Dachverband leidet unter Mitgliederschwund
US-Gewerkschaften gehen getrennte Wege

Die Transportarbeitergewerkschaft Teamsters und die Service Employees International Union (SEIU) haben sich vom Dachverband der US-Gewerkschaften AFL-CIO abgespalten. Hintergrund ist die massive Unzufriedenheit über den seit Jahrzehnten andauernden Mitgliederschwund.

WASHINGTON. „Unsere Welt hat sich verändert, unsere Wirtschaft hat sich verändert, die Arbeitgeber haben sich verändert“, sagte Andrew Stern, Chef der 1,8 Millionen Mitglieder zählenden SEIU; sie vertritt Beschäftigte im Dienstleistungsgewerbe und stellt die größte Einzelgewerkschaft im Verbund. James Hoffa, Präsident der Gewerkschaft der Lastwagenfahrer, mahnte: „Wir brauchen dringend mehr Gewerkschaftsmitglieder, um das politische Klima umzudrehen, das die Rechte der Arbeitnehmer in diesem Land untergräbt: Der AFL-CIO schlägt die entgegengesetzte Richtung ein.“

Zwei weitere Einzelgewerkschaften haben den gestern in Chicago gestarteten Jahreskongress des Dachverbandes boykottiert. Hinter dem Schritt stecke die Vorbereitung für einen Austritt aus dem AFL-CIO, hieß es. Die Abweichler repräsentieren fast ein Drittel der rund 13 Millionen im Dachverband organisierten Arbeitnehmer. Ein Austritt aller vier Einzelgewerkschaften wäre die größte Krise der amerikanischen Arbeiterbewegung seit den 30er-Jahren. Zudem gingen dem Dachverband rund 35 Mill. Dollar aus seinem Jahresbudget von über 120 Mill. Dollar verloren.

Die Befürworter des Boykotts verlangen den Rücktritt von AFL-CIO-Chef John Sweeney. Dem 71-Jährigen, der seit 1995 im Amt ist, sei es nicht gelungen, den Abwärtstrend in der Mitgliederentwicklung zu stoppen. Als der AFL-CIO vor 54 Jahren gegründet wurde, war jeder dritte in der Privatwirtschaft beschäftigte Arbeitnehmer in der Gewerkschaft. Heute ist der Anteil auf acht Prozent geschrumpft. Sweeney ließ die Kritik nicht auf sich sitzen: Die Abspaltung sei eine schwere Kränkung der Arbeitnehmer. „In einer Zeit, in der unsere konservativen Gegner die größte gewerkschaftsfeindliche Polit-Maschinerie in der Geschichte unseres Landes geschaffen haben, schadet eine gespaltene Bewegung den Hoffnungen der Arbeitnehmer auf ein besseres Leben“, sagte Sweeney.

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