„Danke, Mr. President“ Die bizarre Trump-Show am Kabinettstisch

Zur der Abstimmung über die Steuerreform trommelt Donald Trump das Kabinett zusammen. Dort lässt sich der US-Präsident für seinen Erfolg feiern. Prompt verfällt sein Vize Mike Pence in eine überschwängliche Lobhudelei.
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Jetzt spricht der Chef: Donald Trump feiert die Verabschiedung seiner Steuerreform, Mike Pence (r.) hört ihm zu. Quelle: AFP
Der Präsident und sein Vize

Jetzt spricht der Chef: Donald Trump feiert die Verabschiedung seiner Steuerreform, Mike Pence (r.) hört ihm zu.

(Foto: AFP)

Donald Trump hat sein Kabinett um sich geschart. Es ist die letzte Sitzung des Jahres. Der US-Präsident erteilt seinem Vize das Wort, lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und genießt. Denn Mike Pence enttäuscht ihn nicht und liefert das, was seinem Boss gefällt: Eine Jubelarie auf ein Jahr Donald Trump.

„Das ist ein Schlüsselmoment für das Land. Die Reform ist ein Wunder für die Mittelklasse“, schwärmt Pence über die US-Steuerreform. Am Kabinettstisch legt er nach. Hier einige Aussagen:

  • „Glückwunsch und Danke. Danke dafür, dass Sie im Laufe des Jahres nach einer Agenda gesucht haben, die dieses Land wirklich wieder herstellt.“
  • „Sie haben Amerikas Glaubwürdigkeit in der Welt wieder hergestellt. Wir stehen zu unseren Verbündeten – und wir stehen gegen unsere Feinde.“
  • „Sie haben in diesem Land einen Optimismus ausgelöst, der Maßstäbe setzt.“
  • „Ich bin zutiefst demütig als ihr Vizepräsident hier sein zu können.“
  • „Ich möchte Ihnen danken, Mr. President. Ich möchte Ihnen danken, dass Sie jeden Tag im Namen der vergessenen Männer und Frauen von Amerika sprechen und für sie kämpfen.“

Es ist ein Auftritt nach Trumps Geschmack. Den ganzen Tag über genießt er es, seine Steuerreform noch pünktlich vor Weihnachten auf den Weg gebracht zu haben. Das Repräsentantenhaus lässt das Gesetz mit klarer Mehrheit passieren. 224 Republikaner stimmen dafür, alle 189 Demokraten sowie zwölf Konservative dagegen. Am frühen Mittwochmorgen hat bereits der Senat den Entwurf verabschiedet.

Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Republikanern nach der Verabschiedung der Reform vor dem Weißen Haus sagt Trump: „Wir haben jeden Rekord gebrochen.“ Es handele sich um die größte Steuersenkung in der Geschichte des Landes. Anschließend ruft der Präsident einige Abgeordnete und Senatoren einzeln auf, um sich bei ihnen zu bedanken.

Dass Trump derlei Auftritte liebt, ist nicht neu. Auch, dass er eine Kabinettssitzung als Showbühne nutzt, ist keine Premiere. Bereits im Juni, als erstmals alle Minister und Beauftragten der neuen Regierung beisammensaßen, bat der US-Präsident jeden einzelnen um ein paar Worte. Die folgende Lobhudelei, die öffentlich übertragen wurde, erinnerte verdächtig an die Inszenierungen diktatorischer Machthaber.

Auch bei jener Vorstellungsrunde huldige Vize Pence seinem Chef überschwänglich – und erklärte, es sei „das größte Privileg seines Lebens, als Vizepräsident dem Präsidenten zu dienen, der seine Versprechen dem Volk gegenüber einlöst“.

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  • Spannende Sache, was da auf die USA zukommt. Besonders spannend, dass Herr Trump Steuersparmöglichkeiten eingeführt hat, die erst ab horrend hohen Investitionssummen bzw. Einkommen zu Steuersparmöglichkeiten führen.

    Wenn wahr ist, was Herr Schulz um 13:37 Uhr schreibt, dann werden diese Familien die Entlastung durch deutliche Kürzungen an anderer Stelle erkaufen, so dass am Ende von den 1,5T USD kaum was übrig bleibt. Das Ganze auf Kosten einer deutlich steigenden Staatsverschuldung und allein zu Gunsten seiner reichen Klientel.

    Man sollte nicht vergessen, dass der selbe Versuch im selben Land schon einmal scheiterte ... aber wenn man als Präsident die Möglichkeit hat, sich langfristig zu bereichern, macht man das eben.

