Contra
Der Blick durch die französische Brille

Christine Lagarde auf den Chefsessel des IWF zu setzen, könnte Nachteile haben. Die französische Finanzministerin ist zwar eine Europäerin, doch sie hat einen zu starken französischen Fokus.

Christine Lagarde ist eine kluge und durchsetzungsstarke Frau, die auf jeder internationalen Bühne bestehen kann. Die elegante Französin machte als Anwältin in den USA Karriere, arbeitete in Paris als Richterin und sammelte wertvolle Erfahrung in vielen politischen Spitzenämtern. Für Frankreich ist es deshalb ohne Zweifel ein Gewinn, wenn die Finanzministerin der Republik demnächst auf dem Chefsessel des Internationalen Währungsfonds Platz nimmt. Aber kann Deutschland sich ebenso über diese Kandidatin freuen?

Behauptet wird das jedenfalls. Die Bundesregierung versichert nachdrücklich, dass mit Lagarde eine engagierte Europäerin den IWF führen würde. Das allein, so die Beteuerung in Berlin, sei wegen der Bedeutung der Euro-Schuldenkrise schon ein Vorteil an sich.

Das alles mag in Abgrenzung zu einem alternativen Vertreter der Schwellenländer durchaus der Fall sein. Würde ein Asiate oder Lateinamerikaner den IWF lenken, stünden die üppigen Hilfen für Europa wohl nicht ganz so weit oben auf der Agenda des IWF wie heute. Die Kernfrage lautet aber: Wird Lagarde als Europäerin die Lösung der Euro-Krise so vorantreiben wird, wie man sich das auch in Berlin wünscht?

Genau hier liegt das Problem: Von Anfang an vertrat Frankreich nämlich die Auffassung, dass man das Schuldenproblem in Griechenland durch einfache und quasi bedingungslose Zuschüsse lösen oder zumindest lindern könne. Nicolas Sarkozy ignorierte ebenso wie seine charmante Finanzministerin das im Europäischen Vertrag verankerte Verbot, wonach einzelne EU-Staaten die Verbindlichkeiten für andere nicht übernehmen dürfen. Wäre es nach Frankreich gegangen, hätte man im Laufe der Schuldenkrise wohl auch die Europäische Zentralbank in die Mangel genommen und eine Konsolidierung über die Notenpresse versucht.

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