Countdown zum „Fiscal Cliff“
Fünf Tage bis zu Amerikas Absturz

Die US-Politiker werden Gefangene der eigenen Gesetze: Im neuen Jahr droht die Zahlungsunfähigkeit, zugleich belasten automatische Etatkürzungen und Steuererhöhungen die Konjunktur. Für ein Wunder bleiben wenige Tage.
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WashingtonNicht einmal ihren Kaffee am Morgen dürfen die zerstrittenen Politiker in Washington jetzt noch genießen, ohne an ihre Pflichten erinnert zu werden. „Come together“, schreiben die Mitarbeiter der Starbucks-Filialen in der US-Hauptstadt in diesen Tagen auf die Pappbecher, „Kommt zusammen“. Eine Aktion, mit der Firmenchef Howard Schultz den Druck auf die Abgeordneten noch einmal erhöhen will: Einigt euch endlich, sonst bekommen wir alle sehr bald ein sehr großes Problem.
Dass die Lage ernst ist, wissen die Politiker. An diesem Donnerstag kehren die meisten von ihnen vorzeitig aus ihrem Weihnachtsurlaub zurück, allen voran Präsident Barack Obama. Sie wollen einen letzten Versuch starten, die festgefahrenen Verhandlungen über den Haushalt doch noch in Gang zu bekommen.

Fünf Tage haben sie noch, bis die USA über das so genannte „Fiscal Cliff“ stürzen, zu Deutsch „Fiskalklippe“ oder „Haushaltsklippe“: Zum Jahreswechsel laufen automatisch Steuervergünstigungen für alle Amerikaner aus, gleichzeitig drohen empfindliche Kürzungen quer durch das Budget.

Mehr als 600 Milliarden Dollar, schätzen Experten, würden so der Volkswirtschaft entzogen, sollte sich die Politik nicht auf intelligente Lösungen einigen. Viele rechnen in diesem Fall mit einer Rezession – mit schweren Folgen für die Weltwirtschaft.

Und wäre das nicht schon genug an drohendem Unheil, hatte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwochabend weitere schlechte Nachrichten: Zum 31. Dezember, früher als gedacht, werden die USA die Schuldenobergrenze von 16,4 Billionen Dollar erreichen, schrieb Geithner an den Kongress. Eigentlich hätte die drohende Fiskalklippe dafür sorgen sollen, dass Amerikas Politik endlich mit der ausufernden Schuldenpolitik Ernst macht und so verhindert, dass die Schuldenobergrenze immer weiter hinauf gesetzt werden muss - doch bislang ist nichts geschehen.

Er werde die drohende Zahlungsunfähigkeit zwar durch ein paar Umschichtungen im Budget hinauszögern, schrieb der Finanzminister. Er kündigte an, durch eine veränderte Rechnungslegung rund 200 Milliarden Dollar einsparen zu können. Geithner will unter anderem Zahlungen in einen Pensionsfonds für Staatsbedienstete aussetzen sowie die Ausgabe bestimmter Wertpapiere.

Doch machte er gleichzeitig klar, dass trotz dieser „außergewöhnlichen Maßnahmen“ die Zeit abläuft: Ohne eine Einigung könnten die USA spätestens in zwei Monaten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Ratingagenturen haben bereits mit einer Herabstufung der Bonität gedroht, die Verwerfungen auf den Finanzmärkten wären gar nicht abzusehen.

Kommentare zu " Countdown zum „Fiscal Cliff“: Fünf Tage bis zu Amerikas Absturz"

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  • Keine Sorge Leute, die Amis werden weitermachen bis zum letten Atemzug.
    Sie werden ihren Schuldensumpf weitermachen, ihn verteidigen mit allen Mitteln, notfalls auch mit Krieg. Vor kurzem noch 14Billionen, jetzt schon 16 Billionen, dann werden es halt 18 u.s.w.
    Die Herrschende Klasse gibt niemals auf, egal wieviel aus dem niederen Volk auch in Zelten hausen und Lebensmittelmarken bekommen.
    Was interessiert die Börse, die Milliardäre die Suppenküche.
    Die Fallhöhe wird immer höher, irgendwas wird irgendwann logischerweise passieren.
    Die nächste Schuldenerhöhung geht durch, es sei denn, die Republikaner wittern dabei ihre Chance, Obama ins Messer laufen zu lassen und zu stürzen.
    Daran glaube ich aber erst, wenn es soweit ist. Erst mal spielt man wieder mit der Angst der Bürger, zeichnet ein Szenario, während die Entscheidung doch längst gefallen ist.
    Schaun ma mal, was das Frühjahr bringt, Ihre geballte Militärmacht steht ja überall bereit, alle in Position. Einen wird es dann erwischen.

  • Mir kommt es so vor, als ob die sog. fiskale Klippe eine reine Erfindung ist, aus welchem Grunde auch immer.
    Seit Monaten hören wir nichts anderes, aber die Börsen steigen und steigen.
    Der Dow ist bereits wieder im Plus. So dramatisch kann doch dann das alles wohl eher nicht sein.
    Wer hat ein Interesse dran, permanent Panik zu verbreiten?
    Haben Emittenten Angst, die Anleger könnte alle Long gehen und gute Gewinne auf ihre Kosten machen? Oder weswegen hält sich diese Dramanachricht so hartnäckig, obwohl die Börsen jeden Tag, inklusive heute, eine völlig andere Sprache sprechen, nämlich die, dass sie HOCH wollen - Dow im Moment, 0,2 % im Plus, Dax schon wieder 0,5 % im Plus. Also nach Absturz sieht das doch nun wirklich nicht aus!

  • Sie haben bei all Ihren Überlegungen vergessen, dass es nicht nur 3 Möglichkeiten gibt, sondern auch noch die vierte, indem man selbst einen Schnitt macht u. dann in den Kriegsmodus umschaltet, wie es eben schon immer war, am Ende eines Aufschuldungszykluses.

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