Commerzbank-Szenario
Wie Griechenland die Euro-Zone umkrempelt

Schon bevor der Schuldenstreit zwischen Athen und den EU-Partnern geklärt war, war klar: Die Entscheidung wird die Währungsunion verändern. Das zeigen Commerzbank-Experten in einer Analyse.
  • 31

BerlinDie Griechenland-Krise birgt viel Konfliktstoff. Zwar hat sich Athen dem Ultimatum der Euro-Gruppe gebeugt und einen Antrag auf Verlängerung des bis Ende Februar laufenden Hilfsprogramms gestellt. Doch dieser erfüllt nach Einschätzung einiger Euro-Länder, darunter Deutschland, nicht die von der Euro-Gruppe auf ihrer Sitzung am Montag festgelegten Bedingungen.

Zu Recht, meinen Analysten der Commerzbank. Sie sprechen von „altem Wein in neuen Schläuchen“, den die Euro-Finanzminister nicht hätten trinken wollen. Denn es fehle weiterhin ein klares Bekenntnis zu den im Hilfsprogramm vereinbarten Reformen. Zwar bekenne sich die griechische Regierung zu tiefgreifenden Reformen, die darauf abzielen, die Wachstums- und Beschäftigungsaussichten zu verbessern und die Schuldentragfähigkeit wieder herzustellen.

Doch damit seien nicht die im Hilfsprogramm vereinbarten Reformen gemeint. So sei zeitgleich aus Athen zu vernehmen gewesen, „dass mit dem Antrag keine Anerkennung der aus griechischer Sicht „toxischen“ Konsolidierungsmaßnahmen verbunden sei“.

Griechenland wird daher aus Sicht der Commerzbank-Experten weiter nachgeben müssen. Die entscheidende Frage werde dabei sein, ob dies so gelinge, dass der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras die Einigung seinen Wählern als Erfolg verkaufen könne. „Leicht wird das selbst im kompromisserprobten Brüssel nicht.“

Allerdings geben die Analysten um Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer, auch zu bedenken, dass die Euro-Länder inzwischen bereit seien, Griechenland nicht mehr um jeden Preis in der Währungsunion zu halten. „Kommt es am Wochenende nicht zu einer Einigung, würde ein Grexit wahrscheinlicher werden.“

Und selbst wenn sich die Konfliktparteien am Wochenende einigen sollten, wären noch nicht alle Probleme gelöst. Denn jedem Kompromiss müssen alle Euro-Länder zustimmen. In einigen Ländern wie Deutschland, Italien, Portugal, Finnland, Estland und Slowenien müssen zudem die nationalen Parlamente ihren Segen geben. Und auch das griechische Parlament muss die Vereinbarung mittragen.

Sind all diese Hürden genommen, fließt aber noch kein frisches Geld nach Athen. Die Auszahlung der letzten Hilfstranche des EFSF-Kredites (1,9 Milliarden Euro), der nächsten Tranchen des Internationalen Währungsfonds  (3,2 Milliarden Euro) und der EZB-Gewinne mit griechischen Anleihen (1,9 Milliarden Euro) wird erst erfolgen, wenn die laufende Überprüfung durch die Troika erfolgreich abgeschlossen ist. Und dazu wird Griechenland weitere Spar- und Reformmaßnahmen verabschieden müssen.

Ist das alles irgendwie geschafft und bewältigt, wird die Euro-Zone aber nicht mehr so sein wie vorher, sind die Commerzbank-Experten sicher. Die Griechenland-Krise wird ihre Spuren hinterlassen. Ob positiv oder negativ wird die Zukunft zeigen. Die Bank-Analysten halten zwei Szenarien für möglich.

Kommentare zu " Commerzbank-Szenario: Wie Griechenland die Euro-Zone umkrempelt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Griechenland hat bereits die Eurozone umgekrempelt. Die Null-Zins-Politik der EZB hat der Bundesrepublik beispielsweise für ihre Neuschulden einen Schuldenschnitt von über 40 % (gegenüber 7 % Kupon von früher) gebracht. Reden wir also nicht mehr über den Schuldenschnitt Griechenlands, sondern über den für die Bundesrepublik. Dabei sollte man beachten, dass die Bundesrepublik einen weit aus größeren Refinanzierungsbedarf als Griechenland hat. Das was Griechenland will könnte Schäuble aus der Portokasse mit den zuvor aufgezeigten Mrd. € bezahlen. Schäuble und Merkel sind, und da stimme ich mit den Griechen überein, überhaupt nicht bereit eine echte EU zu etablieren. Ihre Politik ist nur noch als höchst unseriös zu bezeichnen. So werden keine Staaten gebildet. Die Korruptionsbekämpfung oben auf die Agenda der Griechen zu schreiben, ist mehr als geschickt.

  • unsere lieben griechen haben sich bisher (seit der wahl) nur darauf konzentriert, wie sie ein "mords" durcheinander in den euro-ländern anrichten können.

  • Auch ich kann keine solide politischen Akteure erkennen. Was man in den Medien zu sehen bekommt sind Politikdarsteller und Lügner.

    und endlich die Reformen energischer anpacken - auch wenn's weh tut. Die Deutschen sind da überhaupt nicht außen vor.
    Welche Reformen meinen Sie? PKW Maut, Neue Steuern für den Soli, höhere Besteuerung von Arbeit???

    Schönen Abend noch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%