederholung mit Eurobonds? Die Lösung in diesem Streit wäre ganz einfach: jeder der den Müll fordert muß sich in eine öffentliche Liste eintragen lassen. Sollte das Experiment schiefgehen (und es wird schiefgehen, so wie bisher alles schiefgegangen ist)haftet diese Person mit seinem gesamten Privatvermögen. Wetten, daß die forderungen nach Eurobonds schlagartig verstummen?

  • Reicht es ihm nicht, wenn "seine" Aktionäre den grössten Teil ihres in Commerzbankaktien angelegten Vermögens verloren haben?


    Das ist dann genau die richtige Quelle für gute Ratschläge

  • Wenn ich da so die Kommentare lese finden ich doch sehr viele Sektenanhänger, Die D-Mark Sekte hat hier ein Stelldichein,so eine Art letzes Hurra.

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