Dalai Lama wird 80
„Wollen die Leute nur mehr Zeug oder dauerhaftes Glück?“

Heute feiert der Dalai Lama seinen 80. Geburtstag. Kaum ein geistiger Führer hat sich so um Wirtschaftsfragen gekümmert. Sein Bild eines Managers widerspricht der gängigen Praxis – und ist dennoch erfolgversprechend.
  • 2

DüsseldorfEinmal war der Dalai Lama selbst als Unternehmer aktiv: Nach seiner Flucht aus dem von China besetzten und unterdrückten Tibet musste die Gemeinde der Flüchtlinge den über die Grenze geschmuggelten „Schatz“ der alten tibetischen Führung verkaufen, um Geld für das Nötigste zusammenzubekommen. Doch statt ihn der indischen Regierung anzubieten, entschieden sich die Exil-Tibeter, ihn auf dem freien Markt loszuschlagen. Ein Großteil des Investments ging so innerhalb kurzer Zeit verloren.

In seiner Autobiografie „Das Buch der Freiheit“ urteilt der Dalai Lama über diese „traurige Episode“ mit einer Einstellung, die unter Managern nicht sehr verbreitet ist: Er beklagt sich nicht über Umstände oder Pech, sondern sagt: „Wir hatten keinen alleinigen Anspruch, kein karmisches Recht darauf.“ Schließlich gehörte der Schatz allen Tibetern und nicht nur denen, die fliehen konnten – unabhängig von der Tatsache, dass er sonst in chinesische Hände gefallen wäre.

Knapp 57 Jahre nach seiner Flucht aus Tibet kümmert sich der Dalai Lama längst nicht mehr um Finanzen. Er entscheidet nur noch, was mit seinem verdienten Geld passiert, wie dem Gewinn, den er 1989 für den Friedensnobelpreis erhielt.

Doch mit dem Thema Wirtschaft beschäftigt sich der Dalai Lama sehr intensiv – mehr als jeder andere Religionsführer der Neuzeit. Das aber mit einem sehr pragmatischen Ansatz und mit zahlreichen Gesprächspartnern der ersten Güte, weil sich nur so etwas verändern kann: „Es ist unrealistisch zu meinen, die Zukunft der Menschheit ließe sich mit Gebeten und guten Wünschen gestalten.“

Für den Dalai Lama ist die Kunst des guten Managements Teil des Wegs zum Glück. Die Wirtschaft, so sagt er, sei die größte und gestaltende Kraft in dieser Welt geworden. Das meint er nicht negativ, jedoch bemisst er den moralischen Wert unseres Tuns nach den Motiven: Reichtum zu generieren, sei nicht unmoralisch. Die Frage ist nur, wem er dient: dem Gemeinwohl oder nur einem selbst. Am ehesten nennt er Schweden als Vorbild für eine „mitfühlende Wirtschaft“.

Dabei hat Tensin Gyatso, wie der Dalai Lama mit bürgerlichem Namen heißt, erst im Laufe seines Lebens den Kapitalismus als besten Weg zum Wohlstand für sich entdeckt. Schließlich ist er mit dem Marxismus chinesischer Prägung als junger Mann sehr viel intensiver in Berührung gekommen – nicht zuletzt durch die Treffen mit Mao tse tung.

Das Ideal des Marxismus hat den Dalai Lama zunächst stärker angezogen, doch er hat sich nicht von der schönen Theorie blenden lassen, sondern recherchiert und erkannt, dass im Kapitalismus mehr Wohlstand erreicht werden kann. Enorm ungleiche Verteilung macht ihm allerdings Sorgen.

Kommentare zu " Dalai Lama wird 80: „Wollen die Leute nur mehr Zeug oder dauerhaftes Glück?“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das sich kaprizieren af das "Zeug", bemerkenswerter Weise ein Terminus aus der Heidergger´schen Philosophie, ist tatsächlich ein Grundirrtum des modernen Menschen.

    Der Mahajana Buddhismus, dessen ethischer Grudimpuls das "Mitgefühl" ist, etwas anders als das "Mitleiden", das Nietzsche nicht zu Unrecht kritisiert, indem das Mitgefühl außer Gefühligkeit klar die Ursachen erkennt für entstandenes Leiden, ist geeignet eine Ethik abzulösen, die nur emotional reagiert aber gesunden Menschenverstand hintenansetzt.

    Die Gier nach dem "Zeug" , die den Besitzt des "Zeuges" als Glück betrachtet, verkennt dessen Vergänglichkeit in der Zeit und gleicht dem Hamster im Hamsterrad, wenn er glaubt "vorwärts" zu kommen, obwohl er auf der Stelle tritt.

  • In der Nachfolge Buddhas pflegt der Dalai Lama individualistische Sichtweisen von Glück und Wahrheit. Damit liegt er besser als alle Religionen der Welt.

    Allein Transparenz, Fairness und Rechenschaft lassen Märkte und Wohlstand sich entwickeln.

    Die Angst vor Machtverlust treibt Politiker dazu, diese Klarheit tunlichst zu vernebeln - vor allem, um ihre eigene Bedeutung hervorzuheben.
    Damit beginnt der Fluch von Irrtum, Krise, Täuschung und Fehlentwicklung - verborgen durch falsche Schuldzuweisung und Verheimlichen der wahren Zusammenhänge.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%