D-Day in Frankreich
Dornröschenschloss in der Normandie

Vom Speisesaal des Schloss Bénouville kann man heute noch sehen, wo die Briten 1944 den ersten Einsatz bei der Landung in der Normandie hatten. Nun tagen die Staatschefs – zur Krisendiplomatie.
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Zwischen dem Strand von Ouistreham und Caen liegt das Schloss von Bénouville. Am 6.Juni wird hier das Staatsbankett für 17 Staats- und Regierungschefs stattfinden. Ein Tisch für 30 Personen muss extra wieder herbeigeschafft werden. Vom Speisesaal aus können die Chefs auf die Hebebrücke schauen, die als „Pegasus Bridge“ in die Geschichte eingegangen ist. Der Kampf britischer, mit Lastenseglern gelandeter Einheiten um die Brücke war der erste Einsatz in der Nacht zum 6. Juni 1944.
Doch im Schloss selber erinnert nichts an die Geschichte. Dabei zählt seine Vergangenheit zu den besonders bewegenden Momenten des Zweiten Weltkriegs. Seit den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte das Département Calvados im Schloss eine Geburtsklinik für ledige Frauen untergebracht.

Die Leiterin Léa Vion schloss sich der Résistance an. Sie versteckte Widerstandskämpfer und britische Soldaten, die mit Fallschirmen im besetzten Frankreich gelandet waren und wieder außer Landes geschmuggelt werden mussten. Außerdem lieferte die Chefin des Krankenhauses den Alliierten wichtige Informationen über den „Atlantik-Wall“.

Heute erinnert nichts im Schloss mehr daran. Ein paar Jahre dienten seine oberen Etagen als Sitz des Rechnungshofes des Départements. Inzwischen hat sich dort das „Europäische Institut für Gärten und Landschaftspflege“ niedergelassen. Die vollständig erhaltenen, repräsentativen Räume im Erdgeschoss dagegen werden nicht genutzt. Das Département hat nicht einmal mehr Geld, um Führungen für Besucher zu veranstalten. Seit Staatspräsident Georges Pompidou hier 1979 Margaret Thatcher bewirtet hat, sind die Räumlichkeiten in einen Dornröschenschlaf gefallen.

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