  • Herr volker schulz - 21.12.2017, 13:37 Uhr
    nun ist die Steuerreform ja nicht gemacht worden, dass eine Gruppe profitiert. Sie ist gemacht worden, weil das System in den USA verkorkst ist.
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    naja, eine Steuerentlastung von 1.500 $ im Jahr ist ganz nett, aber im Vergleich, wie der Trump-Clan und der Senator Crocker profitieren, ist schon eine Knaller. Also der Präsident entlastet sich mit der Steuerreform in einer schwindelerregenden Summe selbst. Noch Fragen?

  • nun ist die Steuerreform ja nicht gemacht worden, dass eine Gruppe profitiert. Sie ist gemacht worden, weil das System in den USA verkorkst ist. Woher kennen wir das blos....Klientelklüngel und versteckte Besteuerungen....kennen wir auch...Nun ist die Steuerreform eine umfängliche und damit nicht für alle gerecht...aber Fakt ist...eine Familie mit einem Einkommen um die 40 T$ hat eine Steuerentlastung von 1,5T$ im Jahr....wie die Demokraten den Wählern erklären wollen, dass das Schlecht ist, bleibt abzuwarten....vielleicht waren es ja die Russen...

  • Frau Marianne Schad - 21.12.2017, 11:49 Uhr
    Wenn mein ein hohes Einkommen hat und dementsprechend viel Steuern zahlt, dann profitiert man normalerweise auch von Steuererleichterungen mehr als derjenige, der kaum Steuern zahlt.
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    Die Steuerreform hat Trump doch unter anderem deshalb angeschoben, weil er und seine Familie davon prächtig profitiert, nur die Kleinigkeit von rund 1.000. 000,000 Dollar oder auch 1 Milliarde Dollar. Das ist das mehr gegenüber US-Bürger, die nur "geringfügig" Steuern zahlen.

    Bei dieser Gelegenheit: Im Senat hat hat es für die Steuerreform die erforderliche Zustimmung gegeben, weil die Immobiliengesellschaften auch in den Kreis der Profiteure der Steuerreform eingebunden wurden und der Senator Crocker dadurch auch für die Reform im Senat gestimmt hat.

  • http://www.handelsblatt.com/video/finanzen/boersen-news/boersen-berichte/markus-koch-exklusiv-das-wunder-ist-vollbracht-doch-wer-profitiert-wirklich-von-trumps-steuerreform-/20763932.html
    Herr Trump ist der Größte, er vollbringt Wunder, während die Kleingeister darüber reden, ob es ein großes oder kleinen Wunder ist.

  • Frau Schad, da haben Sie irgendwo recht; nur werden in den USA letztendlich die Armen und Abgehängten dafür bezahlen, indem sie vielleicht zunächst ein wenig bekommen, dauerhaft aber nichts. In Deutschland ist das, natürlich in abgeschwächter Form, genauso. Die nächste Diskussion wird in Deutschland sein, bereits jetzt beginnend, dass die Industrie dringend steuerlich entlastet werden muß. Wenn dies tatsächlich so sein sollte, werden wieder unsere Großkonzerne und leistungsstarken Mittelständler, die international aufgestellt sind, profitieren. Die vielen kleineren Unternehmen und Handwerker, die nun mal den Binnenmarkt bedienen, aber den überwiegenden Teil der Arbeitsplätze in Deutschland stellen, werden nicht davon provitieren.

  • Wenn mein ein hohes Einkommen hat und dementsprechend viel Steuern zahlt, dann profitiert man normalerweise auch von Steuererleichterungen mehr als derjenige, der kaum Steuern zahlt. So wird es auch in Deutschland mit der Abschaffung des Soli sein. Da hilft keine Neiddebatte. Das Steuerrecht sollte kein Sozial- und Umverteilungsrecht sein sondern jeden nach seiner Leistungsfähigkeit besteuern.

  • vor dem Weißen Haus sagte Trump: „Wir haben jeden Rekord gebrochen.“ Es handele sich um die größte Steuersenkung in der Geschichte des Landes.
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    Klar, insbesondere profitiert der Donald-Clan davon mit einer Steuerersparnis von 1 Mrd. Dollar in den nächsten Jahren. Und dafür lässt sich Donald auch noch von von den republikanischen Abnickern feiern. Gibt es einen Unterschied zu Russland? Natürlich nicht.

  • Oligarchen.

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