Connie Hedegaard
Die für das Klima kämpft

Auf Connie Hedegaard kommen stürmische Zeiten zu: Die dänische Umweltministerin ist Gastgeberin der Klimakonferenz, auf der sie ab heute Anspruch und Wirklichkeit versöhnen muss. Die Chancen, dass ihr dieses Kunststück gelingt, stehen gut. Denn die Vollblutpolitikerin ist ein politisches Kommunikationstalent.
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STOCKHOLM. Auf dem heute in Kopenhagen beginnenden internationalen Klimagipfel muss Dänemarks Vorzeigepolitikerin Connie Hedegaard als Gastgeberin versuchen, die anwesenden Staats- und Regierungschefs auf ein Dokument festzulegen, das zwar mit dem ursprünglich angestrebten rechtsverbindlichen Vertrag nicht mehr viel zu tun haben wird, aber doch noch als Hoffnungsschimmer für eine sauberere Welt verkauft werden kann. Aber wer die resolute Historikerin erlebt hat, wird keine Sekunde daran zweifeln, dass es ihr gelingt.

Die 49-jährige Vollblutpolitikerin ist ein Kommunikationstalent und sammelte schon früh Erfahrungen in der Politik, erst bei der Jugendorganisation der dänischen Konservativen und dann, mit gerade 25 Jahren, als jüngste Abgeordnete im Parlament. Doch bloße Berufspolitikerin will sie nicht sein. "Politik ist gut und notwendig", hat sie einmal gesagt, "aber es gibt auch andere wichtige Dinge." Zum Beispiel den Journalismus.

Und so entschließt sie sich mit 30, wenn andere Politiker gerade zur politischen Karriere durchstarten, die Parteiämter an den Nagel zu hängen und der aktiven Politik Adieu zu sagen. Sie geht zu "Berlingske Tidende", einer der großen dänischen Tageszeitungen. Wenig später wechselt sie zu Danmarks Radio, dem öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Konzern. Hier leitet sie eine der bekanntesten Reportagesendungen, arbeitet in der Nachrichtenredaktion und macht sich als TV-Moderatorin durch ihre engagierte und selbstbewusste Art schnell einen Namen. Als der ehemalige dänische Premier und heutige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sie 2004 vom Fernsehstudio in sein Kabinett holt und sie zu seiner Umweltministerin machte, muss sie bitter erfahren, dass Popularität und Politik nicht unbedingt zusammenpassen: Der Neid der Parteikollegen macht ihr den Neubeginn unerwartet schwer.

Doch ihr Selbstbewusstsein hilft ihr, sich nicht unterkriegen zu lassen. Zuletzt musste das der jetzige, recht farblose dänische Regierungschef Lars Løkke Rasmussen erfahren: Er wollte sie im Frühjahr nicht zu Klimagesprächen mit US-Präsident Barack Obama nach Washington mitnehmen, vermutlich, weil er fürchtete, er könne im Schatten der populären und weltgewandten Hedegaard stehen. Doch er hatte die Rechnung ohne seine resolute Ministerin gemacht. Die drohte mit Rücktritt, wohl wissend, dass dies nur wenige Monate vor dem Klimagipfel in Kopenhagen ein verheerendes Signal gewesen wäre. Also nahm Rasmussen die Frau mit, die meist sagt, was sie denkt. Zum Beispiel, dass ihr die Zusagen der USA, Chinas oder Indiens nicht weit genug gehen.

Den US-Präsidenten konnte sie damals zwar nicht um den Finger wickeln und ihm deutlichere Klimaschutzzusagen entlocken, doch Druck hat sie gemacht, berichten Teilnehmer der Gespräche. Und dass Obama nun doch zum Finale von Kopenhagen kommt, ist wohl auch ein Erfolg von Hedegaard.

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