Commerzbank-Chef
Blessing fordert EU-Finanzminister

Commerzbank-Chef Martin Blessing mischt sich in die Politik ein: Zur Lösung der Schuldenkrise im Euro-Raum fordert einen starken europäischen Finanzminister. Er soll sogar in die Budgethoheit der Euro-Staaten eingreifen können.
  • 99

Berlin/HannoverCommerzbank -Chef Martin Blessing plädiert zur Lösung der Schuldenkrise für einen europäischen Finanzminister. Nur mit starken Institutionen, die auch in die Budgethoheit der einzelnen Euro-Staaten eingreifen könnten, lasse sich die Haushaltspolitik aufeinander abstimmen und der Euro auf Dauer stabil halten, schrieb Blessing in einem am Samstag vorab veröffentlichten Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“. „Wir brauchen einen echten europäischen Finanzminister, der mit entsprechenden Machtbefugnissen ausgestattet ist“, forderte er.

Mit der Einführung einer Fiskalunion müsse die EU das Recht erhalten, die Budgethoheit in Ländern zu übernehmen, die sich nicht an die Regeln hielten, schrieb Blessing. Sie solle auch die Befugnis bekommen, eigene Steuern zu erheben und eine gemeinsame Schuldenagentur zur Begebung von Anleihen aufzubauen.

Die Ergebnisse des jüngsten Euro-Krisengipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy hält der Bankchef nach eigenen Worten für unzureichend. Die Unsicherheit der Investoren sei weiter hoch. Die Idee einer gemeinsamen Wirtschaftregierung weise zwar in die richtige Richtung. Doch reichten zwei Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder im Jahr unter Leitung von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy nicht aus, um Vertrauen in bessere politische Rahmenbedingungen herzustellen.

„Die bisherigen Instrumente haben nur Zeit gekauft, ohne die grundlegenden Probleme der Währungsunion anzugehen“, kritisierte Blessing. Deutschland übernehme Haftungsrisiken, ohne dass im Gegenzug die politischen Rahmenbedingungen Europas verbessert würden.

Der Manager sieht nach eigenem Bekunden zwei Möglichkeiten, dem Kreislauf aus höheren Schulden, größeren Rettungspaketen und hektischen Marktreaktionen zu entkommen: eine Rückkehr zu nationalen Währungen oder eine Fiskalunion. Die erste Variante berge die Gefahr eines wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs in Europa. Die zweite Variante erfordere enorme Anstrengungen - und berge ebenfalls Risiken. „Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass wir bei allem Bemühen keinen stabilen gesetzlichen und politischen Rahmen für unsere gemeinsame Währung finden, sollten wir auch nicht davor zurückschrecken, den Euro aufzugeben“, schrieb Blessing in dem Gastbeitrag.

Kommentare zu " Commerzbank-Chef: Blessing fordert EU-Finanzminister"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Re: Talanx-Chef hält Transferunion für unausweichlich
    Herr Haas:„Wenn es aber bei so niedrigen Zinsen bleibt, dann haben Versicherer ein ernstes Problem.“
    Käme da Transferunion / Finanzausgleich zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und in der Folge ein Anstieg des Zinsniveaus gelegen? Der deutsche Steuerzahler kann ja ruhig die Zeche zahlen, wenn sein Staat sich teurer finanzieren muß, wenn die Inflation galoppiert. Er kann sich dann vielleicht damit trösten, daß seine Lebensversicherung nominell wieder mehr abwirft.
    ---------------------------------------------------------------
    Noch ein Wort zu dem Beitrag eines sog. „Finanz-Jesus“ v. 20.8.11, 15.22 h, mit der offensichtlichen Anspielung auf den biblischen Jesus Christus.
    Der Name des Heilands der Welt, des Herrn aller Herren, eignet sich nicht dazu, für einen törichten Decknamen herzuhalten.
    Wenn der Verfasser des fraglichen Kommentars einmal dem Gottessohn begegnen wird, wird ihm die Despektierlichkeit vor der höchsten Majestät leid tun, und er wird ihr auf 1000 nicht eins antworten können. Brief und Siegel darauf!

  • Sehe ich Blessings Kommentare in der Nacht dann bin ich um den Schlaf gebracht...

    Der Blessing soll sich mal seine Bank mit seinen Bilanzen und seinem Aktienkurs der letzten Jahre anschauen...

    Dann ist alles gesagt !!!

    Es gibt Leute denen wünscht man, dass Sie erstmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren bevor Sie irgendwelche schlauen Kommentare ablassen !!!

  • Unerklärlich warum gerade so viele HB-Leser zu solchen Ansichten gekommen sein können.
    Hier hat irgendwie eine methodische, gezielte Gehirnwäsche stattgefunden. Der Prozentsatz der Euro- Europa- EU-Gegner scheint besonders groß zu sein, es sieht hier aus wie ein Stelldichein von Nationalisten, Chauvinisten, rückständige und Nostalgiker des Großen Deutschen Reiches.
    Dann Prost-Mahlzeit! Auf ein Neues.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%