Confindustria
Industrieverband in Italien sagt Mafia den Kampf an

Confindustria schließt Mitglieder aus, die Mafia-Drohungen nicht melden, und hat schon erste Erfolge gegen die Kriminalität vorzuweisen. Nun sollen das Modell auch auf weitere Regionen Italiens ausgeweitet werden.
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MAILAND. Wer seine Erpresser nicht anzeigt, muss demnächst mit dem Ausschluss aus dem mächtigen italienischen Industrieverband Confindustria rechnen. Unter der Führung der Vorsitzenden Emma Marcegaglia hat der Verband eine harte Gangart gegen Mitglieder verabschiedet, um die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Marcegaglia wendet damit auf den gesamten Süden ein Modell an, das in der Mafia-Hochburg Sizilien bereits erste Erfolge gezeigt hat. Auch einzelne Regionen im Norden, wie die Lombardei, haben sich dem angeschlossen.

Nach den neuen Regeln werden Unternehmen aus dem Verband ausgeschlossen, deren Manager wegen mafiöser Delikte verurteilt worden oder wenn Teile des Besitzes im Zusammenhang mit mafiösen Aktivitäten beschlagnahmt worden sind. Außerdem riskieren auch Unternehmer, die Drohungen von Seiten der organisierten Kriminalität nicht bei der Polizei melden, den Ausschluss. Dabei geht es um Schutzgeldforderungen oder andere Straftaten, die die unternehmerischen Tätigkeiten einschränken. Besonders im Süden Italiens sind Unternehmer häufig die Opfer von Schutzgelderpressungen der verschiedenen Mafia-Organisationen. Dem Gesetz des Schweigens folgend, und um das Unternehmen sowie die Familie nicht zu gefährden, verzichten sie in vielen Fällen darauf, zur Polizei zu gehen.

Das Problem ist mittlerweile nicht mehr nur auf Sizilien, Kalabrien und Kampanien beschränkt. Auch im reichen Norden des Landes haben die verschiedenen Mafia-Vereinigungen in den vergangenen Jahren ihren Einfluss ausgebaut. Deshalb sollen die Regeln, die der Verband zunächst in Sizilien eingeführt hat, nun fast landesweit gelten.

In Sizilien hat der regionale Verband bereits verschiedene Mitglieder ausgeschlossen. Der dortige Vorsitzende, der Unternehmer Ivan Lo Bello, der die neuen Regeln vor drei Jahren eingeführt hat, zieht eine positive Bilanz: „Die Anzeigen bei der Polizei haben in allen Bereichen zugenommen“, sagt Lo Bello der Zeitung „Corriere della Sera“. „Es findet ein Wandel in der sozialen Wahrnehmung statt: Es ist nicht mehr nur ein Problem des Staats“, sagt er. Nun seien auch die Unternehmer selbst gefragt, ihren eigenen Beitrag zur Legalität zu leisten.

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