Dalai Lama warnt vor weiterer Gewalt
Sorge um tibetische Mönche wächst

Tibet-Aktivisten befürchten nach der mutigen Protestaktion von Mönchen beim Besuch ausländischer Journalisten in Lhasa Vergeltungsmaßnahmen Chinas. Es gebe „ernsthafte Befürchtungen bezüglich des Wohlergehens und Verbleibs“ der 30 Mönche, erklärte die Internationale Kampagne für Tibet. Auch der Dalai Lama warnte vor weiterer Gewalt.

HB LHASA. Der Dalai Lama warnte vor einer Vertiefung der ethnischen Spannungen und weiterer Gewalt. Peking organisierte unterdessen eine Reise ausländischer Diplomaten nach Lhasa. Die Diplomaten sollten Lhasa am Freitag und Samstag besuchen. Der von chinesischen Reiseführern begleitete und peinlich genau vorbereitete Aufenthalt von Auslandskorrespondenten war am Donnerstag von einer Aktion buddhistischer Mönche durchkreuzt worden. Der friedliche Protest der Mönche habe den Plan der Behörden gestört, „die Lage in Lhasa nach den kürzlichen Demonstrationen und Unruhen als unter Kontrolle darzustellen“, erklärte die Internationale Kampagne für Tibet.

Der Dalai Lama warf den chinesischen Behörden vor, ein einseitiges und falsches Bild von den Unruhen in Tibet veröffentlicht zu haben. Dadurch könnten sich die Spannungen in der Region verschärfen und zu weiterer Gewalt sowie „unvorhersehbaren langfristigen Konsequenzen“ führen, warnte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die Pekinger Führung rief er zu umsichtigen Handeln auf und betonte erneut, er strebe keine Unabhängigkeit Tibets an und wolle „keinen Keil zwischen Tibeter und Chinesen treiben“.

China rückte unterdessen kein Jota von seiner Darstellung ab, die Unruhen am 14. März mit Plünderungen in Lhasa seien ein verbrecherischer Akt gewesen, der von Separatisten und Anhängern des Dalai Lamas geplant und durchgeführt worden sei. Eine Diskussion über die Ursachen der Spannungen mit der tibetischen Bevölkerung lehnt die Regierung weiterhin ab. Nach amtlicher Darstellung wurden bei den Unruhen 22 Menschen, nach Informationen der tibetischen Exilregierung in Indien fast 140 getötet.

Ein Funktionär der Tibetischen Kommunistischen Partei, Fu Jun, sagte am Freitag, die Mönche hätten vor den Auslandskorrespondenten Gerüchte gestreut. Sie würden jedoch nicht bestraft, erklärte der von China eingesetzte Vizegouverneur, Baima Chilin. „Wir werden ihnen niemals etwas tun. Wir werden keinen festnehmen, den Sie auf den Straßen von Lhasa getroffen haben. Ich denke nicht, dass das irgendeine Regierung machen würde.“ Zwtl: Keine Berliner Minister bei Eröffnungsfeier Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking wird ohne die Bundesregierung stattfinden. „Aus dem Kabinett wird niemand an der Eröffnungsfeier teilnehmen“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will sich allerdings später Wettkämpfe in Peking anschauen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte vor Beratungen der EU-Außenminister in Slowenien, trotz der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste in Tibet sei er „gegenwärtig gegen eine Boykott-Debatte“.

Rund 18 Exil-Tibeter kletterten am Freitag in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu über die Mauern einer UN-Einrichtung. Weitere 60 Demonstranten wurden vor dem Areal festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Nepal hat Demonstrationen gegen das chinesische Vorgehen in Tibet mit der Begründung verboten, es könne keine Proteste gegen befreundete Nationen zulassen.

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