Corbyn bleibt Labour-Chef
Das britische Stehaufmännchen

Mit einer Zweidrittelmehrheit wurde Jeremy Corbyn als Parteivorsitzender bestätigt. Der britische Labour-Chef gewinnt eine Wahl nach der anderen – dabei wollen ihm selbst seine Parteigenossen an den Kragen.

LondonEin eher gequältes Lächeln huscht über Jeremy Corbyns Gesicht, als die Ergebnisse der Wahl zum neuen Parteivorsitzenden der britischen Labour-Partei verkündet werden. Dabei hat der 67-Jährige gewonnen: Er ist und bleibt Chef der britischen Oppositionspartei Labour. 61,8 Prozent der rund 640.500 Wahlberechtigten stimmten für „JC“, sein Konkurrent Owen Smith kam nur auf 38,2 Prozent der Stimmen. Der Sieg war erwartet worden – trotz des heftigen Gegenwinds, der Corbyn seit Monaten entgegenweht. Doch vermutlich ahnt der Labour-Chef, dass ihm keine leichten Zeiten bevorstehen.

Viele Parteimitgliedern stehen hinter dem Altlinken, der als Mann der Prinzipien gilt: Kriegsgegner, Atomwaffengegner, Befürworter von Verstaatlichungen, Kämpfer für die Armen. Ein Mann, der sich lange weigerte, einen Anzug zu tragen, der nicht einmal ein Auto besitzt. „Ein echter Mensch“, schwärmt ein Labour-Wähler. Seit Corbyn vor einem Jahr überraschend bei einer Urabstimmung mit breiter Mehrheit – und etwas weniger Stimmen als an diesem Samstag in Liverpool – an die Parteispitze rückte, stieg die Zahl der Mitglieder von Labour deutlich. In Großbritannien war daher erwartet worden, dass auch Corbyn die zweite Wahl gewinnen würde.

Dennoch steht er wie kaum ein anderer Politiker auf der Insel in der Kritik. Selbst seine Ex-Frau, die ihn bei seiner letzten Wahl noch unterstützte, hat nun für den zweiten Kandidaten Smith gestimmt, weil er zu sehr an alten Idealen hänge. Und auch seine eigenen Abgeordneten stehen nicht so geschlossen hinter ihm, wie man vermuten könnte. Im Juni hatten sich 172 von 212 Labour-Abgeordneten in einem Misstrauensvotum gegen Corbyn ausgesprochen und seinen Rücktritt gefordert. Nachdem er sich weigerte, wurden Neuwahlen angestrengt, Abgeordnete versagten ihm die Gefolgschaft. „Die Labour-Partei befindet sich in einem chaotischen Zustand, in einer Art permanentem Bürgerkrieg“, sagt Politik-Professor Tony Travers von der London School of Economics.

„Wir haben mehr gemeinsam als uns trennt“, versucht Corbyn die Parteimitglieder in Liverpool zu überzeugen. In den vergangenen Wochen hatte er bereits versichert, seinen Gegnern einen „Olivenzweig“ zur Versöhnung hinzustrecken – er habe zu diesem Zweck bereits einen Olivenbaum, scherzte er.

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„Der Name allein zieht Wähler an“

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